Beidseits der Grenze
Türkei führt Operationen gegen Kurden weiter
publiziert: Freitag, 19. Feb 2016 / 17:40 Uhr

Istanbul - Bei seinen bislang heftigsten Angriffen auf Nordsyrien hat das türkische Militär laut Beobachtern erneut Gebiete unter Kontrolle der Kurdenmiliz YPG beschossen. Auch auf dem eigenen Territorium gingen die Sicherheitskräfte weiter gegen die PKK-Rebellen vor.

10 Meldungen im Zusammenhang
Die türkische Armee habe über fast sieben Stunden auf Grenzregionen nördlich und nordwestlich der Stadt Aleppo gefeuert, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) am Freitag. Auch die türkische Nachrichtenagentur DHA berichtete über Beschuss durch türkische Streitkräfte.

Die Kurdenmiliz YPG und ihre arabischen Verbündeten waren in den vergangenen Tagen in der Region unweit der türkischen Grenze weiter vorgerückt. Die Regierung in Ankara will das verhindern und beschiesst die Kurden deswegen seit Tagen.

Bei der YPG handelt es sich um den bewaffneten syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Die Kurden-Miliz hat im Norden und Osten des Landes bereits grosse Gebiete vom IS erobert und befindet sich im Grenzgebiet zum Irak weiter im Vormarsch. Zudem ist die Miliz in Syrien wichtigster Partner des Westens im Kampf gegen die Dschihadisten.

Die Türkei will hingegen beidseits seiner Grenze im Südosten Ansätze eine Autonomie von Kurden unterbinden. Vor allem soll die YPG nicht über ein von ihr kontrolliertes Gebiet verfügen, das als Basis für Angriffe von PKK-Kämpfern auf türkisches Territorium dienen könnte.

Vorwurf als Vorwand?

So machte die Türkei die YPG für den Selbstmordanschlag verantwortlich, bei dem am Mittwoch in Ankara 28 Menschen getötet wurden. Die Gruppe hat die Vorwürfe zurückgewiesen und als Vorwand für einen Einmarsch in Nordsyrien bezeichnet.

«Das erste, was sie nach dem Anschlag gemacht haben, war, uns wegen des Vorfalls zu beschuldigen», sagte YPG-Sprecher Redur Xelil am Freitag der kurdischen Agentur Firat. «Damit erfinden sie einen Vorwand, um in Rojava einzudringen.» Rojava ist die kurdische Bezeichnung für die Gebiete in Nordsyrien unter YPG-Kontrolle.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan beharrte am Freitag darauf, dass die YPG für die Tat verantwortlich sei. Beweise legte er aber nicht vor.

Ankaras Kurdenpolitik belastet auch zunehmend die Beziehungen zum Westen. So sagte Erdogan, kurdische Milizen hätten im syrischen Bürgerkrieg von den USA gelieferte Waffen gegen Zivilisten eingesetzt. Er sei besorgt über die Weigerung des Westens, die syrische Kurdenpartei PYD und ihren bewaffneten Arm, die YPG-Miliz, zu Terrororganisationen zu erklären.

Armee geht weiter gegen PKK vor

Unterdessen gingen die Kämpfe zwischen kurdischen PKK-Rebellen und türkischen Soldaten weiter. In der südosttürkischen Kurden-Metropole Diyarbakir wurden bei Zwischenfällen mindestens zwei Soldaten und zwei Polizisten getötet, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Beim Einsturz eines Gebäudes während einer Operation in Sur kamen drei weitere Soldaten ums Leben.

Ein Waffenstillstand zwischen den für mehr Unabhängigkeit kämpfenden Kurden und der Armee platzte im vergangenen Sommer, nachdem die Kurdenpartei HDP erstmals ins Parlament eingezogen war und die regierende AK-Partei ihre absolute Mehrheit verloren hatte.

Seitdem gehen Armee und Polizei wieder gewaltsam gegen Kurden im Südosten des Landes vor. Die PKK antwortete mit Überfällen auf Sicherheitskräfte.

(cam/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Ankara - Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat vorgeschlagen, Unterstützern der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans ... mehr lesen
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.
Brüssel/New York - Die EU hat die Kriegsparteien in Syrien aufgefordert, die Bombardierung von Zivilisten im ... mehr lesen 1
Istanbul - Die aus der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK hervorgegangene militante Splittergruppe Freiheitsfalken ... mehr lesen
Weitere Artikel im Zusammenhang
Ankara - Am Tag nachdem eine Autobombe in der türkischen Hauptstadt Ankara ... mehr lesen
Ankara - Die türkische Regierung hat kurdische Kämpfer für den Angriff auf einen Militärkonvoi in Ankara verantwortlich gemacht. Die Kurdenparteien in der Türkei und ... mehr lesen
Ankara - Bei einem Autobomben-Anschlag im Regierungsviertel von Ankara sind am Mittwoch mindestens 28 Menschen getötet ... mehr lesen
Recep Tayyip Erdogan schiesst scharf in Richtung USA.
Istanbul - Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will trotz internationaler ... mehr lesen 1
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 20
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Übung mit 500 Helfern  Mit einem simulierten Attentat im Stade de France ist am Dienstag ein Worst-Case-Szenario für die EM in Frankreich durchgespielt worden. mehr lesen 
Keine unabhängigen Informationen  Beirut - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre Offensive im Norden Syriens am Dienstag fortgesetzt. ... mehr lesen   1
Idlib wurde mindestens sieben Mal aus der Luft angegriffen.
NATO-Generalsekretär hält Rede in Warschau  Warschau - NATO-Generalsekretär Stoltenberg sieht das Bündnis wenige Wochen vor dem ... mehr lesen
Die NATO sei weiterhin an einem Dialog mit Russland interessiert.
Titel Forum Teaser
  • Kassandra aus Frauenfeld 1780
    Der phallophile Blick eines cerebrophoben Schäfleins! Frau Stämpfli schrieb am Ende ... Mo, 26.09.16 17:32
  • keinschaf aus Wladiwostok 2823
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1780
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1780
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1780
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) ist in diesen Tagen an allen anderen Fornten unter Druck. ... Mi, 01.06.16 12:39
  • Kassandra aus Frauenfeld 1780
    Nach Frauenfeld, verehrter zombie wo sie sich mit der Maffia zu einem Zombiestaat vereinen und ganz ... Mi, 01.06.16 11:02
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Fr Sa
Zürich 10°C 24°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig Wolkenfelder, kaum Regen
Basel 11°C 25°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig stark bewölkt, Regen
St. Gallen 10°C 22°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig Wolkenfelder, kaum Regen
Bern 9°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig Wolkenfelder, kaum Regen
Luzern 11°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig Wolkenfelder, kaum Regen
Genf 11°C 24°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig stark bewölkt, Regen
Lugano 16°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen bewölkt, etwas Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten