Türkische Medien einsichtig
publiziert: Freitag, 18. Nov 2005 / 19:03 Uhr / aktualisiert: Freitag, 18. Nov 2005 / 19:35 Uhr

Zwei Tage nach dem WM-Barragespiel gegen die Schweiz machten türkische Medien das eigene Nationalteam für die Eskalationen in Istanbul verantwortlich.

Noch am Vortag war den Schweizer Spielern die Schuld an der Schlägerei zugeschoben worden.
Noch am Vortag war den Schweizer Spielern die Schuld an der Schlägerei zugeschoben worden.
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Noch am Vortag war den Schweizer Spielern die Schuld an der Schlägerei in den Katakomben zugeschoben worden.

Unter der Schlagzeile «Wir können es nicht mehr verbergen» publizierte die Zeitung «Vatan» zwei Fotos, die unzweifelhaft zeigen, dass der türkische Assistenztrainer Mehmet Özdilek versuchte, Valon Behrami das Bein zu stellen, bevor Benjamin Huggel seinerseits mit einem Tritt negativ auffiel.

«Es war unsere Mannschaft, die die Ereignisse auslöste: Özdilek trat zuerst zu», schrieb «Yeni Safak». Am Donnerstag hatte es noch anders getönt. Unter dem Eindruck von TV-Bildern, die im türkischen Fernsehen immer wieder Huggels Ausraster zeigten, hatten die Medien gemeint, den Basler als Auslöser der Eskalation erkannt zu haben.

Blatter unter Beschuss

Wenig Verständnis brachte man auf türkischer Seite für die verbale Intervention von FIFA-Präsident Joseph Blatter auf. Dass der Walliser bereits von einem möglichen Ausschluss für die WM-Qualifikation 2010 sprach und die Schuld klar dem Gastgeber zuschob, empfanden die Zeitungen als ungerecht.

«Er ist verrückt. FIFA-Präsident Blatter verbreitet Hass», so «Fotomac», das auf der Frontseite eine Bildmontage publizierte, die Blatters Kopf auf dem Korkenzieher eines Schweizer Taschenmessers zeigte. In einer anderen Zeitung war zu lesen: «Hooligan-Präsident Blatter kritisiert die Türkei wie ein fanatischer Fan.»

Der türkische Coach Fatih Terim rief derweil seine Landsleute zu Solidarität auf. Der ehemalige Galatasaray-Trainer, der gemäss Aussagen von Spielern nicht unschuldig am Handgemenge nach Spielschluss war, zeigte sich uneinsichtig: «Es gibt Vorurteile gegenüber der Türkei, und andere Länder nutzen diese zu ihrem eigenen Vorteil, selbst wenn nichts geschehen ist.»

Meeting geplant

Die Vorkommnisse in Istanbul haben international grosse Wellen geschlagen und etwa die AC Milan bewogen, höhere Sicherheitsvorkehrungen für ihr Gastspiel in der Champions League bei Fenerbahce Istanbul zu verlangen. Der Mailänder Trainer Carlo Ancelotti erwägt sogar, den Schweizer Johann Vogel nicht mit nach Istanbul zu nehmen.

Zur Erörterung und möglicherweise Entschärfung der Situation soll noch vor dem Urteil der FIFA-Disziplinarkommission ein Treffen zwischen Blatter, dem SFV-Präsidenten Ralph Zloczower, seinem türkischen Amtkollegen Levent Bicakci sowie dem türkischen UEFA-Vizepräsident Senez Erzik stattfinden. Ein Datum für dieses Meeting in der Schweiz wurde noch nicht vereinbart.

(bert/Si)

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