US-Taktik hinterlässt gefährliches Machtvakuum
publiziert: Mittwoch, 26. Mrz 2003 / 14:30 Uhr / aktualisiert: Freitag, 28. Mrz 2003 / 09:14 Uhr

Safwan - Als die US-Truppen in die kleine Stadt Safwan an der Grenze zu Kuwait einzogen, war der Jubel gross. Mit Handschlag und Umarmung begrüssten die Einwohner von Safwan die Soldaten. Mittlerweile ist die Stimmung aber umgeschlagen: Angst und eine feindselige Haltung gegenüber den amerikanischen Truppen macht sich breit.

Die freundliche Begrüssung in Safwan schlug schnell wieder um.
Die freundliche Begrüssung in Safwan schlug schnell wieder um.
Was wird geschehen, wenn die US-Truppen weiterziehen und nicht mehr über den Ort wachen? Gerüchte kursieren, dass Saddam Husseins Spitzel bereits auskundschaften, wer besonders freundlich zu den Amerikanern war und deshalb bestraft werden soll.

Die Versorgung hat schon jetzt gelitten: Aus dem umkämpften Basra kommen seit Tagen kein Wasser und keine Lebensmittel mehr an. Safwan fühlt sich alleingelassen.

"Das Essen reicht noch für eine Woche, das Wasser aus Basra kommt nicht mehr an, der Strom ist ausgefallen, und die Medikamente sind aufgebraucht." Voller Sorge schildert der Arzt, der sich im Interview nur Ali nennt, die beklemmende Notlage.

Die drei Läden der Ortschaft haben geschlossen, weil sie keine Waren mehr bekommen. Reporter, die in die Stadt kommen, werden umlagert und aggressiv um Wasser und Essen angebettelt.

Sicherheit gefragt

Die Taktik der US-Armee, sich nicht auf einen Häuserkampf einzulassen und die irakischen Städte bei ihrem Vormarsch auf Bagdad zu umgehen, hat für die Bevölkerung gravierende Folgen.

Nicht nur die Versorgung ist beeinträchtigt; in den Ortschaften entsteht auch ein gefährliches Machtvakuum. "Was wir noch dringender brauchen als Lebensmittel und Wasser, ist Sicherheit", betont Ali. "Es gibt hier keine Polizei mehr. Die Leute sind sehr verängstigt, und das könnte in ernsthaften Ausschreitungen enden."

Erste Plünderungen

In Safwan wird schon über erste Plünderungen berichtet. Statt Polizisten in Uniform sollen jetzt die Elitetruppen von Saddam Hussein inkognito in der Stadt unterwegs sein, um Listen mit Dissidenten zu erstellen.

Die Präsidentenspitzel haben angeblich bereits mehrere Häuser in Brand gesteckt und Zivilisten verletzt. "In Bagdad hat man im Fernsehen beobachten können, wie Leute von hier die amerikanischen Soldaten umarmt und willkommen geheissen haben", sagt Ali. Jetzt hätten diese Menschen Angst, dass die Elite-Garde des Präsidenten zurückkommen und sie töten könnten.

Erinnerungen an 1991

Die Sorgen sind nicht unbegründet: Nach dem Golfkrieg 1991 hatte sich die überwiegend schiitische Bevölkerung des Südens gegen Saddam Hussein erhoben. Der Machthaber schlug den Aufstand mit aller Härte nieder, tausende Menschen starben.

Die Alliierten lehnten eine Einmischung damals mit der Begründung ab, sie seien am Golf, um das von Irak besetzte Kuwait zu befreien und nicht, um Recht und Ordnung in Irak sicherzustellen.

In Safwan ist die Stimmung heute gereizt. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP bekommt ein Gewehr unter die Nase gehalten. "Hau ab", zischt ihm ein Anwohner ins Ohr.

Am Sonntag war die britische Militärpolizei gezwungen, wegen einer Anschlagswarnung etwa 60 Journalisten zu evakuieren. Angeblich hatten etwa ein Dutzend Saddam-Hussein-Getreue einen Überfall mit Raketenwerfern und Maschinengewehren auf die Reporter geplant.

Die Stimmung ist gegenüber den alliierten Truppen und den westlichen Reportern in Safwan schnell umgeschlagen.

(bsk/sda)

 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 1°C 3°C Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
Basel 1°C 4°C Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
St. Gallen 0°C 1°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
Bern 0°C 3°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Luzern 1°C 3°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Genf 3°C 5°C bedeckt, wenig Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Lugano 3°C 7°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten