Türkischer Präsident warnt vor Abschottung der EU
publiziert: Samstag, 1. Okt 2005 / 20:36 Uhr

Ankara - Der türkische Präsident Ahmet Necdet Sezer hat die Europäische Union (EU) angesichts der Widerstände gegen eine Aufnahme seines Landes vor einer Abschottung gewarnt.

Der türkische Präsident Ahmet Necdet Sezer erwartet eine faire Behandlung bei den EU-Beitrittsverhandlungen.
Der türkische Präsident Ahmet Necdet Sezer erwartet eine faire Behandlung bei den EU-Beitrittsverhandlungen.
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Niemand werde von der Errichtung einer Mauer um Europa profitieren, sagte Sezer vor dem Parlament in Ankara. «Jedes neue Hindernis, das man uns in den Weg legt, wird letztlich ein Baustein der Mauer sein, die den Weg Europas selbst blockieren wird», appellierte er an die EU.

Die EU-Aussenminister wollen am Sonntag bei einem Sondertreffen in Luxemburg versuchen, die durch die Ablehnung Österreichs entstandene Blockade des für Montag geplanten Beginns der Beitrittsgespräche mit der Türkei zu beheben.

Sezer kritisiert EU-Länder

Die Türkei sei in ihrem Bemühen um die Mitgliedschaft in der EU auf einen unumkehrbaren Weg, sagte Sezer weiter. Sie erwarte dabei fair behandelt zu werden.

Ohne Österreich namentlich zu nennen, erklärte er: «In der EU gibt es Länder, die Opfer des Fanatismus sind, andere, die sich nicht von Vorurteilen befreien können und wieder andere, die eine merkwürdige Sicht der Türkei haben.» Die grundlosen Bedenken einiger europäischer Nationen gegen eine Aufnahme der Türkei seien allein innenpolitisch begründet, fügte er hinzu.

Kein Vertrauen auf beiden Seiten

In Österreich, aber auch in Deutschland und Frankreich ist laut Umfragen eine Mehrheit der Bevölkerung gegen einer Beitritt der Türkei zur EU.

Die Krise um den Verhandlungsbeginn für einen EU-Beitritt hat das Vertrauen der Türken in die Union erschüttert. Gemäss einer Umfrage haben 61,4 Prozent der Türken allgemein kein Vertrauen in die EU.

Zwar sprach sich eine Mehrheit der Befragten (57,4 Prozent) für einen EU-Beitritt aus, allerdings ging der Anteil derer, die meinen, die Türkei müsse unbedingt Mitglied werden, im Vergleich zum Jahr 2004 um zehn Punkte zurück.

Knapp 60 Prozent lehnten einen Sonderstatus für die Türkei anstelle einer Vollmitgliedschaft ab. Gegen eine Anerkennung Zyperns sprachen sich mehr als zwei Drittel (68,5 Prozent) aus.

(gg/sda)

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