US-Politik stösst verbündete Araber vor den Kopf
publiziert: Freitag, 28. Jul 2006 / 12:37 Uhr

Amman/Kairo - Das neue Blutvergiessen in Libanon schlägt vor allem auch in der arabischen Welt hohe Wellen. Die Nahost-Konferenz in Rom, die lediglich eine Absichtserklärung brachte, liess die Enttäuschung weiter steigen.

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Aus vielen Kommentaren in arabischen Medien sprach tiefe Betroffenheit über eine als bedingungslos empfundene Unterstützung Washingtons für Israels Militäroffensive gegen die Hisbollah in Libanon.

Ihre Befürchtung: all dies ist nur Wasser auf den Mühlen jener Islamisten und Extremisten, die daran arbeiten, die relativ US-freundlichen Regime in Ländern wie Ägypten und Jordanien zu destabilisieren.

Besonders die jüngsten Äusserungen von US-Aussenministerin Condoleezza Rice, es sei nun «die Zeit für einen neuen Nahen Osten» gekommen, zu dessen «Geburtsschmerzen» eben auch die Toten und Zerstörungen in Libanon gehörten, haben nach Meinung arabischer Politiker Öl ins Feuer gegossen.

«Diese Stellungnahmen werden gewiss den Extremismus und Terrorismus anfachen», sagte der jordanische Parlamentsabgeordnete Mohammed Abu Hudaib.

Der regierungstreue Vorsitzende des Aussenausschusses der Volkskammer in Amman fügt hinzu: «Die Äusserungen von Rice zielen darauf ab, die Karten in der Region neu zu mischen. Sie beschwören neue Diktate und einen neuen Kolonialismus herauf.»

Die Aussicht auf ein amerikanisch-israelisches Friedensdiktat zur Unterwerfung der pro-iranischen Hisbollah macht die eher prowestlichen sunnitischen Herrscher der Region mindestens ebenso nervös wie die nuklearen Ambitionen des schiitischen Iran.

Gemässigte Regierungen unter Druck

Für sie wäre eine Verschiebung der diffizilen Gleichgewichte in der Region das Potenzial für neue, grössere Kriege. «Niemand, nicht einmal jene (wie Israel), deren militärische Macht sie ermutigt, mit dem Feuer zu spielen, werden davon verschont bleiben», warnte Saudi-Arabiens König Abdullah in einer Fernsehansprache.

Dabei bekommen Monarchen wie Abdullah und Abdullah II. von Jordanien oder Langzeit-Herrscher wie Ägyptens Präsident Husni Mubarak mehr und mehr den Druck der eigenen Bevölkerung zu spüren.

Zwar halten sich die Demonstrationen in der arabischen Welt im überschaubaren Rahmen. Aber es tauchen dabei immer wieder Hisbollah-Banner und Bilder des Hisbollah-Führers Hassan Nasrallah auf. Er ist derzeit der Held der arabischen Massen, der Israel erfolgreich die Stirn bietet.

USA lassen Verbündete im Regen stehen

Die Regierungen in Kairo, Riad und Amman hatten zu Beginn der Libanon-Krise deutliche Worte für die Hisbollah gefunden und die Verschleppung der zwei israelischen Soldaten, die Auslöser waren, als «Abenteurertum» verurteilt. Doch selbst das scheinen ihnen die amerikanischen Verbündeten nicht zu danken.

Die Appelle «gemässigter» Araber für einen sofortigen Waffenstillstand blieben ohne Resonanz der US-Führung. Die USA verfolgten ihr eigenes Spiel, sagt Dschawad Hamad, Leiter des Nahoststudien-Zentrums in Amman. Sie wollten von ihrem eigenen Scheitern im Irak ablenken.

Die Folgen dieser Politik seien absehbar, legt Hamad dar: «Neue Wahlerfolge von islamistischen Gruppen wie der Hamas in Palästina oder der Moslem-Bruderschaft in Ägypten sind vorprogrammiert.»

(Abdul Jalil Mustafa und Gregor Mayer/dpa)

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