Turkmeniens Medien preisen den Despoten
publiziert: Donnerstag, 22. Dez 2005 / 12:01 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 22. Dez 2005 / 12:17 Uhr

Klagen über zu viel Gewalt, Erotik oder Negativmeldungen auf dem Bildschirm braucht das turkmenische Staatsfernsehen nicht zu fürchten.

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Die Hauptnachrichten beginnen damit, dass Staatsführer Saparmurat Nijasow minutenlang eine Rede vor sich hin brummelt. Kaum etwas ist zu verstehen, doch das macht nichts. In der gasreichen Ex-Sowjetrepublik steht ein Heer von Journalisten bereit, um das Wort des «Führers aller Turkmenen» zu den Menschen zu tragen.

Die zentralasiatische Republik zählt zu den wenigen Ländern, die in Sachen Einschränkung der Pressefreiheit Nordkorea noch Konkurrenz machen. Eine zufällige Begegnung mit einem Kamerateam des turkmenischen Fernsehens gibt Aufschluss über die Arbeitsweise der Staatsmedien. Der vierte Fernsehkanal «Kultur» lässt in einem der blitzblank gefegten, aber fast menschenleeren Parks der Hauptstadt Aschchabad Studentinnen in Nationaltracht an Blumenrabatten vorbeiflanieren.

Frauen in grünen Kleidern

Der Präsident Nijasow, genannt Turkmenbaschi, ein untersetzter Mann mit schwarz gefärbtem Haar, liebt es, junge Frauen mit schwarzen Zöpfen in langen grünen Kleidern anzuschauen. Entsprechende Bilder flimmern jeden Tag stundenlang über die Bildschirme.

Die Fernsehredaktorin Guselja und ihr Team spulen das übliche Repertoire ab. Der Kameramann lässt die Mädchen im keuschen Ringelrein um einen Baum lustwandeln. In Nahaufnahme flicht eine junge Turkmenin gedankenverloren ihren langen Zopf.

Aufforderungen statt Fragen

Plötzlich taucht ein deutscher Tourist auf, der die Szenerie neugierig betrachtet. Da das turkmenische Regime stets nach internationaler Anerkennung giert, ergreift die Journalistin Guselja die Gelegenheit beim Schopfe und bittet den Ausländer um ein Interview.

Anstelle von Fragen hagelt es allerdings Aufforderungen. «Erzählen Sie bitte, wie wunderbar ihnen das neue Aschchabad gefällt und dass man in Deutschland voller Hochachtung für die Neutralitätspolitik des Turkmenbaschi ist», ordnet Guselja an. Eine Frage sieht das Interview nicht vor. Der Deutsche flüchtet sich in Allgemeinplätze und sucht das Weite.

Kritik unmöglich

Öffentliche Kritik kann in Turkmenien schlimme Folgen haben. Nach Einschätzung der Organisation Reporter ohne Grenzen belegt Turkmenien auf der Rangliste der Pressefreiheit den 165. von 167 Plätzen - knapp vor Eritrea und Nordkorea.

Turkmenien zähle zu den Ländern, in denen eine freie Meinungsäusserung unmöglich sei. «Ein Wort zu viel, ein Tippfehler, ein Kommentar, der etwas neben der offiziellen Linie liegt, können ständige Überwachung, Schikane oder gar Gefängnis bedeuten», schreibt die Organisation in ihrem Jahresbericht 2005.

Grüsse aus dem Ausland

Noch Wochen nach dem turkmenischen Unabhängigkeitstag am 28. Oktober ist die Titelseite der auf russisch erscheinenden Zeitung voll mit Grussbotschaften ausländischer Staatschefs an den Amtskollegen.

Auch ein gewisser Khamtay Siphandone übermittelt dem Turkmenbaschi seine besten Wünsche für eine «kräftige Gesundheit, Glück und Wohlstand». Dass es sich bei Siphandone um den Führer des kommunistischen Regimes in Laos handelt, spielt für die turkmenischen Medien keine Rolle. Hauptsache, dem Turkmenbaschi wird auch im Ausland die ihm gebührende Verehrung entgegengebracht.

(Von Sebastian Fuchs, dpa/sda)

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