Fechten
Tiffany Géroudet will aus dem Schatten der Schweizer Männer treten
publiziert: Montag, 30. Jul 2012 / 11:43 Uhr
Die Degenfechterin träumt noch von einer Medaille.
Die Degenfechterin träumt noch von einer Medaille.

Die Schweizer Olympiahoffnungen im Degenfechten werden hauptsächlich von den Männern genährt. Das kommt Tiffany Géroudet gelegen. Die junge Walliserin will ohne Druck ihre beste Leistung zeigen.

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Als Europameisterin 2011 wird Tiffany Géroudet im Excel Center in London von Amtes wegen zum weiteren Kreis der Medaillenanwärterinnen gehören. Betrachtet man jedoch die Leistungen der letzten Wochen und Monate, müsste auch ein Vorstoss in die Viertelfinals als Erfolg gewertet werden. Nachdem sie sich im März souverän für die Olympische Spiele qualifiziert hatte, geriet Tiffany Géroudet in eine kleine Baisse. Das Zwischentief war - auch in den Augen von Nationalcoach Angelo Mazzoni - nicht verwunderlich. Denn sie konnte sich eine Zeit lang wegen ihrer Ausbildung zur Lebensmitteltechnologin nicht mehr ganz auf den Sport konzentrieren. In London fühlt sie sich jedoch bereit, an frühere Erfolge - sie war auch Junioren-Weltmeisterin 2006 - anzuknüpfen.

Für Mazzoni war Géroudet lange Zeit ein Sorgenkind. Der Italiener ist überzeugt, dass die Sittenerin viel mehr aus ihrem enormen Talent herausholen könnte. Als sie die WM 2010 förmlich verpatzt hatte, warf er ihr vor, sie bereite sich zu amateurhaft auf die grossen Wettkämpfe vor. Das traf sie wie ein Stich ins Herz und verfehlte mithin seine Wirkung nicht. Mazzoni, seit vier Jahren als Nachfolger des ebenfalls erfolgreichen Rolf Kalich im Amt, und Géroudet arbeiten sehr ernsthaft und jetzt auch zielstrebig zusammen. «Ich habe kein sehr aggressives Temperament und ich hatte mich immer auf mein Talent verlassen», sagte Géroudet zwei Tage vor ihrem Olympia-Debüt. «Aber ich habe in dieser Beziehung Fortschritte gemacht.»

Für Mazzoni war das Nachlassen in den letzten Monaten auch deshalb nachvollziehbar, weil die Qualifikation auch mental sehr viel Substanz gekostet hatte. Im Olympia-Wettkampf will Mazzoni eine Fechterin sehen, wie er sie an der letztjährigen EM in Sheffield erlebt hat. «Ich werde in ihre Augen schauen und wissen, ob sie konzentriert und aufmerksam ist. Ich werde sehen, ob sie zuhören wird und die richtigen Dinge macht. Wenn ich das nicht erkenne, wird es kein guter Tag.»

Eher gelegen kommt Géroudet die nicht gerade einfache Auslosung. Zum Auftakt trifft sie auf die Polin Magdalena Piekarska, die als Nummer 16 der Setzliste unmittelbar vor ihr liegt. «Bereits da sind die Chancen 50:50.» Sie glaube, dass ein schwieriges Tableau für sie besser sei. «Dann weiss ich, dass ich auf dem Maximum kämpfen muss.» Wenn sie jeweils geglaubt habe, der Weg für eine Topplatzierung sei frei, sei es oft nicht gut herausgekommen.

(laz/Si)

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