US-Wahlen
Trump benutzt Bill Clintons Sex-Vergangenheit, um Hillary in Bedrängnis zu bringen
publiziert: Mittwoch, 20. Jan 2016 / 09:34 Uhr
Unsittlich im Oval Office?
Unsittlich im Oval Office?

Hillary Clinton muss dieser Tage feststellen, dass der Stachel der jahrzehntealten Sex-Skandale ihres Mannes noch immer tief sitzt - und man mittlerweile auch von ihr erwartet, sich dafür zu rechtfertigen.

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«Was das Verhalten Frauen gegenüber angeht, hat sie einen der grossen Missbrauchstäter der Geschichte in ihrem Haus sitzen. Dort wartet er darauf, dass sie zum Essen nachhause kommt.» 

So stellt sich der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump die Situation vor. Die unappetitliche Seite der Vergangenheit von Bill Clinton erstreckt sich von seiner bekannten sexuelle Beziehung zu einer ehemaligen Praktikantin im Weissen Haus, Monica Lewinsky, bis hin zu Anschuldigungen über Affären, sexueller Belästigung und Vergewaltigung. Manche dieser Geschichten hat der ehemalige Präsident thematisiert, andere geleugnet und einige einfach ignoriert. Einer Anklägerin zahlte er im Rahmen einer aussergerichtlichen Einigung, die kein Eingeständnis eines Fehlverhaltens beinhaltete, 850'000 Dollar.

Neigung zu Sexismus

Dieser zwielichtige Teil seines Lebens ist nun im Zusammenhang mit Hillary Clintons Präsidentschaftswahlkampf erneut auf die Agenda zurückgekehrt, als sie erklärte, Trump demonstriere «eine Neigung zu Sexismus.» Der Angeschuldigte konterte umgehend, solche Kritik sei unfair, wenn sie von einer Frau käme, die mit Bill Clinton verheiratet ist. «Sie will mich irgendwelcher Dinge beschuldigen, während ihr Ehemann in diesem Zusammenhang einer der bekanntesten Schuldigen der Welt ist», sagt Trump. «Das muss ja wohl ein Scherz sein.»

Nachdem Trump begann, die Amerikaner an Bill Clintons Vergangenheit zu erinnern, schickte eine Frau, die Clinton 1999 einer Vergewaltigung in seinem Heimatstaat im Jahre 1978 beschuldigte, via Twitter folgende Nachricht: «Ich war 35 Jahre alt als Bill Clinton, Generalstaatsanwalt von Arkansas, mich vergewaltigte und Hillary versuchte, mich mundtot zu machen. Ich bin heute 73. Man wird das nie los.» Juanita Broaddrick hat nie Strafanzeige erstattet und, sieht man von einigen Interviews in den Medien ab, sich auch generell aus der Öffentlichkeit herausgehalten. Durch einen Anwalt liess der Ex-Präsident ihre Anschuldigung schon vor langer Zeit zurückweisen.

Als Trump und Broaddrick - sie ist heute eine Trump-Unterstützerin - das Thema wieder auf den Plan brachten, erklärte Clinton, dies sei Teil des republikanischen Wahlkampfs und er werde dazu keine Stellung nehmen. «Ich habe kein Interesse daran, ihr politisches Spiel mitzumachen oder irgendetwas anderes zu tun, als Hillary zu unterstützen.»

Hillary habe aktiv Frauen diskreditiert

Die schädlichste Behauptung gegen Hillary Clinton ist jedoch wahrscheinlich jene, sie habe aktiv dazu beigetragen, die Frauen zu diskreditieren, die ihren Ehemann beschuldigt hatten. Trump hat diese Anschuldigung aufgegriffen und Clinton weigerte sich demonstrativ, sich auf diese Diskussion einzulassen. «Ich habe dazu nichts zu sagen», erklärte sie gegenüber Alisyn Camerota von CNN. «Ich werde ihn sagen lassen, was auch immer er will. Er kann seinen Wahlkampf so führen, wie er das für richtig hält.» Auch als man sie unter Druck setzte, blieb Clinton konsequent. «Ich werde die Wähler entscheiden lassen, was im Zusammenhang mit ihrer Entscheidung, für wen sie letztendlich stimmen werden, relevant ist und was nicht.»

Keine Beweise

Es sind niemals Beweise gegen Hillary Clinton aufgetaucht. Doch bei einer Wahlkampfveranstaltung kam die Frage auf, ob Frauen, die derartige Anschuldigungen machen, Glauben geschenkt werden sollte. Dabei wurden als Beispiele drei der bekanntesten Anklägerinnen ihres Mannes genannt: Juanita Broaddrick, die ihn der Vergewaltigung bezichtigte; Paula Jones, die die 850'000 Dollar aufgrund einer angeblichen sexuellen Belästigung einstrich; und Kathleen Willey, eine Ehrenamtliche im Weissen Haus, die erklärte, der Präsident habe sie 1993 im privaten Studierzimmer des Oval Office unsittlich angefasst und geküsst, was dieser wiederum zurückwies.

Hillary entgegnete schlicht: «Ich denke, dass zunächst jedem geglaubt werden sollte - bis gegebenenfalls das Gegenteil bewiesen ist.» Bei einer anderen Veranstaltung sah sie sich mit einem Zwischenrufer konfrontiert, der eine ähnliche Frage stellte, doch Clinton entgegnete in aller Deutlichkeit: «Sie sind sehr unhöflich und ich werde daher definitiv nicht auf ihre Frage eingehen.»

Die amerikanischen Medien gehen mit dem Thema vorsichtig um, so wird Trumps Äusserung zu Bill Clintons Vergangenheit deutlich weniger Aufmerksamkeit zuteil als seinen anderen schlagzeilenträchtigen Aussagen. Es ist möglich, dass die amerikanischen Journalisten, die Bill Clintons Ruf als Schwerenöter im Zuge der Lewinsky-Affäre sowie des folgenden Amtsenthebungsverfahrens, das ihn nahezu die Präsidentschaft gekostet hätte, haarklein analysiert haben, schlicht nicht der Meinung sind, Hillarys Präsidentschaftsambitionen machten es nötig, das Thema neu aufzurollen. Es darf ausserdem bezweifelt werden, ob die amerikanische Öffentlichkeit daran überhaupt interessiert wäre.

Mollie Hemingway, leitende Redakteurin des Online-Magazins The Federalist, formulierte dies so: «Das ist die Art von Clinton-Skandal, welche die Menschen noch aus den 90ern kennen - und sie sind es leid.»

(Jonathan Mann, CNN International/CNN-News)

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