Tote bei neuen Protesten gegen Karikaturen
publiziert: Donnerstag, 9. Feb 2006 / 07:21 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 9. Feb 2006 / 07:38 Uhr

Kabul - Ungeachtet der Aufrufe zur Zurückhaltung haben sich die Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen erneut in Gewalt entladen. In Afghanistan starben bis zu vier Demonstranten.

Das Oberste Gericht und der Ulema-Rat der Islamgelehrten riefen zur Ruhe auf.
Das Oberste Gericht und der Ulema-Rat der Islamgelehrten riefen zur Ruhe auf.
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Randalierer in der südafghanischen Stadt Kalat hatten versucht, die Polizeizentrale zu stürmen, worauf die Polizei schoss. Die Zahl der Toten bei den seit fünf Tagen anhaltenden Protesten im Land erhöhte sich damit auf elf. Das Oberste Gericht und der Ulema-Rat der Islamgelehrten riefen zur Ruhe auf.

Im Westjordanland griffen Palästinenser das Hauptquartier der internationalen Beobachtertruppe in Hebron (TIPH) mit Steinen an und zerstörten auch Autos. Wie ein Sprecher mitteilte, wurden alle 74 TIPH-Beobachter nach Tel Aviv gebracht. Die Beobachter stammen aus Norwegen, Schweden, Dänemark, Italien, der Schweiz und der Türkei.

Auch in Irans Hauptstadt Teheran gab es wieder Ausschreitungen. Demonstranten bewarfen die britische Botschaft mit Steinen. Und vor der dänischen Botschaft gab es den dritten Tag in Folge heftige Proteste.

In der bosnischen Hauptstadt Sarajevo wurde vor den Vertretungen Norwegens, Dänemarks und Frankreichs protestiert. Demonstranten verbrannten Nationalflaggen.

Aufruf zur Ruhe

UNO, EU und die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) - ein Zusammenschluss von 57 moslemischen Staaten - riefen die Muslime zur Ruhe auf.

In einer Erklärung in New York äusserten UNO-Generalsekretär Kofi Annan, EU-Aussenbeauftragter Javier Solana und OIC-Generalsekretär Ekmeleddin Ihsanoglu Verständnis für den Ärger über «diese beleidigenden Karikaturen». Diese Gewalt ginge aber über die Grenzen eines friedlichen Protests hinaus. Solana kündigte ferner eine Vermittlungsreise durch arabische Staaten an.

Auch König Abdullah von Jordanien und US-Präsident George W. Bush riefen zu einem Ende der Gewalt auf. Proteste, die zu Todesopfern und Zerstörung führten, seien nicht akzeptabel.

In der Schweiz erklärte die Bischofkonferenz (SBK) am Mittwoch, zwar schütze die europäischen Menschenrechtserklärung die Gedanken- und Meinungsfreiheit, doch religiösen Gefühle von Gläubigen dürften nicht verletzt werden.

USA beschuldigt Syrien

US-Aussenministerin Condoleezza Rice hat Iran und Syrien vorgeworfen, den Zorn von Moslems über die in europäischen Zeitungen veröffentlichten Mohammed-Karikaturen absichtlich zu schüren. «Iran und Syrien haben sich grosse Mühe gegeben, die Stimmung aufzuheizen und für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen», sagte Rice am Rande ihres Gesprächs mit der israelischen Aussenministerin Zippi Liwni in Washington.

(ht/sda)

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