Titten statt Titel*
publiziert: Dienstag, 30. Jul 2013 / 12:17 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 30. Jul 2013 / 15:50 Uhr
Ein «unbearbeiteter» Titel von der Zeitung «The Guardian», 30. Dezember 2008. (Symbolbild)
Ein «unbearbeiteter» Titel von der Zeitung «The Guardian», 30. Dezember 2008. (Symbolbild)

Hans-Jürg Fehr hat für die sozialdemokratische Partei ein Positionspapier zur staatlichen Förderung der Medien lanciert. Seine Analyse, dass die Medienkonzentration in unserer föderalistischen Schweiz zugenommen hat, dass immer mehr vom «Gleichen, weniger Qualität, weniger Recherche, weniger Anbieter - und Meinungsvielfalt» produziert werden, trifft. Aber leider nur einen Teil all dessen, was vor unseren Augen abgeht.

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Deshalb greift auch das sozialdemokratische Papier der staatlichen Förderung von Medien zu kurz. Denn des Pudels Kern liegt nicht nur im Unterbau, sprich der Finanzierung von Information, sondern im Überbau, das heisst in den vorherrschenden Ideen, Referenzen, Aktionsmöglichkeiten. Mit anderen Worten, um einen Satz von Bill Clinton zu paraphrasieren: It's philosophy not economy, stupid.

Die Umkehr von Realität lässt sich im Paradigmawechsel postmoderner Information verorten. Auf ein Schlagwort gebracht: Titten statt Titel regieren. Demokratie ist ein Spektakel, es wird im Kolosseum gegrölt statt in der Polis diskutiert.

Ich gebe Ihnen ein paar Beispiele: Die direkte Demokratie ist zur Demoskopie-Demokratie verkommen. Da werden nicht Positionen, sondern Umfragewerte diskutiert. In der Schweiz vermessen wir via Smartvote sogar die Politiker und Politikerinnen. Daraus resultieren dann Kategorien, Klischees von links und rechts, die nichts mehr mit der wirklichen Politik, sondern nur noch mit den Kategorien der Vermesser etwas zu tun haben. Auch die Wahldemokratie ist zur Kategorienfarce pervertiert. Angela Merkel kann sich nicht-funktionierende Drohnen, eine europäische Vernichtungspolitik via Euro, eine verheerende Familien- und Sozialpolitik und die «Vereinigte Stasi von Amerika» in Deutschland leisten (um nur einige ihrer undemokratischen Fehlleistungen zu benennen), doch in Wahlumfragen bleibt sie die Grösste. Es gibt keinen Zusammenhang mehr zwischen realer Politik und inszeniertem Wahlzirkus. Es gibt in der veröffentlichten Meinung keine Konsequenzen aus undemokratischen Handeln.

Wenn Ueli Maurer schnippisch einen Schlussstrich unter die blutige Niederschlagung einer demokratischen Bewegung zieht, gleichzeitig mit derselben Diktatur militärische Fortbildungslager inszeniert, wird dies als kleiner Skandal in einigen Medienblättchen abgehandelt. Grad so als handle es sich um eine typische SVP-Posse. Dass dahinter Weltbilder und Machtvorstellungen stecken, die jedem Kern unseres demokratischen Denken, Wollens und Handeln widersprechen, wird keine Sekunde reflektiert oder gar vom Parlament als Aufforderung verstanden, eine derartige Regierung zu kontrollieren. Dieser grundlegende philosophische Wandel lässt sich nicht mit einer staatlich geförderten Medienpolitik beheben.

Ein erster, wichtiger Schritt wäre es, die Umwertung aller Werte zu verorten und in zusammenhängende Narrative einzubinden. Freihandel? Wie wäre es mit einer Sonderausgabe zur Etymologie, Politik, Geschichte, Kunst dieses Wortes - und zwar über Wochen hinweg. Menschenhandel? Jeden Tag einen Erfahrungsbericht. Atomenergie? Mindestens einmal die Woche ein Update zu Fukushima weltweit. Stau auf den Strassen? Kramen Sie nochmals das Papier des «Club of Rome» hervor. Kind, Karriere und Küche? Besprechen Sie Margret Atwoods «Handmaid's Tale.»

Sie sehen: Es gäbe unzählige Möglichkeit, die Qualität der Medien zu fördern. Zunächst und zuerst mal mit Geist...dann wird das Geld auch folgen.

* Dies Schlagzeile ist die philosophische Übersetzung von Hannah Arendts Grundgedanken, dass Politik nur von Menschen sprechend und nicht in Bild-Abstraktionen verhandelt werden kann. Für Insider: Ein Oxymoron.

(Regula Stämpfli/news.ch)

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Linkes Reduit
Sehe ich auch so Keinschaf.

Die Staaten versuchen zu spionieren was wir reden, denken und schreiben und jetzt soll der Staat auch noch bestimmen was wir lesen sollen. Die volle Bevormundung durch den Staat. Wobei es auch hier, wie immer bei den Linken, darum geht wie man über das Geld von anderen verfügen kann.

Zum Rest des Artikels. Bei negativen oder katastrophal Geschehnissen der Geschichte, haben vor allem Linke ein ausgesprochenes Reduit-Denken. Mit meinem Jahrgang 65 gehören ich zu den Älteren, aber auch mir geht es auf den Sack dass ich seit meiner Geburt durch eine Holocaust-Industrie tagtäglich an einen Krieg und Massenmord von vor 70 Jahren erinnert werde. Macht mich das zum neo-N... oder Antisemiten. Nein!

Natürlich soll diese nie wieder geschehen und natürlich soll es nicht vergessen werden, aber diese Maschinerie ist unglaublich. Wir wollen auch mal nach vorne blicken. Mich interessiert von vor 70 Jahren gar nicht, sondern wie wir mit den heutigen Problemen umgehen. In Deutschland haben wir menschenrechtlich kein Problem mehr, in Palästina schon. Die Mehrzahl denkt so aber es ist halt politisch nicht korrekt. Ich muss einem 20jährigen aufrichtigen Deutschen nicht jeden Tag daran erinnern, dass sein Opi mal eine Unrechtsuniform tragen musste und er jetzt auf Lebenszeit das Kreuz der Mitschuld tragen muss, damit andere ihre Politik und ihre Geschäfte durchziehen können.

Genau aber in diesem nach Vorne, liessen jene welche immer gegen das Vergessen schreien Genozide in Afrika oder jenes im Balkan trotzdem zu, da diese Menschen keine Lobby und keine Medienindustrie hatten.

Die künstliche Empörung und das Aufbauschen von Maurer's Spruch. Jeder weiss dass er recht hatte, nur sagen soll man es nicht. Wer in den 80er in China war und nun wieder nach China reist, weiss dass er es mit einem ganz anderen Staat zu tun hat. China hat eine unglaubliche Wandlung vor sich und kann diese auch nicht in Rekordzeit erledigen. Wir brauchten auch jene 70 Jahre. Vergessen wir nicht, dass auch die Schweiz ihren Platz mit Toten hat, als unsere Armee während des letzten Generalstreiks Demonstranten niederschoss. Das vergessen jene die den ersten Stein werfen dann allzu gerne doch.

Gegenseitiger Handel fördert auch die politische Entwicklung. Das galt schon zu Marco Polo's Zeiten. Was mit Staaten passiert die man völlig ausgrenzt oder ausgrenzen muss, sieht man an Beispielen wie Zimbabwe und Südkorea. Es wird nur noch schlimmer und in der Ausgrenzung können sich Diktatoren erst recht festigen, weil alle ausländischen Einflüsse fehlen.

Wo ist denn Links jetzt, da weltweit wieder ein Stasi-Überwachungsstaat etabliert wird und USA zur neuen Gedanken-Gestapo wird? Ganz schön ruhig da draussen, obwohl wir alle Steine in die Parlamente werfen sollten!

Ich bleibe dabei. Die grosse Masse ist leider dumm. Seiten voll mit dem Royalen Hosenscheisser. Die US-Senatsabstimmung, bei der letzte Woche mit 12 Stimmen mehr beschlossen wurde dass der Staat weiterhin jede Kommunikation aller Amerikaner abhören darf war nicht einmal ein Untertitel wert.
FEHRrückte Sache
Fehr will genau das, was die Linken doch immer Blocher und Berlusconi vorwerfen (dem einen zu Unrecht, dem anderen etwas weniger):

Er will über die Finanzierung Einfluss auf den Inhalt der Medien nehmen.

Es ist schier unglaublich, aber wahr. Man stelle sich vor, Toni Brunner würde denselben Vorschlag bringen. Was wäre die Folge? Eine wochenlange Medienschlammschlacht gegen Brunner und Blocher - zu Recht.
Wenn aber H.J. Fehr mit seinem Sonntagsschul-Lehrergesicht dasselbe vorschlägt und nicht einmal einen Hehl daraus macht, dass er damit u.a. die Energiewende propagieren will, die nicht einmal demokratisch durch einen Volksentscheid gefestigt wurde, dann erhält er noch Zuspruch von denselben Geistern, die bei Blocher auf die Palme gehen.

Es ist eben nie dasselbe, wenn zwei dasselbe tun. Die Sozialisten à la Fehr sind gefährliche Leute; sie lächeln dich freundlich an, während sie dich über den Tisch ziehen.
auf dem Lehrstuhl sitzend polemisieren
Wie immer eine einseitige Weltanschauung, welche auf dieser Plattform dargelegt wird. Der Bürger ist unmündig, weil er - wie z.B. in Deutschland - in den Umfragen nicht den Peitschen-Peer auf's Podest hievt sondern die biedere Angela. Innert Wochenfrist ist auch unser Bundespräsident zum 2. Mal auf der Abschussliste der Metzgerstochter.

Warum wird hier nie, aber wirklich nie, das SP-Parteiprogramm, die anstehenden Initiativen der SP, Gewerkschaften, Juso usw. kritisch unter die Lupe genommen?

News.ch unterstützt diese geistige Haltung, indem der Schwachsinn dieser Kolumnistin 1 : 1 veröffentlicht wird.

Vom Umverteilen kann man nur leben, so lange es etwas zum Umverteilen gibt. Aber irgendjemand muss dies erarbeiten, und nicht bloss auf einem Lehrstuhl sitzend polemisieren.
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