Tote bei Protesten gegen libysche Islamisten
publiziert: Samstag, 22. Sep 2012 / 13:15 Uhr

Bengasi - In Libyen haben hunderte Demonstranten drei Stützpunkte radikalislamischer Milizen gestürmt. Dabei kamen in der Nacht zum Samstag in Bengasi nach Spitalangaben zwei Demonstranten ums Leben, 30 weitere wurden verletzt.

6 Meldungen im Zusammenhang
Der Angriff auf die drei Stützpunkte war eine Reaktion auf den Tod des US-Botschafters Chris Stevens in der vergangenen Woche. Eine der drei Milizen gilt als treibende Kraft hinter der Erstürmung des US-Konsulats vor einer Woche, bei welcher der Botschafter und drei weitere Amerikaner getötet wurden.

Zunächst vertrieben die Demonstranten die Kämpfer der Ansar al-Scharia aus deren Stützpunkt und steckten das Gebäude dann in Brand. Danach griffen Demonstranten den Stützpunkt einer weiteren Miliz, Rafallah Sahati, an. Deren Kämpfer schossen in die weitgehend unbewaffnete Menge.

Nach Spitalangaben wurden zwei Demonstranten getötet und etwa 30 verletzt. Zuvor waren in der nordlibyschen Stadt bereits rund 30'000 Menschen gegen Ansar al-Scharia auf die Strasse gegangen. «Nein, nein zu den Milizen», riefen sie. Die Demonstration war die grösste seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi im August 2011.

Milizen als Problem

Die zahlreichen schwer bewaffneten Milizen sind im nach-revolutionären Libyen zu einem grossen Problem geworden. Viele Libyer werfen ihnen vor, die Zivilbevölkerung nach ihren radikalen Vorstellungen zu gängeln.

«Ich will nicht, dass Männer in afghanisch aussehender Kleidung mich in der Strasse anhalten und mir Befehle erteilen, ich will nur Leute in Uniform sehen», brachte der Student Omar Mohammed die Empörung derer auf den Punkt, die wie er das Gebäude von Ansar al-Scharia stürmten. Demonstranten erklärten, die Aktion sei in Unterstützung von Polizei und Militär erfolgt.

In Libyen agieren noch immer zahlreiche Milizen, die teils besser bewaffnet sind als die offiziellen Sicherheitskräfte. Sie stellen sich selbst als Wächter der libyschen Revolution dar, die die Sicherheit dort gewährleisteten, wo die Polizei nicht dazu in der Lage sei.

Kritiker werfen ihnen jedoch vor, wie kriminelle Banden vorzugehen, die Gegner einschüchtern und Morde verüben. Der Übergangsregierung gelang es nach dem Sturz Gaddafis nicht, die Milizen unter staatliche Kontrolle zu bringen oder sie in die regulären Truppen zu integrieren.

Trauer um US-Botschafter

Ansar al-Scharia steht in Verdacht, den Protest gegen ein anti-islamisches Schmähvideo am 11. September für einen Angriff auf das US-Konsulat genutzt zu haben. Dabei wurde unter anderem US-Botschafter Chris Stevens getötet.

Bei der Demonstration trauerten Demonstranten auch um Stevens und die anderen drei Amerikaner. Einige trugen Schilder mit der Aufschrift: «Der Botschafter war Libyens Freund» und «Libyen hat einen Freund verloren».

(asu/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Tripolis - Bei Kämpfen zwischen Milizen sind in der libyschen Stadt Bani Walid 15 Menschen ums Leben gekommen. Dutzende ... mehr lesen
Ex-Rebellen lancierten die Angriffe in Bani Walid. (Archivbild)
Demonstrationen gegen radikale Islamisten in Lybien.
Etschmayer Seit dem Mohammed-Video sind überall die Glaubensschützer unterwegs und wollen, dass «religiöse Gefühle» künftig wieder ... mehr lesen 6
Bengasi - Nach der jüngsten Gewalt in Libyen haben die Behörden die Auflösung aller «illegitimen» Milizen beschlossen. ... mehr lesen
Alle bewaffneten Gruppen, welche sich nicht unter der staatlichen Autorität befinden, werden aufgelöst. (Symbolbild)
Bengasi/Washington/Kairo - Nach dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat in ... mehr lesen 1
Chris Stevens war eins der Opfer, die beim Angriff ums Leben kamen.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Kairo/Bengasi - Aus Protest gegen einen angeblich Islam-feindlichen Film haben Demonstranten in Ägypten und ... mehr lesen
Frankreichs Staatschef François Hollande (Bild) äussert die Vermutung, dass Syriens Machthaber Baschar al-Assad noch immer Giftgas einsetzt.
Frankreichs Staatschef François Hollande (Bild) äussert die Vermutung, ...
Trotz Verbot  Paris - Frankreich hat nach Angaben von Staatschef François Hollande «Hinweise» darauf, dass die Truppen von Syriens Machthaber Baschar al-Assad immer noch Chemiewaffen einsetzen. Es gebe allerdings noch keine Beweise, sagte Hollande am Sonntag dem Radiosender Europe 1. 
2000 Griechen protestieren gegen Entsorgung syrischer Chemiewaffen Athen - Auf der griechischen Insel Kreta haben rund ...
Setzen Assads Truppen wieder Giftgas ein? Damaskus - Die syrischen Regierungstruppen sollen im Kampf gegen die Rebellen ... 1
Irak  Ramadi - Bei einer Offensive der irakischen Armee gegen islamistische Rebellen in der Stadt Ramadi sind am Samstag 23 Menschen getötet ...
Bei den Kämpfen seien 21 Rebellen und zwei Soldaten getötet worden. (Symbolbild)
Irakische Armee verstärkt Offensive gegen islamistische Kämpfer Bagdad - Die irakische Armee hat am Samstag im Westen des Landes ihre Operationen gegen ...
Die irakische Armee hat am Samstag im Westen des Landes 50 islamische Aufständische getötet.
Mehr als 50 Rebellen in Anbar getötet Bagdad - Die irakischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben bei Luftangriffen in der Unruheprovinz ...
Titel Forum Teaser
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2093
    Aufgabe V. Putin ist weder ein Zar, ein Heiliger noch ein Vorzeigedemokrat. ... gestern 19:38
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2093
    Fragen R. Erdogan beschränkt Twitter und Youtube und gibt bei dieser ... gestern 18:10
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2093
    Nun... muss man sich mit Russland zusammensetzen und ernsthaft nach Lösungen ... gestern 10:08
  • Believer aus Grenchen 4
    HALLO Aber Hallo? - "Freiheit und Wohlstand" - "Ruhe auf dieser Erde" - Auf ... Sa, 19.04.14 14:39
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2093
    Algerien... ist weiterhin in einem desolaten Zustand. Keine Arbeit für die ... Sa, 19.04.14 10:09
  • keinschaf aus Henau 2220
    Widersprüchlicher geht nimmer! "Die US-Regierung hat Russland zu einer sofortigen Umsetzung der Genfer ... Sa, 19.04.14 09:53
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2093
    Einige... Aspekte dieses Konfliktes finden ihre Ursache auch im Ausland. Auf der ... Sa, 19.04.14 09:50
  • jorian aus Gretzenbach 1446
    Ostern http://www.youtube.com/watch?v=kwhbJh06dP8 Fr, 18.04.14 21:50
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
MO DI MI DO FR SA
Zürich 2°C 12°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen
Basel 2°C 13°C leicht bewölkt bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen
St.Gallen 3°C 12°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen
Bern 1°C 17°C leicht bewölkt bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen
Luzern 4°C 18°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen
Genf 2°C 17°C leicht bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen
Lugano 8°C 17°C bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen
mehr Wetter von über 6000 Orten