Motorrad
Tom Lüthi: Wenn ein 2. Platz nicht nur Freude macht
publiziert: Sonntag, 26. Aug 2012 / 14:07 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 26. Aug 2012 / 17:48 Uhr

Tom Lüthi verpasste beim GP von Tschechien in Brünn seinen 8. Sieg nur um 0,061 Sekunden gegenüber Marc Marquez. Überschwänglicher Jubel über den 27. Podestplatz seiner Karriere kam beim Berner Moto2-Star aber nicht auf.

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17 von 20 Runden hatte der Trainingszweite das Rennen vor über 130'000 Zuschauern angeführt. Im Nacken das Trio mit WM-Leader Marc Marquez, dessem spanischen Landsmann Pol Espargaro, der aus der Pole-Position gestartet war, und Vorjahressieger Andrea Iannone (It).

Lüthi erwartete ständig einen Angriff, mit dem Marquez bis zur 17. Runde zuwartete. Beide Piloten fahren mit einem Suter-Töff und profitieren vom gleichen neuen Material (Chassis, Hinterradschwinge). Im Training hatte Lüthi seinen Gegner ebenfalls immer im Griff. «Als er an mir vorbeikam, sah ich auch sehr schnell, dass ich beim Bremsen und Beschleunigen besser war. Seltsam war einfach, dass Marc auf der Geraden soviel mehr Speed hatte als ich. So war jeder Konterversuch von mir aussichtslos. Aber ich bin ganz klar auf Augenhöhe mit ihm.»

Da tönte sehr viel Frust aus den Worten des 125er-Weltmeisters von 2005, auch wenn sich der 25-Jährige unter dem Strich nach seinem sechsten Podestrang der Saison «glücklich über die gewonnen 20 WM-Punkte und die Zurückeroberung des dritten WM-Ranges» zeigte. An den Titel mag Tom Lüthi nicht mehr gross denken: «59 Punkte Rückstand sind viel, da müsste schon Aussergewöhnliches passieren.»

Der 19-jährige Marquez, der 2010 Weltmeister der 125er-Kategorie war und in seinem erst 72. GP-Rennen schon den 23. Sieg feierte, wird nächste Saison in der MotoGP den Platz des zurücktretenden Weltmeisters Casey Stoner übernehmen. Die Königsklasse hat auch Lüthi immer noch im Visier, auch wenn dies, Stand heute, noch nicht finanzierbar ist. Da wundert sich Lüthi, dass neben Marquez aus dem Moto2-Feld auch Bradley Smith für 2013 im Yamaha-Topteam von Cal Crutchlow unterschreiben konnte. Der Britte hat mit 77 Zählern genau die Hälfte an WM-Punkten auf dem Konto wie Lüthi.

Aegerters Tag voller Missgeschicke

Dominique Aegerter, ebenfalls mit neuem Suter-Material ausgerüstet, will den gestrigen Tag voller Missgeschicke möglichst schnell abhaken. Es begann schon im Warm-up mit einem Sturz. Im Rennen wurde der 21-jährige Rohrbacher sein Pech auch nicht los. Seinen obligaten Blitzstart vermasselte er, weil er den zweiten Gang nicht schnell genug reinbrachte; nach vier Runden verpasste er den Anschluss an die Spitzengruppe, weil er aus Versehen den Knopf zum Ausschalten des Motors drückte und so eineinhalb Sekunden verlor; dann touchierte ihn Mika Kallio von hinten und brachte ihn aus dem Rhythmus; und am Ende konnte er nur mit einem halsbrecherischen Manöver einen Sturz verhindern.

Aegerter: «Ein bisschen viel auf einmal. Aber lieber soviel Pech auf einmal als auf verschiedene Rennen verteilt.» Am Ende war er gar froh darüber, dass er mit seinem 14. Rang wenigstens vermeiden konnte, zum zweitenmal nach dem Startrennen in Katar ohne Punkte zu bleiben.

Von WM-Punkten kann Randy Krummenacher zurzeit nur träumen - Rang 22 nach einem Wochenende, «das mich dreimal soviel Energie kostete wie sonst». Die Diskussionen um seine Zukunft im Team Switzerland belasten den 22-jährigen Zürcher Oberländer enorm. «Ich spüre es nicht nur seit heute, dass sich eine Trennung abzeichnet. Ich muss und werde jetzt bis zum nächsten Rennen in drei Wochen in Misano einige Dinge klären und mich hoffentlich etwas erholen können. So kann es nicht weitergehen. Auf dem Töff fühle ich mich so, als würde ich gegen eine Wand fahren.» Auch der vierte Moto2-Schweizer hatte kein Glück: Marco Colandrea stürzte nach drei Runden und schied aus.

Der fünfte GP-Schweizer, Giulian Pedone, kämpfte sich in der Moto3 vom 32. und letzten Platz aus trotz Kopfweh und Schmerzen im Handgelenk bis auf Rang 22 vor. Der 18-jährige Neuenburger hatte sich nach seinem fürchterlichen Sturz im Qualifying erst 40 Minuten vor Rennbeginn für einen Start entschieden, auch als Dank an seine Mechaniker, die in einer Nachtschicht seine Suter-Honda repariert hatten.

Resultate:
Brünn. GP von Tschechien. Moto3 (19 Runden à 5,403 km/102,657 km):
1. Jonas Folger (De), Kalex-KTM, 43:03,089 (143,071 km/h). 2. Luis Salom (Sp), Kalex-KTM, 5,918 Sekunden zurück. 3. Sandro Cortese (De), KTM, 5,963. 4. Maverick Viñales (Sp), FTR-Honda, 6,091. 5. Alex Rins (Sp), Suter-Honda, 6,490. 6. Jakub Kornfeil (Tsch), FTR-Honda, 6,572. - Ferner: 22. Giulian Pedone (Sz), Suter-Honda, 45,814. - Schnellste Runde (17.): Salom 2:09,659 (150,015 km/h). - 32 gestartet, 28 klassiert.

WM-Stand (12 von 17 Rennen):
1. Cortese 200. 2. Viñales 168. 3. Salom 149. 4. Romano Fenati (It), FTR-Honda, 104. 5. Rins 83. 6. Alexis Masbou (Fr), Honda, 81. - Ferner: 16. Folger 46. 26. Pedone 7.

Moto2 (20 Runden/108,06 km):
1. Marc Marquez (Sp), Suter, 41:19,178 (156,913 km/h). 2. Tom Lüthi (Sz), Suter, 0,061. 3. Pol Espargaro (Sp), Kalex, 0,440. 4. Andrea Iannone (It), Speed Up, 0,510. 5. Simone Corsi (It), FTR, 10,319. 6. Alex de Angelis (San Marino) FTR, 10,643. - Ferner: 14. Dominique Aegerter (Sz), Suter, 17,772. 22. Randy Krummenacher (Sz), Kalex, 36,981. Gestürzt: Marco Colandrea (Sz), FTR. - Schnellste Runde (18.): Espargaro 2:03,061 (158,058 km/h). - 31 gestartet, 27 klassiert.

WM-Stand (12/17):
1. Marquez 213. 2. Espargaro 165. 3. Lüthi 154. 4. Iannone 149. 5. Scott Redding (Gb), Kalex, 106. 6. Mika Kallio (Fi), Kalex, 97. - Ferner: 9. Aegerter 63. 17. Krummenacher 24.

MotoGP (22 Runden/118,866 km):
1. Dani Pedrosa (Sp), Honda, 42:51,570 (166,403 km/h). 2. Jorge Lorenzo (Sp), Yamaha, 0,178. 3. Cal Crutchlow (Gb), Yamaha, 12,343. 4. Andrea Dovizioso (It), Yamaha, 18,591. 5. Stefan Bradl (De), Honda, 25,582. 6. Alvaro Bautista (Sp), Honda, 29,451. 7. Valentino Rossi (It), Ducati, 34,514. - Ferner: 13. Colin Edwards (USA), Suter, 1:27,898. - Schnellste Runde (8.): Lorenzo 1:56,274 (167,284 km/h). - 19 gestartet, 17 klassiert. Nicht am Start: Casey Stoner (Au, Honda), Nicky Hayden (USA, Ducati) und Hector Barbera (Sp, Ducati), alle verletzt.

WM-Stand (13/18):
1. Lorenzo 245. 2. Pedrosa 232. 3. Stoner 186. 4. Dovizioso 150. 5. Crutchlow 122. 6. Bradl 105. - Ferner: 8. Rossi 100. 17. Edwards 17.

 

(fest/Si)

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