Vielversprechende Resultate
UN-Klimaverhandlungen: Technologie rückt näher in den Fokus
publiziert: Dienstag, 3. Dez 2013 / 15:50 Uhr

Während die Hauptverhandlungen an der UN-Klimakonferenz (COP19) harzig verliefen, konnten Nebenveranstaltungen vielversprechende Resultate erzielen: Mit dem Technology Mechanism (TM) ist ein Instrument in Kraft getreten, das den nachhaltigen technologischen Wandel beschleunigen könnte.

5 Meldungen im Zusammenhang
Als einer von mehreren ETH-Angehörigen war ich für eine Woche an der 19. UN-Klimakonferenz (COP19), die vom 11. bis 23. November im Nationalstadion von Warschau stattfand. Die Skepsis seitens vieler Teilnehmer (einschliesslich mir) gegenüber der diesjährigen COP war im Vorfeld gross. Die Vorverhandlungen hatten sich als sehr zäh erwiesen. Auch, dass das Gastgeberland Polen war, wurde nicht unbedingt positiv gesehen. Polen gilt mit seiner starken Kohle-Lobby als wichtiger Blockierer einer Verschärfung des EU-Emissionshandels. Dennoch bin ich mit einem positiveren Gefühl nachhause gereist als nach den meisten meiner vorhergehenden COP-Besuche.

Fortschritte abseits der Kernverhandlungen

Obwohl sich die Kernverhandlungen um verpflichtende Emissionsminderungsziele und deren Finanzierung weiterhin sehr langsam bewegten, gibt es durchaus Fortschritte zu vermelden, zum Beispiel beim Mechanismus zum Abholzungsstopp von Wäldern in Entwicklungsländern (REDD+). Für die ETH als technische Hochschule, aber auch für die Schweiz als Clean-Tech-Standort, ist insbesondere folgender Fortschritt von grosser Bedeutung: der sogenannte «Technology Mechanism» (TM) ist in Kraft getreten.

Technologie rückt in den Mittelpunkt

Ursprünglich auf der COP16 in Cancún angestossen, ist der TM und sein ausführendes Organ, das «Clean Technology Center and Network» (CTCN) nun einsatzfähig. Das Ziel des TM ist eine nachhaltige Transformation der Wirtschaft: der Mechanismus soll den transformativen technologischen Wandel hin zu emissionsarmen Technologien vorantreiben. Konkret heisst das, dass der TM Länder beim Erstellen von Technologiestrategien und Politikmassnahmen unterstützt, dass er hilft, den Transfer emissionsarmer Technologien voranzutreiben, Massnahmen zu Kapazitätsbildung durchzuführen und auch dass er einzelne Pilotprojekte unterstützt. Anstatt nur über die Ziele und deren Finanzierung zu verhandeln, rückt jetzt also auch die Technologie - die ja benötigt wird, um die Ziele zu erreichen - in den Fokus.

Evolutionsökonomische Ansätze gefragt

Der TM ist auch als Reaktion auf eine der Lehren aus dem Kyoto-Protokoll zu sehen. Man scheint gelernt zu haben, dass es nicht ausreicht, CO2-Emissionen mit einem Preisschild zu versehen, um einen effektiven technologischen und institutionellen Wandel einzuleiten. Vielmehr bedarf es einer wohlkonzertierten Mischung verschiedener Instrumente. Der TM soll Länder genau dabei unterstützen, einen solchen für sie geeigneten Instrumentenmix zu «designen». Professor Anthony Patt hat im ersten Beitrag des ETH-Zukunftsblogs genau diese Thematik aufgegriffen und die Evolutionsökonomik als Alternative zu rein neo-klassischen Ansätzen vorgestellt. Die Evolutionsökonomik ist ein relativ junger Zweig der Wirtschaftswissenschaften, der sich mit technologischem und institutionellem Wandel befasst. Interessanterweise hat auch Griffin Thompson, der Vorsitzende des CTCN Advisory Board an einem COP-Event in Warschau darauf hingewiesen, dass man beim TM mehr evolutionsökonomische Ansätze berücksichtigen möchte. Gleichzeitig betonte er die grossen Forschungslücken und wie wichtig es für den TM wäre, guten Input seitens der Wissenschaft zu bekommen. In diesem Sinne ist es erfreulich, dass an der ETH seit ein paar Jahren immer mehr Forschung im evolutionsökonomischen Bereich stattfindet, und dass diese Forschung nun auf internationaler Ebene auf Gehör stösst. Ein von der ETH zusammen mit der University of Sussex (einem der wichtigsten Zentren für evolutionsökonomische Ansätze) organisiertes Podium auf der COP zu diesem Thema hat entsprechend Anklang gefunden.

Die Schweiz als grüner Wachstumsmotor?

Auch für die Schweiz als Clean-Tech-Standort ist der Fokus auf Technologie interessant. So können sich durch den TM durchaus neue Exportmärkte ergeben - nicht nur für saubere Produkte, sondern auch für die Anlagen, die die sauberen Produkte herstellen. Entsprechend stand in der Rede von Bundesrätin Doris Leuthard auf der COP auch die Rolle von grünen Technologien zur Bekämpfung des Klimawandels im Zentrum. Die Schweiz beteiligt sich derzeit mit 400'000 US-Dollar an der Finanzierung des CTCN.

Schokolade im Fussballstadion

Neben diesen Ergebnissen gab es aber noch einen weiteren Grund für mein positives Gefühl bei der Rückkehr von Warschau: Die COP19 war eine der am besten organisierten COPs, die ich bisher besucht habe, mit sehr freundlichen Gastgebern und einem sehr guten, zentralen Veranstaltungsort. Die Idee, beim Bau des Nationalstadions für die EM 2012 direkt ein Kongresszentrum in die Arena zu integrieren und somit die Auslastung des Baus zu erhöhen, wurde sehr gut umgesetzt und birgt auch einen Nachhaltigkeitsgedanken. Und zu guter Letzt: Jeden Morgen bekam der COP19-Besucher (wenn er oder sie wollte) eine Tafel CO2-neutrale Schweizer Fair-Trade-Schokolade - eine willkommene Versüssung und oft auch schlicht eine Notration für viele Teilnehmende in den langen Sitzungen.

(Dr. Tobias Schmidt/ETH-Zukunftsblog)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Emissionshandel bricht ein
Der Preissturz im Europäischen Emissionshandelssystem (EU ETS) ist weder auf die wirtschaftliche Rezession noch auf den Ausbau der erneuerbaren Energien zurückzuführen mehr lesen
ETH-Zukunftsblog Die Kluft zwischen den Standpunkten ... mehr lesen
Andreas Fischlin ist Professor für Systemökologie an der ETH Zürich.
In Warschau sei keinerlei Fortschritt zu sehen, sagte Greenpeace-Chef Kumi Naidoo.(Archivbild)
Warschau - Zahlreiche Umweltorganisationen haben die Warschauer Klimakonferenz aus Protest gegen die schleppenden Verhandlungen verlassen. «Der Klimawandel ist eine Realität, aber ... mehr lesen
Warschau - Mit der Besetzung des ... mehr lesen
Die Greenpeace-Aktivisten waren auch in Warschau. (Symbolbild)
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Mit Biogas betriebene Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen (WKK) können fluktuierenden Solarstrom kompensieren und Gebäude beheizen.
Mit Biogas betriebene ...
Eine zentrale Herausforderung der Energiewende ist es, die schwankende Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen auszugleichen. Eine Machbarkeitsstudie zeigt nun für drei Schweizer Kantone auf, wie ein Verbund von Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen kurzfristige Engpässe überbrücken und Gebäude mit Strom und Wärme versorgen kann. mehr lesen 
Vor rund hundert Jahren begann die Industrialisierung der Landwirtschaft - heute erleben wir den Beginn ihrer Digitalisierung. Damit die Big-Data-Welle den Bauer nicht vom Acker schwemmt, sondern ihn optimal ... mehr lesen
Vor rund hundert Jahren begann die Industrialisierung der Landwirtschaft - heute erleben wir den Beginn ihrer Digitalisierung.
Die Schweizer Wasserkraft darbt. Die Ursache dafür sind letztlich Verzerrungen im europäischen Strommarkt. Nun diskutiert die Politik Subventionen für die Grosswasserkraft. Allfällige Rettungsaktionen sollten berücksichtigen, dass die Wasserkraftwerke noch Sparpotenzial bei den Kosten aufweisen. mehr lesen  
Climate change has been communicated as a global concern affecting all of mankind; but this message doesn't seem to be getting through. If indeed the human brain responds better to experience than to analysis, then climate change must be told as a local and personal story - just as the Klimagarten 2085 exhibition is doing. mehr lesen  

Fakten und Meinungen zu Nachhaltigkeit

Der Zukunftsblog der ETH Zürich nimmt aktuelle Themen der Nachhaltigkeit auf. Er bietet eine Informations- und Meinungsplattform, auf der sich Expertinnen und Experten der ETH zu den Themenschwerpunkten Klimawandel, Energie, Zukunftsstädte, Welternährung und Natürliche Ressourcen äussern. Prominente Gäste aus Forschung, Politik und Gesellschaft tragen mit eigenen Beiträgen zur Diskussion bei.

Lesen Sie weitere Beiträge und diskutieren Sie mit auf: www.ethz.ch/zukunftsblog

.
Green Investment news.ch geht in Klausur Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in ... 21
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 2°C 5°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
Basel 3°C 8°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt sonnig
St. Gallen 1°C 4°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich sonnig
Bern 2°C 5°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt recht sonnig
Luzern 2°C 6°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
Genf 4°C 8°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Lugano 6°C 8°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen wechselnd bewölkt, Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten