Tod, Not und Hisbollah-Stolz
publiziert: Dienstag, 25. Jul 2006 / 17:10 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 25. Jul 2006 / 18:15 Uhr

Beirut - Zwei Wochen nach dem ersten israelischen Luftangriff sind viele Libanesen entsetzt über das Ausmass der Verwüstung in den Dörfern und Städten des Südens und in den schiitischen Vororten von Beirut.

Antikriegsdemonstration in Beirut.
Antikriegsdemonstration in Beirut.
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390 Menschen sind bisher ums Leben gekommen, die überwältigende Mehrheit von ihnen Zivilisten. Der Flughafen von Beirut, zahlreiche Brücken, Fabriken und Wohnhäuser wurden in Schutt und Asche gelegt. Rund 700 000 Menschen haben aus Angst vor den Luftangriffen ihre Häuser verlassen. Ein Teil von ihnen hat sich ins Ausland abgesetzt. Die restlichen Vertriebenen harren in den als sicherer geltenden Regionen aus.

Doch die pro-iranische Hisbollah-Miliz, die den Israelis mit der Verschleppung von zwei Soldaten den Anlass für ihre Militäroffensive geliefert hatte, feuert immer noch täglich Raketen auf Ziele in Nordisrael ab.

Erbitterte Kämpfe

Die israelischen Bodentruppen kommen bei ihrem Vormarsch im Südlibanon zwar voran, aber nur sehr langsam. Vier Tage brauchten sie, um ein Dorf an der Grenze einzunehmen und hatten dabei auch Verluste zu beklagen.

Die Hisbollah sieht in den erbitterten Gefechten nahe der Grenze einen Beweis dafür, dass Israel seine Ziele in Libanon - Befreiung der Soldaten, Zerstörung der militärischen Infrastruktur der Hisbollah und Einrichtung einer Pufferzone im Südlibanon - trotz grosser technologischer Überlegenheit nicht erreichen wird.

«Hisbollah viel stärker als 1982»

«Die israelische Armee hat ein Informationsdefizit. Da sie im Libanon nicht viele militärisch relevante Ziele kennt, die sie bombardieren kann, greift sie zivile Ziele an oder Gebäude, in denen die Hisbollah Büros hat», sagt Hussein al-Nabulsi, ein Sprecher der Hisbollah in Beirut. Die Kämpfe der vergangenen Tage hätten gezeigt, dass die Schlagkraft der Hisbollah heute weitaus grösser sei als 1982, als die israelische Armee in Beirut einmarschiert war.

Trotz der Überlegenheit seiner Luftwaffe sei es Israel bislang nicht gelungen, die Raketenwerfer der Hisbollah zu zerstören. «Wir befinden uns nicht in einem klassischen Krieg, sondern dies ist ein Nervenkrieg, die Israelis stossen in ein Dorf vor, aber sie können es nicht lange halten», erklärt Al-Nabulsi.

Bange Fragen

Doch bei allem Kämpferstolz und aller Kriegspropaganda muss sich die Hisbollah auch auf wachsende Proteste aus der eigenen Bevölkerung einstellen. Denn spätestens wenn den Vertriebenen das Geld ausgeht und die Versorgungslage im Süden noch schlechter wird, stellt sich für viele Libanesen die Frage, ob der Preis, den die Zivilbevölkerung zahlt, nicht zu hoch ist. «Wie lange wird es wohl noch dauern?», ist die bange Frage, die in Beirut diskutiert wird.

Die zweite Frage, die sich hier jeder stellt ist: «Wird die Hisbollah mit ihren Raketen auch Tel Aviv angreifen?» Denn in diesem Fall rechnet man in Beirut damit, dass Israel auch die Viertel von Beirut bombardieren wird, die bislang verschont blieben.

(Von Anne-Beatrice Clasmann, dpa/sda)

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