Tim und Struppi feiern Geburtstag
publiziert: Freitag, 9. Jan 2004 / 08:11 Uhr / aktualisiert: Freitag, 9. Jan 2004 / 08:31 Uhr

Brüssel - Tim und Struppi, die unsterblichen Figuren des belgischen Zeichners Hergé (Georges Rémi), stellten sich am 10. Januar 1929 erstmals der Öffentlichkeit vor. Es war der Beginn eines Riesenerfolgs.

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Die blonde Stirnlocke keck nach oben gestrichen, den schneeweissen Foxterrier immer bei Fuss, so machte sich vor 75 Jahren ein mutiger belgischer Reporter auf ins erste Abenteuer.

Es führte ihn in die damals im Westen kaum bekannte Sowjetunion, doch im Laufe der Jahre sollten Reisen fast um die ganze Welt folgen.

Das Abenteuer im Sowjetreich erschien zunächst noch als Comic-Serie in der Kinder- und Jugendbeilage der belgischen, französischsprachigen Wochenschrift "Das Zwanzigste Jahrhundert".

Mit nur zwei Bildchen pro Woche musste Hergé die neuen Freunde von Tintin und Milou - so heissen Reporter und Hund auf Französisch - bei Laune halten.

Erst 1930 kam die Geschichte als Album heraus. Es sollten 23 weitere folgen. Der letzte Band wurde 1986 veröffentlicht, drei Jahre nach Hergés Tod und unvollendet.

20 Sprachen

So wie der mutige Reporter selbst seine Abenteuer auf fast allen Kontinenten bestand, verbreiteten sich auch die bunten Berichte darüber in alle Welt. In teilweise mehr als 20 Sprachen wurden sie übersetzt.

Aus Tintin wurde Tim, Tan Tan, Tenten oder Kuifje. Milou ist Struppi, Snowy, Terry und Bobbie. Der cholerische Kapitän Haddock (englisch für Schellfisch), Tims väterlicher Freund, hat jedoch seinen Namen fast überall behalten.

Womöglich haben seine unglaublichen Schimpfwörter die Übersetzer schon genug beschäftigt. "Gurke" (cornichon) dürfte zwar wenig Schwierigkeiten bereitet haben, wohl aber "Abart eines Logarithmus".

Tintin, der Gangstern hinterherjagt und für das Gute kämpft, ist hoch intelligent, sprachgewandt, technisch begabt, mutig und trickreich - fast ein James Bond. Aber er hat keine Freundin, keine Familie, keine eigene Wohnung. Niemand weiss, ob Tintin der Vor- oder Nachname ist. Und er sieht so aus, dass auch sein Alter nicht erkennbar wird.

"Ligne claire"

Punkt, Punkt, Komma, Strich - so simpel hat Hergé seinen Helden gezeichnet und doch unverwechselbar gemacht. Die "klare Linie" mit den bunten Farben und fast ohne Schattierung wurde zum Vorbild für viele Comic-Zeichner.

Hergé entliess seinen Reporter-Detektiv gerne in zeitgenössische Erlebnisse - zeitgenössische Vorurteile eingeschlossen. "Tim im Kongo" von 1930 porträtiert die schwarzen Menschen Afrikas in einer Weise, die heute kaum als politisch korrekt empfunden würde.

Der Autor selbst betätigte sich nie politisch, arbeitete aber während der Zeit der deutschen Besatzung für die Brüsseler Zeitung "Le Soir", die von den Nazis kontrolliert wurde. Nach der Befreiung Brüssels erhielt Hergé deshalb ein vorübergehendes Berufsverbot.

Merchandising

Sein umfangreiches Werk wird heute von seiner zweiten Frau über eine Stiftung mit Argusaugen bewacht und prächtig vermarktet. T-Shirts, Tassen, Uhren, Handtücher, Schlüsselanhänger - alles ist mit Motiven aus Tintins Abenteuern zu haben.

An den Wänden der Brüsseler U-Bahn-Station Stokkel sind alle Figuren der Serie verewigt. Und im Februar soll eine 10-Euro-Sondermünze den Ruhm des pfiffigen Reporters und seines Hundes mehren.

(Thomas P. Spieker/dpa)

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