UNO-Mission vor dem Scheitern
publiziert: Donnerstag, 19. Jan 2006 / 08:06 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 19. Jan 2006 / 08:30 Uhr

Abidjan - Manche der jugendlichen Randalierer haben ihre Gesichter bemalt oder tragen zur Tarnung Kopfschmuck aus Palmblättern. Seit drei Tagen haben sie Abidjan, die Wirtschaftsmetropole der Elfenbeinküste, fest in der Hand.

Vor der französischen Botschaft forderten Jugendliche den Abzug aller ausländischen Truppen.(Archivbild)
Vor der französischen Botschaft forderten Jugendliche den Abzug aller ausländischen Truppen.(Archivbild)
6 Meldungen im Zusammenhang
Sie blockieren die Strassen mit brennenden Reifen, zertrümmern Autofenster und pöbeln weisse Ausländer an. Die so genannten «Jungen Patrioten» werden von der Regierung dafür bezahlt, heisst es. Überprüfen lässt sich das kaum. Der Inhaber einer französischen Bäckerei vernagelte die Schaufenster aus Angst vor dem Mob.

Sicher ist, dass die «Jungen Idioten», wie sie von manchen in Abidjan genannt werden, Präsident Laurent Gbagbo in die Hand spielen, wenn sie gegen die Präsenz der französischen Truppen und der UNO-Mission protestieren.

Mehrere Autos der UNO-Mission gingen in Flammen auf, Demonstranten brachen die Mauer rund um das UNO-Hauptquartier ein, die Blauhelm-Soldaten setzten Tränengas ein und töteten mindestens vier Demonstranten im Westen des Landes.

Vor der französischen Botschaft forderten Jugendliche den Abzug aller ausländischen Truppen. «Wir wollen Euch nicht mehr hier», schrien sie. Anlass für die jüngsten Unruhen war eine Empfehlung der internationalen Vermittler, das Parlament aufzulösen, dessen Mandat im Dezember ausgelaufen war.

Die UNO-Mission in der Elfenbeinküste (ONUCI) steht nach Ansicht politischer Beobachter vor dem Scheitern. Gekommen, um den Friedensprozess zwischen der Regierung und den Rebellen im Norden zu unterstützen, werden sie jetzt von Anhängern des Präsidenten als «Eindringlinge» beschimpft.

Ausländer wütend

Die wenigen Ausländer, die noch in Abidjan leben, sind wütend auf die ONUCI, weil die nichts Erkennbares tut, um dem anarchischen Treiben auf den Strassen Einhalt zu gebieten. «Es müsste den Blauhelm-Soldaten doch möglich sein, diese mit Stöcken und Eisenstangen bewaffneten Jungs zu stoppen», sagt ein Diplomat.

UNO-Generalsekretär Kofi Annan hatte sich zu Beginn des Jahres noch für eine Aufstockung der UNO-Truppen um gut die Hälfte ausgesprochen. Doch nur wenige Länder sind bereit, ihre Soldaten in ein solches Krisengebiet zu schicken.

Derzeit sind knapp 7000 UNO-Soldaten in dem westafrikanischen Land im Einsatz, unter anderem aus Bangladesch, Togo und anderen afrikanischen Ländern. Ein Grossteil von ihnen ist entlang der Pufferzone zwischen dem Süden und den von Rebellen kontrollierten Norden stationiert.

Das Land ist ungeachtet eines Friedensabkommens und zahlreicher Vermittlungsversuche noch immer zweigeteilt. Darunter leidet vor allem die Wirtschaft des weltgrössten Kakaoproduzenten.

Präsident kritisiert Ausländer

Der Präsident macht es sich allzu einfach, wenn er den ausländischen Truppen die Schuld am Zustand seines Landes gibt, meinen seine Kritiker.

Immerhin war das Land vor gut zwei Jahren schon mal soweit, dass die Rebellen einige Minister stellten und es Zeitpläne für die Entwaffnung von Milizen und für Wahlen gab. «Im Moment sieht es so aus, als ob das Land weiter von Wahlen entfernt ist als je zuvor», erklärt ein Diplomat desillusioniert.

(Ulrike Koltermann/dpa)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
New York - Die UNO hat aus Angst ... mehr lesen
Abidjan, die Hauptstadt der Elfenbeinküste.
Senegalesische UNO-Friedenstruppen.
New York - Der Sicherheitsrat hat den Einsatz der UNO-Friedenstruppe in der Elfenbeinküste bis Mitte Dezember - und damit über die geplanten Wahlen hinaus - verlängert. mehr lesen
Abidjan - Der UNO-Sicherheitsrat hat ... mehr lesen
Der UNO-Beauftragte für Friedensmissionen, Jean-Marie Guehenno.
Der Präsident von Elfenbeinküste Laurent Gbagbo.
Abijan - Nach dreitägigen ... mehr lesen
Abidjan - Die Lage in der ... mehr lesen
Abidjan steht seit drei Tagen still.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Präsident Laurent Gbagbo tritt für eine Verlängerung der Legislaturperiode ein.
Abidjan - In der Elfenbeinküste hat die Regierungspartei ihren Rückzug aus der Regierung und den Friedensgesprächen angekündigt. mehr lesen
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 10°C 22°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Basel 11°C 22°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
St. Gallen 15°C 20°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Bern 11°C 21°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Luzern 14°C 22°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Genf 15°C 23°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen freundlich
Lugano 11°C 13°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen wechselnd bewölkt, Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten