Taktlos und falsch
Todd Akin: Seine Äusserung macht weltweit Schlagzeilen
publiziert: Freitag, 24. Aug 2012 / 13:30 Uhr
Akin ist gegen Abtreibungen, selbst wenn eine Schwangerschaft die Folge einer Vergewaltigung ist.
Akin ist gegen Abtreibungen, selbst wenn eine Schwangerschaft die Folge einer Vergewaltigung ist.

Kann der verirrte Kommentar eines Aussenstehenden wirklich eine sorgfältig geplante Präsidentschaftswahl durcheinanderbringen? Mitt Romney ist dabei, es herauszufinden.

2 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

CNN Election Center
America's Choise 2012
edition.cnn.com/ELECTION/2012/

Romney und weite Teile der Republikanischen Partei hatten diese Woche mit einer Äusserung eines weniger bekannten Parteimitglieds zu kämpfen, die implizierte, manche Vergewaltigungen seien zweifelhaft und nur wenige Vergewaltigungen hätten Schwangerschaften zur Folge. Die Äusserung machte weltweit Schlagzeilen.

Der Kommentar wurde von Todd Akin geäussert, einem Abgeordneten im Repräsentantenhaus, der für einen Sitz im Senat kandidiert. Akin ist gegen Abtreibungen, selbst wenn eine Schwangerschaft die Folge einer Vergewaltigung ist.

«Wenn es sich um eine tatsächliche Vergewaltigung handelt, dann kennt der weibliche Körper Möglichkeiten, mit denen er versucht, das Ganze zu verhindern», so Akin. Zu Akins Implikation, dass nur manche Vergewaltigungen tatsächlich Vergewaltigungen sind, kommt noch die verblüffende Behauptung, Vergewaltigungen würden normalerweise nicht zu Schwangerschaften führen.

«Laut Schätzungen des Fachblattes American Journal of Obstetrics and Gynecology werden pro Jahr etwa 30'000 Amerikanerinnen in Folge einer Vergewaltigung schwanger», so Geburtshelfer Dr. David Grimes. «Wir haben regelmässig Vergewaltigungsopfer in unserer Praxis.»

Akins Äusserung war nicht nur taktlos und falsch, sondern auch ein Rückschlag für die Republikaner im Senat und für Mitt Romneys Hoffnungen auf den Einzug ins Weisse Haus. Romney liegt bereits hinter Präsident Obama. Eine aktuelle Umfrage von NBC/Wall Street Journal ergab, dass 48 Prozent der US-amerikanischen Wähler Obama unterstützen, im Vergleich zu 44 Prozent für Romney.

Der Unterschied ist bei den weiblichen Befragten noch grösser. Ganze 51 Prozent der Wählerinnen unterstützen Obama, während Romney nur 41 Prozent der Stimmen hat.

Obamas Anhänger bauen auf diesem Vorsprung auf. Sie behaupten, die Republikanische Partei führe einen «Krieg gegen die Frauen», indem sie auf Ablehnung von Abtreibungen und weitflächig eingeführten, vorgeschriebenen Verhütungsmitteln der privaten Krankenkassen beharren.

Eine Vergewaltigung ist eine Vergewaltigung

Obama hat seit Monaten keine offizielle Pressekonferenz mehr einberufen. Kürzlich ist er jedoch vor die Medien getreten, um seine Entrüstung über Akins Äusserung bekannt zu machen. «Eine Vergewaltigung ist eine Vergewaltigung», äusserte sich Obama. «Die Vorstellung, verschiedene Arten von Vergewaltigung in diesem Kontext zu analysieren, näher zu bestimmen und zu zerstückeln, ergebe keinen Sinn, weder aus der Sicht der US-Bürger noch aus meiner.»

Bis zu Beginn dieser Woche haben die Republikaner enorme Hoffnungen und Millionen von US-Dollar in die Akin-Kampagne gesteckt. Die Demokraten haben momentan eine kleine Mehrheit im US-Senat. Akin galt als einer der wenigen Kandidaten der Republikaner, dessen mögliche Siege die gewünschte Kontrolle für die Partei verschaffen würden.

Stattdessen finden sich Romney und einige andere führende Politiker der Republikaner nun in der ungewöhnlichen Lage, ein Mitglied aus den eigenen Rängen zu isolieren und sich von ihm abzuwenden, indem sie Akins Worte missbilligen und ihn dazu auffordern, aus dem Wahlkampf um den Sitz im Senat auszusteigen.

«Seine Kommentare zum Thema Vergewaltigung sind ungeheuerlich, beleidigend und falsch», sagte Romney.

Akin hat sich entschuldigt, weigert sich jedoch, aus dem Wahlkampf auszusteigen. Die Republikanische Partei hat deshalb die Zahlungen für Akins Kampagne eingestellt und ihn dazu angehalten, nächste Woche daheimzubleiben und dem Parteitag in Florida nicht beizuwohnen, bei dem Romney offiziell zum Präsidentschaftskandidaten ernannt wird. Der Akin-Vorfall war für Romneys Wahlkampf keine Katastrophe, stellte aber eine schmerzhafte Ablenkung dar, die sich tagelang hinzog und kein Ende finden wird, solange Akin weiter um den Sitz im Senat kämpft.

Jonathan Mann
Dieser Text stammt von Jonathan Mann, Moderator und Journalist bei CNN International. Seine Kolumne steht in der Schweiz exklusiv für news.ch zur Verfügung. Mehr über das US-Wahljahr 2012 unter http://edition.cnn.com/ELECTION/2012.

(Kolumne von Jonathan Mann/CNN-News)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Washington - Fast 1000 im Internet veröffentlichte mutmassliche Steuerunterlagen von Mitt Romney heizen in den USA ... mehr lesen
Romney hat wiederholt erklärt, er habe nie weniger als 13 Prozent Steuern bezahlt.
Glaubt scheinbar, Gebärmütter seien intelligenter als er: Todd Akin, Senatskandidat der Republikaner
Etschmayer Der Republikanische Senatskandidat Todd Akin hat eine völlig faszinierende neue Theorie zum Thema Schwangerschaft durch Vergewaltigung. Demnach könne eine Frau, die Opfer einer «legitimate», also einer echten ... mehr lesen 3
Unsittlich im Oval Office?
Unsittlich im Oval Office?
US-Wahlen  Hillary Clinton muss dieser Tage feststellen, dass der Stachel der jahrzehntealten Sex-Skandale ihres Mannes noch immer tief sitzt - und man mittlerweile auch von ihr erwartet, sich dafür zu rechtfertigen. 
Bloomberg erwägt offenbar eine Präsidentschaftskandidatur Washington - Der frühere New Yorker Bürgermeister und Milliardär Michael Bloomberg erwägt nach ...
Bloomberg sagt Trumpf den Kampf an.
US-Wahlen  Ist Donald Trump der geeignete Mann, Amerika vor dem IS zu beschützen? Oder ist er vielmehr genau der Kandidat, den sich die Extremisten im Weissen Haus wünschen würden?  
Britische Anwälte fordern Einreiseverbot für Trump London - Eine Petition mit 573'000 Unterschriften für ein Einreiseverbot, eine Mini-Demonstration und schwarze Anwälte, ... 1
Titel Forum Teaser
Carly Fiorina zieht sich zurück.
Whitehouse Fiorina und Christie steigen aus dem Wahlkampf aus Concord - Bei den Republikanern werfen im ...
 
Wettbewerb
   
Die geladenen Gäste werden eine Fahrt durch den mit 57 Kilometern längsten Bahntunnel der Welt machen.
Gotthard-Basistunnel  Bern - 160'000 Personen haben sich bis zum Ablauf des Wettbewerbs für Fahrkarten in jenen beiden Zügen beworben, die am 1. ...
Eröffnungsfahrt zu gewinnen  Bern - Wer am 1. Juni 2016 in einem der beiden Züge, die den Gotthard-Basistunnel eröffnen, mitfahren will, kann sich nun um Fahrkarten bewerben. ...
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
FR SA SO MO DI MI
Zürich -3°C 1°C leicht bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen
Basel -3°C 1°C bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen
St.Gallen -1°C 4°C leicht bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen
Bern 1°C 3°C bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen
Luzern 1°C 6°C leicht bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen
Genf -1°C 4°C bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen
Lugano 2°C 6°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
mehr Wetter von über 6000 Orten