US-Armee mischt im Kampf um irakische Macht und Öl mit
publiziert: Sonntag, 30. Mrz 2008 / 10:53 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 30. Mrz 2008 / 11:19 Uhr

Kairo - Die US-Armee droht immer tiefer in den Machtkampf zwischen den Schiiten-Parteien im Irak hineingezogen zu werden.

Die US-Armee greift immer dann ein, wenn die irakischen Truppen zu unterliegen drohen.
Die US-Armee greift immer dann ein, wenn die irakischen Truppen zu unterliegen drohen.
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In den seit Tagen anhaltenden Kämpfen mit Milizionären der Mahdi-Armee von Schiiten-Prediger Muktada al-Sadr steht sie zwar nicht an vorderster Front, greift aber im Notfall immer dann ein, wenn die irakischen Truppen in einem Gefecht gegen die Milizionäre zu unterliegen drohen.

Dabei hatte das amerikanische Militärkommando in den vergangenen Monaten immer wieder betont, es «respektiere die von Muktada al-Sadr verkündete Waffenruhe». Dass die US-Truppen nun trotzdem wieder gegen die Mahdi-Armee kämpfen, birgt nach Einschätzung unabhängiger Beobachter grosse Gefahren.

Begehrtes Öl

Die Rivalitäten zwischen der Regierung des schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki und der schiitischen Mahdi-Armee drehen sich nicht nur um Ideologie oder um die Besetzung von Posten in Staat und Verwaltung. In erster Linie geht es um die Aufteilung der Einnahmen aus dem legalen und illegalen Geschäft mit Öl aus dem südirakischen Basra.

An den krummen Geschäften mit dem Öl sollen, wenn man den aus Angst vor der Rache der Milizen nur hinter vorgehaltener Hand kolportierten Berichten aus Basra glaubt, mehr oder weniger alle schiitischen Parteien beteiligt sein.

«Die Regierungsparteien Dawa und SICI zweigen oft bei einer Lieferung, die Basra verlässt, knapp ein Drittel des Öls ab, verkaufen es unter der Hand und stecken den Gewinn dann in die eigene Tasche», erklärt ein Mann aus Basra, der den Sadr-Anhängern nahe steht. «Das Ganze hat nichts mit Politik zu tun, die Strukturen erinnern eher an die italienische Mafia.»

Gegenseitige Bezichtigungen

Die Sadr-Gefolgschaft und die vor allem in Basra sehr gut vernetzten Mitglieder der schiitischen Fadhila-Partei werden ihrerseits von der Dawa-Partei, der Ministerpräsident Nuri al-Maliki angehört, und von seinem wichtigsten Koalitionspartner, dem Obersten Islamischen Rat im Irak (SICI), des Ölschmuggels bezichtigt.

«Nachdem Ministerpräsident Al-Maliki die Sadr-Bewegung beschuldigt hatte, sie sei am Ölschmuggel in Basra beteiligt, haben Vertreter der irakischen Anti-Korruptionsbehörde Kontakt mit uns aufgenommen, und sie haben uns darüber informiert, dass unter den Namen auf ihrer Liste kein einziger Verantwortlicher der Sadr-Bewegung ist, aber dafür die Namen von mehreren hochrangigen Regierungsmitgliedern, die in den Ölschmuggel verwickelt sind», sagt die Abgeordnete Asmaa al-Mussawi.

Die schiitische Politikerin gehört der Sadr-Bewegung an. Sie war im Dezember 2005 als Kandidatin der Schiiten-Allianz ins Parlament gewählt worden. Damals sassen die Schiiten-Parteien noch alle zusammen in einem Boot. Heute fordern die Sadr-Anhänger, deren sechs Minister die Regierung schon vor knapp einem Jahr verlassen hatten, den Rücktritt Al-Malikis.

(von Anne-Beatrice Clasmann, dpa/sda)

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