UNO-Ohnmacht ein Jahr nach Bagdad-Anschlag
publiziert: Freitag, 13. Aug 2004 / 11:47 Uhr

New York - Ein Jahr nach dem Bombenanschlag auf das UNO-Hauptquartier in Bagdad demonstriert die Weltorganisation am kommenden Donnerstag unfreiwillig ihre Ohnmacht.

Von tiefer Symbolik wird die Aufstellung jener blauen Fahne in New York geprägt sein, die einst über dem UNO-Gebäude in Bagdad wehte. Dort ist es zu gefährlich für solche Zeremonien - und erst recht für die Rückkehr der hunderten internationalen Helfer.

Kurz nach dem Anschlag am 19. August 2003 hatte Generalsekretär Kofi Annan noch erklärt, die Vereinten Nationen würden ihr Personal nicht abziehen: "Die wichtigste Botschaft lautet, dass wir weitermachen."

Als kurz darauf klar wurde, wie brandgefährlich es in Irak für jeden ausländischen Helfer noch lange Zeit bleiben würde, blies Annan zum Rückzug. Die Terroristen hatten ihr Ziel erreicht.

"Führende Rolle"

Ob die Weltorganisation jemals wirklich die "führende Rolle" bei der Aufbauhilfe für Irak spielen kann, die ihr im Juni mit der Resolution 1546 zugewiesen wurde, bleibt ungewiss.

Bei der Organisation von Wahlen sollen UNO-Experten helfen, auch bei der Aussöhnung der Iraker, der Schaffung eines demokratischen Staates und beim wirtschaftlichen Wiederaufbau. Auf Drängen Annans wurde dieser Marschbefehl mit dem Zusatz versehen "soweit die Umstände es erlauben".

UNAMI-Leute in Jordanien und Kuwait

Dass die "Umstände" eine neue grosse UNO-Operation in Irak nicht zulassen, hat Annan dem Sicherheitsrat mehrfach mitgeteilt. Der verlängerte zwar das Mandat für die UNO-Unterstützungsmission in Irak (UNAMI), doch die Formulierung "in Irak" ist irreführend. "Es müsste "ausserhalb" heissen", sagt ein UNO-Diplomat. "Die UNAMI-Leute sitzen doch in Jordanien und Kuwait."

Für den neuen Irak-Beauftragten Ashraf Jehangir Qazi "haben wir noch nicht einmal eine Residenz in Bagdad", räumt ein hochrangiger UNO-Angestellter ein. "Wir haben keine eigenen Beschützer, wir hängen völlig von den Amerikanern ab."

Schutztruppe nötig

US-Diplomaten beteuern allerdings, Washington sähe ein grosses UNO-Team lieber heute als morgen in Irak. Den USA sei "sehr an der Internationalsierung gelegen", bestätigt ein westlicher UNO-Diplomat. "Das könnte Präsident Bush im Wahlkampf von dem Vorwurf entlasten, die USA seien isoliert".

Doch kaum ein Staat ist bereit, Soldaten zum Schutz der UNO-Helfer zu schicken. So verhandeln die UNO und die USA mit Nepal, Pakistan, Aserbaidschan, der Ukraine und Bangladesch in der Hoffnung auf rund 3000 bis 5000 Mann für eine Schutztruppe.

"Gute und Böse"

Doch selbst die halbwegs willigen Länder wollen nicht nur eine klarere Abgrenzung gegenüber dem US-Kommando, sondern verlangen auch, dass die UNO alle Kosten trägt. Das aber ginge nur, wenn der Sicherheitsrat den Einsatz zu einer reinen UNO-Friedensmission erklärt.

Für Washington, heisst es in informierten Kreisen, sei das nicht akzeptabel, weil es dann zwei getrennte Ausländer-Armeen in Irak gäbe - die "guten" Blauhelme und die "bösen" Amerikaner.

(Thomas Burmeister/dpa)

 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 9°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Basel 11°C 24°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 12°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Bern 9°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen wolkig, aber kaum Regen
Luzern 10°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Genf 12°C 22°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen wolkig, aber kaum Regen
Lugano 12°C 20°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen wolkig, aber kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten