Tote nach Erdbeben in Italien - 50'000 Obdachlose
publiziert: Montag, 6. Apr 2009 / 13:01 Uhr / aktualisiert: Montag, 6. Apr 2009 / 15:20 Uhr

Rom - Ein verheerendes nächtliches Erdbeben in Mittelitalien hat nach jüngsten Angaben mehr als 50 Todesopfer gefordert. Die meisten Toten gab es in L'Aquila, der Hauptstadt der Region Abruzzen. Unter den Opfern sind auch fünf Kinder, wie die Zivilbehörde mitteilte.

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Der Zivilschutz rechnet mit noch mehr Toten. Nach den Angaben der Polizei gab es zudem viele Verletzte. Die Zahl der Obdachlosen wird auf 50'000 Menschen geschätzt. Geplant ist die Einrichtung von Zeltlagern, in denen die Opfer vorübergehend untergebracht werden sollen.

Laut der italienischen Nachrichtenagentur ANSA mussten vor dem Spital in L'Aquila Verletzte unter freiem Himmel behandelt werden, die Notaufnahme war überfüllt. Nur ein einziger Operationssaal könne genutzt werden. Die Universitätsklinik der Stadt ist wegen Einsturzgefahr geschlossen. Schwerverletzte wurden per Helikopter in benachbarte Spitäler transportiert.

Ganze Familien sind nach Angaben der Lokalbehörden noch unter den Trümmern von eingestürzten Gebäuden verschüttet. Durch Nachbeben stürzten weitere zuvor bereits beschädigte Häuser ein. Auch die Strassen von L'Aquila und den umliegenden Ortschaften waren mit Trümmern übersät.

15'000 Gebäude beschädigt

Die Rettungsmannschaften kamen nur mühsam voran. Freiwillige versuchten, die Menschen mit den Händen aus den Trümmern zu graben. Stimmen von Personen, die um Hilfe riefen, waren zu hören. Hunde wurden bei der Suche nach den Verschollenen eingesetzt.

Bis zu 15'000 Gebäude wurden durch das Beben beschädigt. Das Zentrum lag nach Angaben des Zivilschutzes in nur fünf Kilometern Tiefe. Experten überprüfen nun die Sicherheit der Brücken, der Stromleitungen und der Strassen in dem betroffenen Gebiet.

Inzwischen traf der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi in L'Aquila ein. Zuvor hatte er den Notstand ausgerufen und eine Reise nach Moskau abgesagt.

Der Präsident der Region Abruzzen, Gianni Chiodi, sprach von einer «dramatischen Situation, die von Stunde zu Stunde schlimmer wird».

Mehrstöckige Gebäude eingestürzt

Die meisten Toten gab es in der Apenninstadt L'Aquila, Hauptstadt der Region Abruzzen, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete. In L'Aquila stürzte ein mehrstöckiges Gebäude im Zentrum der Stadt ein. Aus weiteren sechs Gemeinden rund um L'Aquila wurden auch Tote gemeldet.

Insgesamt waren tausende Gebäude eingestürzt oder beschädigt worden. Betroffen waren auch mehrere Kirchen in der an Gotteshäusern aus der Romanik und der Renaissance reichen Gegend.

Italiens Zivilschutzchef Guido Bertolaso sprach von der «schlimmsten Tragödie für Italien seit Beginn des neuen Jahrtausends». Regierungschef Silvio Berlusconi unterzeichnete ein Dekret, mit dem der Notstand im Land ausgerufen wurde. Er sagte einen geplanten Besuch in Moskau ab und flog nach L'Aquila.

Zeltlager geplant

Geplant ist die Errichtung von Zeltlagern, in denen die Opfer vorübergehend untergebracht werden sollen. Bis zu 15'000 Gebäuden sind durch das Beben einer Stärke von mindestens 5,8 auf der Richterskala beschädigt worden. Experten überprüften die Sicherheit der Brücken, der Stromleitungen und der Strassen in dem betroffenen Gebiet.

Nach ersten Angaben der Lokalbehörden waren noch ganze Familien unter den Trümmern von vier Gebäuden verschüttet, die in der Stadt L'Aquila wegen des Bebens eingestürzt sind. Die Strassen der 68'000-Einwohner-Stadt und die umliegender Ortschaften waren mit Trümmern übersät, so dass Rettungsmannschaften nur mühsam vorankamen.

Das Erdbeben der Stärke 5,8 hatte gegen 3.30 Uhr Tausende von Menschen gezwungen, sich aus ihren Häusern in Sicherheit zu bringen. Tausende von Gebäuden wurden beschädigt.

In weiten Teilen spürbar

In vielen Teilen Mittelitaliens waren die Erdstösse zu spüren. Auch in der Hauptstadt Rom, die nur selten von Erdstössen heimgesucht wird, wurden Bewohner aus dem Schlaf gerissen.

Am Sonntag um 22.00 Uhr ereignete sich in der Region Emilia-Romagna im Norden des Landes ein erstes Beben. Es war nach Angaben von ANSA auch im nordöstlichen Triest und an der weiter südlich gelegenen Adria-Küste zu spüren und hatte eine Stärke von 4,6.

Warnung der Regierung

In den Stunden davor hatte die Erde in Teilen Italiens bereits zweimal stärker gebebt. Über die Stärke des heftigsten Stosses waren sich die Quellen nicht einig: Der italienische Zivilschutz gab die Stärke mit 5,8 an, das US-Institut für Geophysik mit 6,3 auf der Richter-Skala.

Italiens Zivilschutzleitung informierte Staatspräsident Giorgio Napolitano und Regierungschef Silvio Berlusconi über das Erdbeben und warnte die Bevölkerung der Region davor, die Strassen zu befahren.

(ht/sda)

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