Twitter gefährlicher als Zigaretten und Alkohol
publiziert: Sonntag, 5. Feb 2012 / 19:15 Uhr
Twitter kann abhängig machen.
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Würzburg - Auf Alkohol oder Zigaretten zu verzichten ist leichter, als dem Twittern oder E-Mails-Checken zu entsagen.

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Zu diesem Fazit kommt eine Studie der Chicago Booth School of Business.

«Methodisch gesehen würde ich sehr vorsichtig sein, das Verlangen nach sozialen Netzwerken mit Suchterkrankungen gleichzustellen, da sonst die Gefahr einer Verniedlichung solcher komplexen Krankheitsbilder besteht», erklärt Michael Musalek vom Anton Proksch Institut.

Selektierte Population

Wilhelm Hofmann und sein Team haben im Zuge der Studie die täglichen Wünsche von 205 Personen im Alter zwischen 18 und 55 Menschen in und um Würzburg analysiert. Zudem wollten sie wissen, wie weit die Probanten ihrem Verlangen widerstehen können. Schlaf und Sex waren die grössten Bedürfnisse der Teilnehmer. Dennoch war es für die Betroffenen schwieriger dem Wunsch zu widerstehen, online zu gehen.

«Mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren und 73 Prozent an Studierenden handelt es sich bei den Probanten um eine selektierte Population. Man darf das digitale Verhalten nicht pathologisieren. Es stellt lediglich den gesellschaftlichen Wandel dar, keine Sucht», meint auch Gabriele Fischer, Leiterin der Suchtforschung und -therapie an der Medizinischen Universität Wien.

Widerstand erhöht Risiko nachzugeben

«Einen Drang zu widerstehen, ist für Menschen kaum standzuhalten», so Hofmann. Im Laufe der Studie trugen die Teilnehmer Geräte, die insgesamt 7.827 Verhaltensberichte über ihre täglichen Wünsche erfasst haben. Obwohl Alkohol und Tabak die Suchtprodukte schlechthin sind, fiel das Verlangen nach ihnen überraschend geringer aus, als der Drang, sich in ein soziales Netzwerk einzuloggen.

«Mit Fortschreiten des Tages nimmt unsere Willenskraft ab. Die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Selbstbeherrschung versagt, steigt», meint Hofman. Zudem stellte sich heraus, dass einem Drang häufig kurzzeitig zu widerstehen das Risiko erhöht, ihm später doch nachzugeben.

Dennoch warnen Experten davor, sozialen Netzwerken ein Suchtpotenzial zu unterstellen, da die exzessive Verwendung lediglich die gesellschaftliche Entwicklung widerspiegelt. «Heutzutage befriedigt eine Vielzahl der Menschen ihr Wissen über das Internet, anstelle von Zeitungen. Das ist das neue Medium und hat nichts mit krankhaftem Verhalten zu tun», so Fischer.

 

 

(fest/pte)

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