Trendbericht: Die Online-Dating-Branche boomt
publiziert: Donnerstag, 3. Sep 2015 / 11:00 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 3. Sep 2015 / 18:19 Uhr

Online-Shopping ist längst nicht mehr als «Trend» zu bezeichnen, sondern ist im Grunde genommen gelebter Alltag. Auch Essen wird im Internet geordert, Medikamente werden online bestellt und die Tischreservierung im Lieblingsrestaurant erfolgt über die selbstverständlich mobil optimierte Homepage.

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Das Leben verläuft online. Aber die Liebe auch? Offensichtlich ja, denn die Online-Dating-Branche wird längst schon als «Boombranche» beschrieben. Was dahinter steckt, soll in diesem Beitrag geklärt werden.

Variantenvielfalt beim Online-Dating
 
Wer sich mit dem Phänomen «Online-Dating» beschäftigen möchte, der muss zunächst einmal einige Begriffe kennen, die in der Online-Dating-Welt zum gewöhnlichen Sprachgebrauch gehören. Dazu gehören insbesondere die verschiedenen Arten von Online-Dating-Portalen, über die die folgende Tabelle Aufschluss geben soll:

Casual Dating:
Der «bürgerliche» Name von Casual Dating heisst: Seitensprungbörse. Hier gibt es grosse Unterschiede zwischen seriösen Portalen und den Plattformen, auf denen das Niveau erschreckend gering ist. Ziel von Seitensprungbörsen ist es, Menschen zueinander zu führen, die beide Interesse an einem One-Night-Stand oder einer Affäre haben.

Online-Partnervermittlung:
Was einst die physisch vorhandene Partnervermittlung war, bei der Kataloge mit Mitgliedern gewälzt wurden, ist heute zur Online-Partnervermittlung geworden. Via Fragebogen (der selbstverständlich online erfasst wird) werden Wesensmerkmale und auch Wünsche an potentielle, künftige Partner festgehalten, um anschliessend (computergestützt) mögliche menschliche Suchergebnisse für die jeweilige Suchanfrage zu erhalten.

Singlebörse:
Wie der Name schon sagt, sind Singlebörsen Plattformen, bei denen sich Alleinstehende zunächst einmal virtuell kennenlernen können. Was daraus wird, liegt ganz in der Hand der flirtenden Singles.

So wird mit Flirt- und Seitensprungwilligen Geld gemacht

Die Berner Zeitung berichtet «Das Business mit dem Seitensprung boomt» und erklärt auch gleich, wie die Affäre online am besten zu handeln ist: Nämlich über das Kennenlernen beim Casual Dating und über Vermittlungsbörsen, die anschliessend gleich das passende Etablissement zur Verfügung stellen, in der die Affäre aus der virtuellen Welt in der realen Welt gelebt werden kann.

Geld wird damit in der Schweiz bereits seit zehn Jahren gemacht. Doch wie viel? Neun Millionen Franken Umsatz im Jahr heimst allein der Casual Dating-Sektor ein, bestätigt der Betreiber einer Vergleichsbörse in diesem Artikel. 35 Millionen Franken werden im gesamten Online-Dating umgesetzt. Und weitere StartUps der Branche sind nicht ausgeschlossen. Obgleich sich ein Aufschwung erwarten lässt, zeigen sich auch klare User-Präferenzen und die heissen: Serious-Dating ist umsatzstärker als Casual-Dating. Etwa 500.000 User suchen monatlich nach einem Pendant für einen Seitensprung oder eine erotische Affäre - insgesamt 1,5 Millionen User bewegen sich in der Online-Dating-Szene. Mit einem Blick auf die Online-Portale jedoch zeigt sich: Der Vermarktungsansatz sind «erotische Treffen» - und nicht etwa anrüchig anmutenden Sextreffen.

Angenommen zwei potentielle Sexpartner haben online zueinander gefunden - und sind eben nicht solo. Dann stellt sich folgerichtig die Frage: Wo wird der virtuelle Spass zum physischen Erlebnis - ohne, dass der feste Partner dies mitbekommt? An dieser Stelle entstand eine weitere Vermarktungsidee der Branche: Ebenfalls online können Personen Raum fürs Schäferstündchen anbieten. Die Stundenzimmer kosten dann zwischen 60 und 160 Franken. Und was berichten die Vermieter über ihre Kunden? Dass es sich um circa 20 Prozent Stammkundschaft handelt. Unter allen Kunden gibt es sowohl regelmässige Seitenspringer als auch diejenigen, die langfristig eine Affäre eingehen.

Gefahren der Branche

Es scheint fast so, dass der grösste Vorteil - die Anonymität des Internets - auch zur grössten Gefahr wird, denn die Branche kämpft zunehmend mit diesen Problemen:

- Da Frauen oft gratis Chatten und Flirten dürfen, häufen sich sogenannte «Fakeprofile» von Männern, die sich als Frau registrieren - nur um die Anmeldegebühr zu sparen.
- Ganze Verbrecherbanden haben den Markt zunehmend auch für sich erschlossen und ziehen diejenigen, die nach der wahren Liebe suchen, das Geld aus der Tasche.
- Prostituierte bieten nicht selten - getarnt mit einem Fakeprofil - ihre Dienste an.

Beim Kampf gegen unseriöse Mitglieder setzen die Betreiber von Dating-Portalen auf die Mitglieder selbst und auch technische Unterstützung in Form von Algorithmen, die allerdings nicht gerade günstig sind für die Betreiber, dafür aber wirksam. Ganz so dramatisch wie es oftmals dargestellt wird, ist es im Übrigen im gesamten Online-Bereich nicht, wie dieser Beitrag zeigt. Darin wird nämlich dargestellt, dass zwar Online-Piraten es beispielsweise auf Musik abgesehen haben, aber nicht auf Ebooks. Ob vor diesem Hintergrund das Ebook-Lesen rein technisch in die Programmierung des Algorithmus zur Verlässlichkeit einen Online-Daters einläuft, bleibt abzuwarten.

Neben der Sexpartner-Suche boomt auch die Partner-Suche

Alle Jahre wieder (nach Silvester) schnellen die Anmeldezahlen im Online-Dating-Bereich nach oben. Das Ergebnis einer Umfrage zeigt: 31 Prozent der Befragten haben schon interessante Menschen beim Online-Dating kennengelernt, 20 Prozent gaben an, es versucht zu haben, aber noch niemanden kennengelernt zu haben und 16 Prozent gaben mit der Antwort «wenn es so weiter geht, werde ich die Partnersuche auch auf das Internet ausdehnen» sogar an, dass die Online-Partnersuche für sie eine Art «letzter Weg» zu sein scheint - wenn im realen Leben nichts geht. Das ist sicherlich etwas drastisch ausgedrückt, denn wer Herz-Dame oder Herz-Bube gefunden hat, muss manchmal nur über seinen eigenen Schatten springen. Wie es gelingt, Liebesgefühle zu erwecken, verrät treffpunkt18.ch. Damit zeigt sich gleich noch ein weiterer Trend, nämlich dass solche Vermittlungsportale nicht nur als Börse, sondern auch zunehmend als beratene Instanz fungieren.
 

(nb/IFJ)

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