Gedenken an Gezi-Opfer
Türkische Polizei löst Proteste gewaltsam auf
publiziert: Mittwoch, 11. Mrz 2015 / 17:15 Uhr

Istanbul - Die türkische Polizei ist am Mittwoch gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen, die zum Gedenken an ein junges Opfer der Gezi-Unruhen auf die Strasse gegangen waren. In Istanbul, Ankara und Izmir löste die Polizei laut örtlichen Medien Protestveranstaltungen auf.

4 Meldungen im Zusammenhang
Auf dem Istanbuler Taksim-Platz ging die Polizei am Mittwoch etwa gegen eine Gruppe Demonstranten vor, die sich an den Händen hielt und ein Banner mit der Aufschrift «Berkin ist hier» zeigte. Indem sie eng beieinander blieben, versuchten sie die Festnahmen durch die Beamten in Zivil zu verhindern. Anschliessend wurden sie abgeführt, es gab zehn Festnahmen, wie der Sender CNN-Türk berichtete.

In Ankara setzte die Polizei Wasserwerfer gegen Demonstranten ein, elf Menschen wurden festgenommen, wie örtliche Medien berichteten. Auch im westtürkischen Izmir wurde demnach eine Demonstration beendet.

Weitere Protestveranstaltungen sollten noch im Tagesverlauf im ganzen Land stattfinden. Wie der Fernsehsender IMC meldete, waren rund zwei Dutzend Gedenkveranstaltungen für den Teenager Berkin Elvan geplant.

Untersuchungen stehen still

In einem Appell an die Politiker des Landes kritisierte der Intellektuellen-Verband «Sanat Meclisi», dass die Verantwortlichen für den Tod des 15-jährigen Elvan am 11. März 2014 noch nicht ermittelt worden sind. Der Junge ist zu einer Symbolfigur für die Opfer von Polizeigewalt geworden.

Nach Angaben der Anwältin der Hinterbliebenen, Aycan Cicek, stehen die Untersuchungen des Vorfalls still. Der Tagezeitung «Evrensel» sagte Cicek, die Behörden weigerten sich, die Namen der damals diensthabenden Polizisten herauszugeben. Daher könne keine Anklage erhoben werden.

Berkin Elvan war im Jahr 2013 während der Gezi-Unruhen in Istanbul von einer Tränengaskartusche der Polizei am Kopf getroffen worden und hatte mehrere Monate im Koma gelegen. Nach seinem Tod vor einem Jahr nahmen hunderttausende Menschen an seiner Beisetzung teil.

Erdogan verteidigt Polizeivorgehen

Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete den Teenager als Mitglied einer Terrororganisation, der mit einer Steinschleuder bewaffnet gewesen sei. Elvans Eltern sagen dagegen, der Junge sei unterwegs gewesen, um Brot zu kaufen, als er getroffen wurde.

Insgesamt wurden während der wochenlangen Gezi-Proteste, die sich an einem Bauprojekt der Regierung im kleinen Istanbuler Gezi-Park entzündet hatten, mindestens acht Menschen getötet. Regierungskritiker werfen den Behörden vor, gewalttätige Polizisten vor der Strafverfolgung zu schützen.

Erdogan hatte der wegen ihres extrem harten Vorgehens im In- und Ausland kritisierten türkischen Polizei bescheinigt, mit ihrem Vorgehen während der Gezi-Unruhen ein «Heldenepos» geschrieben zu haben. Das Parlament prüft derzeit ein Gesetzesvorhaben, das der Polizei bei Demonstrationen noch mehr Handlungsspielraum geben soll.

(bg/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
1
Forum
Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Ankara - Ein türkisches Gericht hat Medienberichten zufolge rund zwei ... mehr lesen
Demonstranten warfen Recep Tayyip Erdogan einen autoritären Regierungsstil vor.
Haftstrafen gegen Polizisten wegen Gewaltanwendungen sind in der Türkei selten. (Symbolbild)
Ankara - Ein türkischer Polizist ist am Mittwoch wegen des Todes eines Demonstranten während der Gezi-Proteste im vergangenen Jahr zu einer Haftstrafe von sieben Jahren und neun ... mehr lesen
Die Polizisten gingen mit Tränengas und Wasserwerfer gegen Demonstranten vor. (Archivbild)
Ankara - Die türkische Polizei ist erneut gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen. In Ankara setzte sie am Sonntag Tränengas und Wasserwerfer gegen mehrere hundert Demonstranten ein, ... mehr lesen 1
Das...
Problem in der Türkei ist ganz einfach: Es gibt keine ernsthaft wählbare Alternative zu R. Erdogan. Was R. Erdogan kann, das können die anderen noch weitaus besser. Und die meisten nehmen lieber zähneknirschend weniger Menschenrechte in Kauf als gar keine Rechte unter der Opposition und vor allem kein Geld, wenn der Staat wieder pleite sein sollte.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Gezi Park Proteste in Istanbul in 2013. (Archivbild)
Gezi Park Proteste in Istanbul in 2013. ...
«Überall ist Taksim, überall ist Widerstand»  Istanbul - Zum dritten Jahrestag des Beginns der Gezi-Proteste haben in Istanbul Hunderte Menschen gegen die islamisch-konservative Staatsführung der Türkei demonstriert. mehr lesen 1
Keine unabhängigen Informationen  Beirut - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre Offensive im Norden Syriens am Dienstag fortgesetzt. Versuche von oppositionellen syrischen Kräften, die am Freitag begonnene Offensive zurückzuschlagen, seien gescheitert. mehr lesen   1
Erster Weltkrieg  Hamburg - Zum 100. Jahrestag der Skagerrak-Schlacht haben Deutschland und Grossbritannien am Dienstag gemeinsam der tausenden Toten des grössten Seegefechts der Geschichte ... mehr lesen
Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck nahm an der Gedenkfeier teil.
Die Schweizer Botschaft in Berlin mit Tunnel-Schriftzug.
Gotthard 2016  Berlin - «Tunnel» - mit sechs Riesenbuchstaben feiert die Schweizer Botschaft in Berlin die Eröffnung des neuen Gotthard-Basistunnels. Während zwei Monaten wird der ... mehr lesen   1
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    belustigend peinlich Das kommt schon fast in die Nähe der Verwechslung von Oekonomie mit ... Mi, 28.12.16 01:21
  • Unwichtiger aus Zürich 11
    Grammatik? Wie kann Stoltenberg denn Heute schon wissen, welche Entscheidungen am ... Sa, 22.10.16 10:59
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Der phallophile Blick eines cerebrophoben Schäfleins! Frau Stämpfli schrieb am Ende ... Mo, 26.09.16 17:32
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 8°C 20°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich stark bewölkt, Regen
Basel 10°C 20°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen bewölkt, etwas Regen
St. Gallen 14°C 17°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig bewölkt, etwas Regen
Bern 7°C 19°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen gewittrige Regengüsse
Luzern 6°C 20°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich gewittrige Regengüsse
Genf 7°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen gewittrige Regengüsse
Lugano 11°C 19°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich Wolkenfelder, kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten