Vorwurf: Kriegsverbrechen
Tschads Ex-Diktator Habré lehnt Prozess im Senegal als «Farce» ab
publiziert: Montag, 20. Jul 2015 / 14:39 Uhr / aktualisiert: Montag, 20. Jul 2015 / 19:16 Uhr

Dakar - in Vierteljahrhundert nach dem Ende der brutalen Herrschaft von Hissène Habré im Tschad hat am Montag ein Prozess gegen den früheren Diktator begonnen. Ein Sondertribunal in der senegalesischen Hauptstadt Dakar wirft ihm unter anderem Kriegsverbrechen vor.

6 Meldungen im Zusammenhang
Zudem werden dem 72-Jährigen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, gezielte Tötungen sowie Folter vorgeworfen.

Habré bezeichnete das Verfahren gegen ihn am Montag laut örtlichen Medienberichten als "Farce". Einige seiner Anhänger skandierten zu Beginn der Verhandlung Parolen zu seiner Unterstützung, woraufhin ein Handgemenge mit dem Sicherheitspersonal entstand. Der mit weissem Gewand und weissem Turban bekleidete Habré wurde von den Sicherheitskräften daraufhin aus dem Saal gezerrt.

Habrés französischer Anwalt François Serres sagte, das Verfahren entspreche nicht internationalen Standards und würde von der Verteidigung boykottiert werden. "Wir werden uns nicht an dem Prozess beteiligen, weil wir dieses Gericht für illegitim halten", sagte er. Das Gericht ernannte daraufhin Pflichtverteidiger. Habré droht lebenslängliche Haft.

"Meilenstein für Gerechtigkeit"

Amnesty International bezeichnete das Verfahren vor dem Sondertribunal der Afrikanischen Union als einen Meilenstein für Gerechtigkeit in Afrika. "Für viele Opfer geht mit diesem Tag eine 25 Jahre lange Wartezeit zu Ende", sagte Amnestys Westafrika-Experte Gaëtan Mootoo.

Human Rights Watch betonte, der Prozess sende ein klares Signal, dass Verbrechen früherer oder amtierender afrikanischer Machthaber nicht ungesühnt blieben.

Im Laufe des auf drei Monate angesetzten Prozesses sollen die Zeugenaussagen von rund 2500 Opfern des Habré-Regimes berücksichtigt werden. Habré regierte den zentralafrikanischen Staat Tschad von 1982 bis 1990.

Menschenrechtlern zufolge soll er für den Tod von 40'000 Menschen und für Zehntausende Fälle von Folter verantwortlich sein. Habré ist in seiner Heimat schon in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Da der Tschad aber nie die Auslieferung Habrés beantragt hat, wurde der Senegal 2013 selbst aktiv.

Habré ist der erste Ex-Präsident, der sich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor einem Gericht in einem Staat Afrikas südlich der Sahara verantworten muss. Dem früheren liberianischen Kriegsherrn und Staatschef Charles Taylor war von einem Sondertribunal in Den Haag der Prozess gemacht worden.

Der Internationale Strafgerichtshof konnte sich Habré nicht vornehmen: Das Weltstrafgericht wurde erst 2002 ins Leben gerufen und kann wegen Verbrechen, die vor seiner Einrichtung begangen wurden, keinen Prozess führen.

(fest/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Hissène Habré (2005).
Dakar - In Dakar hat am Montag der Prozess gegen den früheren Diktator des Tschad, Hissène Habré, begonnen. Der 72-Jährige anerkennt der die Legitimität des Sondertribunals nicht ... mehr lesen
Dakar - Der vor einem internationalen Gericht im Senegal begonnene Prozess gegen den früheren Diktator des Tschads ist auf den 7. September vertragt worden. Die Verteidiger von Hissène Habré sollten Vorbereitungszeit erhalten. mehr lesen 
Dakar - Tschads Ex-Präsident Hissène Habré ist am Sonntag im Exil im Senegal festgenommen worden. Der 70-Jährige sei im Zuge der Ermittlungen gegen ihn in Gewahrsam genommen worden, sagte ein Vertreter des Sondertribunals zur Aufarbeitung von Habrés mutmasslichen Verbrechen. mehr lesen 
N'Djamena - Der ehemalige tschadische Präsident Hissène Habré ist in ... mehr lesen
Habré befindet sich in Senegal im Exil.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Banhul - Der Ex-Präsident des Tschad, Hissène Habré, soll im Senegal wegen schwerer Menschenrechtsvergehen vor Gericht gestellt werden. mehr lesen 
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Der 67-Jährige Gino Bornhauser wird seit dem 22. April vermisst.
Der 67-Jährige Gino Bornhauser wird seit dem 22. April vermisst.
Opfer weiterhin vermisst  Rafz ZH - Die Kantonspolizei Zürich hat am Dienstagvormittag in Rafz ZH zwei Personen verhaftet: Sie stehen unter dem dringenden Verdacht, einen seit dem 22. April vermissten Mann aus Eglisau getötet zu haben. mehr lesen 
Deutlich höhere Zahl  Sydney/London - Mindestens 45,8 Millionen Menschen leben zurzeit weltweit in modernen ... mehr lesen  
In Indien hat es 18,3 Millionen Sklaven.
Der 22-jährige befindet sich seit Samstag auf der Flucht. (Symbolbild)
Flüchtiger Mörder  Aarau - Der flüchtige Mörder, der aus der Psychiatrischen Klinik Königsfelden in Windisch AG ausgebrochen ist, hätte in einer Einrichtung mit höherer Sicherheitsstufe ... mehr lesen  
Weitere Verdächtige werden gesucht  Rio de Janeiro - Bei ihren Ermittlungen zur Gruppenvergewaltigung einer 16-Jährigen hat die ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • paparazzaphotography aus Muttenz 1
    Foto Sanatorio Liebes news.ch Team, es ist für mich eine Ehre dass sie mein Foto des ... Di, 03.01.17 22:12
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Motor hinten oder vorne war dem Tram in Basel völlig egal! Ob ein Auto über- oder untersteuert, ist nicht von der Lage des Motors ... Mi, 01.06.16 10:54
  • Mashiach aus Basel 57
    Wo bleibt das gute Beispiel? Anstatt sichere, ÜBERSTEUERNDE Heckmotorwagen zu fahren, fahren sie ... Mo, 30.05.16 11:56
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Zugang "Das sunnitische Saudi-Arabien, das auch im Jemen-Konflikt verstrickt ... So, 29.05.16 22:06
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Pink Phanter-Bande? Am 25. 7. 2013 hat eine Befreiung von Pink Panther-Mitglied Milan ... So, 29.05.16 15:38
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    ja, weshalb sollte man solches tun? Ist doch krank, Gott zu beschimpfen! Das hat etwas, ... So, 29.05.16 12:12
  • Gargamel aus Galmiz 10
    Warum sollte man überhaupt den Glauben an Gott beschimpfen oder verspotteten? Wie krank ... So, 29.05.16 10:11
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wir sind ja alle so anders als diese "Flüchtlinge". Warum sind auch nicht alle so edel, wie ... Sa, 28.05.16 20:25
Unglücksfälle Zorn über Tötung von Gorilla in US-Zoo Cincinnati - Die Tötung eines Gorillas im Zoo der ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 8°C 20°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich stark bewölkt, Regen
Basel 10°C 20°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen bewölkt, etwas Regen
St. Gallen 14°C 17°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig bewölkt, etwas Regen
Bern 7°C 19°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen gewittrige Regengüsse
Luzern 6°C 20°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich gewittrige Regengüsse
Genf 7°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen gewittrige Regengüsse
Lugano 11°C 19°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich Wolkenfelder, kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten