Das UNO-Komitee wirft vor
Tod von schwarzem Teenager - erneut Ausschreitungen
publiziert: Donnerstag, 14. Aug 2014 / 07:48 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 14. Aug 2014 / 21:32 Uhr

St. Louis - Die Kleinstadt Ferguson im US-Bundesstaat Missouri befindet sich nach den tödlichen Polizeischüssen auf einen jungen unbewaffneten Schwarzen weiter im Ausnahmezustand. In der Nacht zum Donnerstag (Ortszeit) kam es zu Zusammenstössen zwischen Polizei und Demonstranten.

9 Meldungen im Zusammenhang

Es war die fünfte Nacht in Folge. US-Präsident Barack Obama rief die Menschen in der Stadt zur Ruhe auf. Es gebe keine Entschuldigung für Angriffe auf die Polizei oder für Plünderungen. Aber auch die Polizei müsse gemässigt vorgehen, friedliche Demonstrationen seien erlaubt, auch Journalisten dürfen nicht bedroht werden.

Die Polizisten in Ferguson hatten in der Nacht laut US-Medienberichten Tränengas und Rauchbomben eingesetzt, um die Demonstration aufzulösen. Nach Polizeiangaben warfen einige Demonstranten Molotowcocktails. Augenzeugen sprachen von schwer bewaffneten Polizisten in Militäruniformen mit Schutzwesten, wie die Zeitung «St Louis Post-Dispatch» berichtete.

Skrupellose Polizei?

Der 18-jährige Michael Brown soll nach Polizeiangaben seinen Todesschützen am Samstag bei einer Auseinandersetzung in sein Dienstfahrzeug gedrängt haben. Zeugen widersprachen hingegen der Version der Polizei.

«Ich sah wie die Polizei ihn verfolgt hat, die Strasse entlang und dann haben sie ihn niedergeschossen», sagte die Zeugin Piaget Crenshaw dem Nachrichtensender CNN. Andere Augenzeugen hatten berichtet, der Jugendliche habe sich kurz vor seinem Tod ergeben und die Hände in die Höhe gehalten. Brown sei unbewaffnet gewesen.

Der Anwalt von Browns Familie, Benjamin Crump, rief im TV-Sender CNN die Menschen in Ferguson auf, «friedlich und verantwortungsvoll» zu protestieren. Ausserdem forderte Crump eine unabhängige Autopsie von Browns Leichnam.

Journalisten festgenommen

Zwei Journalisten, die über die Proteste berichteten, wurden vorübergehend festgenommen, später aber wieder freigelassen. Einer der beiden sagten nach Angaben der Zeitung «St Louis Post-Dispatch», Polizisten hätten ihn gewaltsam gegen einen Getränkeautomaten geschleudert, als sie versuchten, das Lokal zu räumen.

«Der Gedanke, dass wir eine Bedrohung waren, nur weil wir nicht schnell genug unsere Taschen gepackt haben, ist lächerlich», sagte einer der Journalisten, Ryan Reilly von der «Huffington Post».

Insgesamt wurden seit dem Beginn der Proteste am Wochenende 65 Menschen festgenommen, darunter ein Stadtrat. Ein 19-Jähriger, der bei Protesten von Polizisten angeschossen wurde, schwebte in einem Spital in Lebensgefahr.

Vorwürfe an die Justizbehörden

Die Bewohner der Kleinstadt mit 20'000 Einwohnern, von denen etwa zwei Drittel schwarz sind, fordern eine umfassende Aufklärung des Vorfalls, was US-Justizminister Eric Holder bereits versprochen hat. Doch da die Polizei den Namen des verantwortlichen Beamten zu dessen Schutz geheim hält, wird ihr vorgeworfen, den umstrittenen Fall verschleiern zu wollen. Demonstranten fordern die Bekanntgabe des Namens.

Um die Lage in Ferguson zu beruhigen, sollen die Schulen am Donnerstag und Freitag geschlossen bleiben. Gouverneur Jay Nixon sagte, die Lage in Ferguson sei besorgniserregend. Trotz allen Respekts für die Verantwortung der Polizei «müssen wir auch die Rechte der Bewohner von Missouri schützen, sich friedlich zu versammeln und das Recht der Presse, über Angelegenheiten des öffentlichen Interesses zu berichten.»

Kritik von UNO

Derweil hat ein UNO-Ausschuss die anhaltende Diskriminierung ethnischer Minderheiten in den USA gerügt. Afroamerikaner seien stark überrepräsentiert unter jenen US-Bürgern, die «festgenommen, angeklagt, verurteilt, eingesperrt und mit lebenslanger Haft verurteilt werden, besonders für gewaltlose Verbrechen», kritisierte der stellvertretende Vorsitzende des UNO-Komitees zur Beseitigung rassistischer Diskriminierung, Noureddine Amir, am Mittwochabend in Genf.

(awe/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Arlington/Ferguson - Bei Zusammenstössen in der US-Stadt Ferguson ist ... mehr lesen
Proteste in Ferguson, Stars and Stripes und die Stadt stehen Kopf.
Ferguson - Nach dem Tod eines schwarzen Teenagers kommt die US-Kleinstadt Ferguson nicht zur Ruhe. Die Polizei setzte in der Nacht zum Dienstag erneut Tränengas und ... mehr lesen
Die Proteste in der US-Kleinstadt Ferguson waren wieder aufgeflammt, nachdem sich die Lage am Freitag kurzzeitig beruhigt hatte.
St. Louis - Rund 200 Demonstranten haben sich in der Nacht zum Sonntag in der US-Kleinstadt Ferguson über eine Ausgangssperre hinweggesetzt. Die Demonstranten harrten nach Mitternacht ... mehr lesen 1
Ferguson - Eine Woche nach der Tötung eines schwarzen Teenagers ist es in der ... mehr lesen
Seit der Tötung des 18-jährigen Michael Brown am 9. August hatte es in Ferguson tagelang Zusammenstösse zwischen Demonstranten und schwer bewaffneten Polizisten gegeben.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Die Polizei der Stadt Ferguson war in den vergangenen Tagen mehrfach für ihr hartes Vorgehen kritisiert worden. (Symbolbild)
Washington - Knapp eine Woche ... mehr lesen
Washington - In den USA hat die Erschiessung eines schwarzen Jugendlichen durch die Polizei erneut Unruhen ausgelöst. Ein überwiegend von Schwarzen bewohnter Vorort von St. Louis im Bundesstaat Missouri wurde zwei Tage lang von Ausschreitungen erschüttert. mehr lesen 
Washington - Die US-Bundespolizei ... mehr lesen
Das FBI werde den Fall «so effizient und gründlich wie möglich» analysieren. (Symbolbild)
Ferguson - Ein Polizist hat in der Kleinstadt Ferguson im US-Bundesstaat Missouri einen Jugendlichen erschossen. Der 18-Jährige sei nicht bewaffnet gewesen und habe Zeugen zufolge auch ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Sonnenbrille für den coolen Sommer-Look
Sonnenbrille für den coolen Sommer-Look
Auch in diesem Mode-Jahr dürfen die passenden Accessoires nicht fehlen, um einem Outfit das gewisse Etwas zu verleihen. So gibt es auch in diesem Jahr einige sehr angesagte Trends im Bereich der Mode-Accessoires. Dabei gilt 2019 vor allem eines: Auffallen um jeden Preis! mehr lesen 
Publinews Unvergessliche Weihnachtsgeschenke  Persönlicher geht's kaum: die schönsten Bilder als einmalige Weihnachtsgeschenke. Für ... mehr lesen  
Das elektrisch unterstützte Velofahren erlebt einen ungeahnten Hype und ermuntert auch Leute zum Radeln, die sich das gar nicht mehr zugetraut hätten. Wir bringen die Vorteile aufs Tapet und stellen drei traumhafte Routen für alle Fitnesslevel vor. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • paparazzaphotography aus Muttenz 1
    Foto Sanatorio Liebes news.ch Team, es ist für mich eine Ehre dass sie mein Foto des ... Di, 03.01.17 22:12
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Motor hinten oder vorne war dem Tram in Basel völlig egal! Ob ein Auto über- oder untersteuert, ist nicht von der Lage des Motors ... Mi, 01.06.16 10:54
  • Mashiach aus Basel 57
    Wo bleibt das gute Beispiel? Anstatt sichere, ÜBERSTEUERNDE Heckmotorwagen zu fahren, fahren sie ... Mo, 30.05.16 11:56
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Zugang "Das sunnitische Saudi-Arabien, das auch im Jemen-Konflikt verstrickt ... So, 29.05.16 22:06
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Pink Phanter-Bande? Am 25. 7. 2013 hat eine Befreiung von Pink Panther-Mitglied Milan ... So, 29.05.16 15:38
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    ja, weshalb sollte man solches tun? Ist doch krank, Gott zu beschimpfen! Das hat etwas, ... So, 29.05.16 12:12
  • Gargamel aus Galmiz 10
    Warum sollte man überhaupt den Glauben an Gott beschimpfen oder verspotteten? Wie krank ... So, 29.05.16 10:11
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wir sind ja alle so anders als diese "Flüchtlinge". Warum sind auch nicht alle so edel, wie ... Sa, 28.05.16 20:25
Unglücksfälle Zorn über Tötung von Gorilla in US-Zoo Cincinnati - Die Tötung eines Gorillas im Zoo der ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 10°C 22°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Basel 11°C 22°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
St. Gallen 15°C 20°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Bern 11°C 21°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Luzern 14°C 22°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Genf 15°C 23°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen freundlich
Lugano 11°C 13°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen wechselnd bewölkt, Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten