USA: Musikdieben an Unis geht es an den Kragen
publiziert: Mittwoch, 2. Mai 2007 / 07:52 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 2. Mai 2007 / 09:31 Uhr

Seit es Tauschbörsen im Internet gibt, gibt es Musikdiebe - und von jeher stehen junge Menschen besonders im Visier der Plattenindustrie. Die Musikfirmen in den USA kümmern sich nun vor allem um Studenten: Eine gross angelegte Offensive und Geldstrafen sollen Hochschülern den Spass an gestohlener Musik verderben.

Der User ist nicht so anonym, wie er denkt.
Der User ist nicht so anonym, wie er denkt.
1 Meldung im Zusammenhang
Schliesslich seien im vergangenen Jahr 1,3 Milliarden Lieder illegal über Universitätscomputer heruntergeladen und damit ein Millionenschaden verursacht worden, so die Recording Industry Association of America (RIAA), der Verband der US-Musikindustrie. «Ein Diebstahl ist und bleibt ein Diebstahl, auch wenn er online stattfindet», begründet RIAA-Präsident Cary Sherman die Aktion.

In zwei Wellen hat der Verband jeweils mehr als 400 Mails mit Hinweisen auf Urheberrechtsverletzungen an die Universitäten verschickt und sie aufgefordert, die Nachricht an die betreffenden Studenten weiterzuleiten. Der Inhalt dürfte die Empfänger gehörig erschreckt haben: Sie werden aufgefordert, Geldstrafen in Höhe von mehreren hundert Dollar zu zahlen. Andernfalls drohe ihnen ein Prozess. Auch sollen sie sich verpflichten, keine Lieder mehr von illegalen Seiten herunterzuladen, sonst würden sie sofort angezeigt.

Downloads sind nicht so anonym wie gedacht

«Die Leute denken, sie könnten unerkannt Lieder stehlen. Doch sie sind nicht so anonym, wie sie glauben», sagt Sherman. Der Verband habe Computerspezialisten, die problemlos feststellen könnten, von welchem PC an der Hochschule die Lieder heruntergeladen wurden. Für die Universitäten wiederum ist es ein Leichtes, den Musikdieb ausfindig zu machen, da sich die Studenten mit Benutzernamen und Passwort an den Rechnern anmelden müssen.

Darüber hinaus können die Universitäten selbst Strafen gegen ihre Studenten verhängen, wenn sie im Internet Lieder geklaut haben. An der University of California in Los Angeles wurden zwei Studenten für ein Semester suspendiert, berichtet die Washington Post. Andere Hochschulen sperren zeitweilig die Internetzugänge der Studenten oder zwingen sie, sich ein Anti-Piraterie-Video anzuschauen. Weil nicht alle Universitäten so kooperativ sind, veröffentlichte die RIAA ausserdem eine schwarze Liste der zehn Unis mit den meisten illegalen Downloads, um den öffentlichen Druck auf die Hochschulen zu erhöhen.

Studenten denken oft nicht an Konsequenzen

Die 22 Jahre alte Studentin Kathleen aus Seattle war überrascht, als sie von den Suspendierungen hörte. «Die meisten Studenten wissen schon, dass Musikdownloads illegal sind und bestraft werden können. Aber sie denken nicht an die Konsequenzen, weil sie nicht durchgesetzt werden. Doch eine Suspendierung - das ist schon hart», sagt die Englisch-Studentin. «Ich habe schon Gewissensbisse beim Downloaden. Ich weiss, dass die Industrie viel Geld verliert. Aber am Ende ist die Aussicht auf das Lied doch zu verlockend, da entscheidet dann der Eigennutz.»

Doch das ist nur ein Grund für Kathleen. «Die Chancen, wirklich erwischt und bestraft zu werden, werden von den meisten Studenten als sehr gering eingeschätzt». Dort setzt die RIAA nun mit ihrer Offensive an. «Wir müssen dafür sorgen, dass die Strafen auch als reale Bedrohung wahrgenommen werden», sagt Sherman.

Kathleen hat mehr als 4 000 Lieder heruntergeladen. Die Musikindustrie zitiert Studien, wonach mehr als die Hälfte der Studenten illegale Musikportale nutzen und für über ein Viertel aller illegalen Downloads verantwortlich sind. «Musik herunterzuladen, ist einfach ein Teil der studentischen Kultur und Identität», findet der 20 Jahre alte Pharmaziestudent Steven von der Howard University in Washington D.C.. «Die Musikindustrie übertreibt es. Das ist doch kein grosses Ding, nur ein paar Mausklicks. Und die Musikstars verdienen sowieso Millionen.»

(Markus Weidner/dpa)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Santa Monica - Im Kampf gegen ... mehr lesen
MiiVi.com war nur für kurze Zeit online.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Transparenz und Einblick in die Besitzverhältnisse dank ReverseWhois-Abfragen auf reversewhois.ch
Transparenz und Einblick in die Besitzverhältnisse dank ...
reversewhois.ch - Neuer Service zum Herausfinden von Domaineigentümern  St. Gallen - Im September lanciert domains.ch, ein Angebot der VADIAN.NET AG, den neuen Service reversewhois.ch um Webmastern, Journalisten, Konkursämtern und interessierten Mitbürgern eine einfachere Möglichkeit zu geben Domains im Besitz einer bestimmten Organisation oder Person zu eruieren. mehr lesen 
Für den Industrieverband ist klar, dass die Politik gefordert ist, damit auch Video-Streamingdienste angemessen für Musik bezahlen.
Britische Musikindustrie  Dem Branchenverband BPI zufolge war 2015 eigentlich ein tolles Jahr für britische Musiker - unter anderem dank hoher Einnahmen aus ... mehr lesen  
Neuer Rivale von «YouTube Red»  Das US-Medienunternehmen Fullscreen ist unzufrieden mit der finanziellen Ausbeute seiner ... mehr lesen  
.
eGadgets news.ch geht in Klausur Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in ... 21
Domain Namen registrieren
Domain Name Registration
Zur Domain Registration erhalten Sie: Weiterleitung auf bestehende Website, E-Mail Weiterleitung, Online Administration, freundlichen Support per Telefon oder E-Mail ...
Domainsuche starten:


 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mo Di
Zürich -1°C 2°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich Nebelfelder
Basel -2°C 3°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich Nebelfelder
St. Gallen 0°C 0°C wolkig, wenig Schneeleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig Nebelfelder
Bern -3°C 2°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich Nebelfelder
Luzern 2°C 3°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
Genf 3°C 4°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
Lugano 2°C 8°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig freundlich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten