U21-Nati: Beneys Paraden und Challandes' Einfall
publiziert: Montag, 20. Mai 2002 / 22:26 Uhr

Zürich - Das Fundament zum 2:0-Coup gegen Portugal schufen die Schweizer in der Defensive und neben dem Feld. Ein magistraler Stephan Keller und Goalie Nicolas Beney wiesen den Weg zum Erfolg. Und Coach Challandes schwor auf die Kraft ungewöhnlicher Symbolik.

Bernhard Challandes.
Bernhard Challandes.
Wenige Minuten nach Spielschluss zählte Stephan Keller zu den gefragtesten Interview-Partnern der umjubelten Schweizer. Der 23- Jährige hielt dem Ansturm der Medienvertreter so souverän stand, wie er vorher seine wechselnden portugiesischen Gegenspieler kontrolliert hatte -- in stoischer Ruhe parlierte der überragende Schweizer Verteidiger auf Englisch, Deutsch und Französisch.

Dass sie beim FC Zürich seit der Winterpause auf die Defensivkünste Kellers setzen, ist in Anbetracht seiner Vorstellung gegen die weitaus höher eingeschätzten Portugiesen nur allzu nachvollziehbar. Mit welcher Abgebrühtheit Keller die gegen Ende immer verzweifelteren Angriffszüge der Lusitaner unterband, mit welcher Wucht er die Luftduelle zu seinen Gunsten entschied, verdiente höchste Anerkennung.

«Es ist natürlich schön, wenn die Leute registrieren, dass auch gute Defensivarbeit entscheidend sein kann», mochte er seine Genugtuung nicht verbergen. Aber eigentlich hätten sie schon während der Qualifikation durchwegs gut verteidigt. «So überrascht hat mich unsere gute Abwehr gar nicht.» Und, quasi mit der Ruhe des Gewinners, vergass er auch nicht beizufügen, «dass wir bei dem Lattenschuss am Anfang auch Glück hatten.»

Eigentlich hätten sie nicht besser gespielt als beim vermeidbaren Fehltritt gegen die Engländer, «wir konnten ja irgendwie gar nicht besser spielen». Nur, und das hatte auch Trainer Bernard Challandes in seiner ersten Analyse festgehalten, seien die Stürmer erfolgreicher gewesen, hätten die wenigen Chancen perfekt genützt, schmunzelte Keller.

Hinter dem Patron der starken Defensive, in der auch Stéphane Grichting und rechts aussen der ballsichere Remo Meyer exzellent auftraten, stand mit Nicolas Beney ein starker Keeper. Die tückischen Freistösse des Sporting-Youngsters Hugo Viana parierte er im Stile eines Klassehüters. Kaum einmal unterlief der eher kleingewachsene Beney einen Flankenball.

In Sitten hatte er im Verlaufe der Saison manch einen Tiefschlag wegstecken müssen, verliess den Platz in der völlig missratenen Finalrunde mit einer Ausnahme als Verlierer, gegen Basel sah er am vorletzten Spieltag nach einem Notbremsefoul zu allem Überfluss gar noch die Rote Karte. Und nun, kaum vier Wochen später, verliess er den Hardturm als Heroe.

«Ich habe Beney nie stärker spielen sehen, seit ich in der U21 spiele», lobte Torschütze Alex Frei seinen Teamkameraden in den höchsten Tönen. «Simply the best», die alte Hymne der amerikanischen Rock-Lady Tina Turner, schallte am Schluss des gloriosen Schweizer Auftritts durch den ausverkauften Hardturm. Treffender als der Refrain des Songs hätte wohl auch Frei die Performance Beneys nicht umschreiben können.

Gelähmter Wenk als Schweizer Symbolfigur

Einer freute sich über den wohl wichtigsten und sehr hoch einzustufenden Sieg einer Schweizer Nachwuchs-Auswahl wie ein kleines Kind: Bernard Challandes. Als ausserordentlich und grossartig beschrieb der jurassische Coach den Erfolg. «Gegen Italien um die Qualifikation für den Halbfinal zu kämpfen, wird für uns ein magischer Moment.»

Für einen speziellen Moment hatte Challandes am Spieltag gleich selber gesorgt. Er lud den im Herbst 2000 schwer verunfallten und seither querschnittgelähmten Christian Wenk zu einer Teamsitzung ein. Der frühere Weltklasse-Duathlet sprach bei «Totenstille» (Zitat Keller) ein paar Worte zum Team und verfolgte die Partie unmittelbar neben der Schweizer Bank. «Christian war für uns heute ein Symbol der Courage und des Willens.»

(Sven Schoch, Zürich /sda)

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