Traumatisierter Arbeitskollege erhält keine SUVA-Leistungen
publiziert: Dienstag, 15. Jul 2003 / 12:25 Uhr

Luzern - Traumatisiert vom Unfalltod eines Arbeitskollegen, erhält der Schichtführer der Kehrichtverbrennungsanlage Hinwil ZH keine SUVA-Leistungen. Laut Eidg. Versicherungsgericht (EVG) hat das Unglück nicht in seiner unmittelbaren Gegenwart stattgefunden

Der Arbeitskollege fiel in die Kehrrichtverbrennung.
Der Arbeitskollege fiel in die Kehrrichtverbrennung.
Am 20. Januar 1999 war es in einem der drei Trichter der Kehrichtverbrennungsanlage Hinwil zu einer Verstopfung gekommen. Ein Mitarbeiter wollte den Stau routinemässig mit einer Eisenstange beheben. Dabei stürzte er in den Trichter, fiel in den Brennofen und verbrannte.

Der Schichtführer befand sich zu diesem Zeitpunkt in der Kommandozentrale. Von einem Mitarbeiter alarmiert, rief er die Feuerwehr, legte eine Wasserleitung zum Eingang der Brennkammer und spritzte Wasser hinein. Nach dem Ereignis war er tage- und wochenweise arbeitsunfähig.

Ab Juli 2000 nahm er die Arbeit wieder zu 100 % auf, jedoch als schlechter bezahlter Platzwart. Das EVG hat nun letztinstanzlich entschieden, dass er keine SUVA-Leistungen beanspruchen kann, weil die Auslösung seines Traumas den Unfallbegriff nicht erfüllt.

Laut den Luzerner Richtern gilt ein Schreckereignis dann als Unfall, wenn die seelische Einwirkung durch einen gewaltsamen Vorfall ausgelöst wird, der sich in unmittelbarer Gegenwart des Betroffenen abgespielt hat. Diese Voraussetzung sei hier nicht erfüllt.

Unmittelbare Gegenwart habe frühestens dann bestanden, als sich der Schichtführer bei der Brennkammer befunden habe. Seit dem Sturz des Kollegen seien bis dahin mehrere Minuten vergangen, wobei der Tod sehr rasch eingetreten sein müsse. Der tragische Vorfall habe demnach stattgefunden, bevor er sich in unmittelbarer Gegenwart des Verunglückten befunden habe.

(bsk/sda)

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