Warnsignale auch in Deutschland
USA: Rekordarmut hält an, Ungleichheit wächst
publiziert: Montag, 17. Sep 2012 / 09:40 Uhr
Jeder siebte Bürger in den USA ist arm. (Symbolbild)
Jeder siebte Bürger in den USA ist arm. (Symbolbild)

Suitland/Wiesbaden/Köln - Die in den USA grassierende Armut ist momentan so verbreitet wie in den vergangenen 20 Jahren nicht mehr. 15 Prozent der Menschen zwischen Los Angeles und New York leben unterhalb der Armutsgrenze. Das heisst 46,2 Mio. sind davon betroffen, also jeder siebte US-Bürger.

6 Meldungen im Zusammenhang
Dies geht hervor aus einer aktuellen Veröffentlichung des US-Census Bureau. Doch auch in Deutschland sind immer mehr Menschen von Armut bedroht. In Bremen und Mecklenburg-Vorpommern ist die Gefahr am grössten.

«Armut reicht mittlerweile bis in die Mitte der Gesellschaft hinein. In Deutschland selbst ist dies zum grössten Teil auf den wachsenden Niedriglohnsektor zurückzuführen. 24 Prozent der Beschäftigten sind aktuell Geringvediener», erklärt Christoph Butterwegge, Armutsforscher von der Uni Köln.

Amerikanischer Traum geplatzt

Während die Armutsquote in den USA im Vorkrisenjahr 2006 noch bei 12,3 Prozent rangierte, war sie 2010 schon bei 15,1 Prozent angelangt. Die gute Nachricht: Im vergangenen Jahr ist die Anzahl armer Amerikaner konstant geblieben. Die schlechte: Der «American Dream» dürfte nun endgültig ausgeträumt sein. Sinkende Reallöhne, steigende Verschuldung privater Haushalte, wachsende Arbeitslosigkeit, Delogierungen und anhaltende Inflation gehören mittlerweile zum bitteren Alltag. Insbesondere der Mittelstand kämpft momentan gegen den drohenden sozialen Abstieg.

Gegenüber 2010 ist das reale Median-Haushaltseinkommen um 1,7 Prozent auf 62.273 Dollar gesunken während die Einkommensungleichheit gestiegen ist. Der Gini-Index als anerkanntes Mass für Ungleichheitsverteilung hat um 1,6 Prozent zugelegt. Das Census Bureau betont, dass es sich dabei um den ersten Anstieg des Gini-Indizes seit 1993 handelt.

Mittelstand kämpft händeringend

Diese weiter aufgehende Schere zwischen Reich und Arm spiegelt sich ebenso in den Einkommen der einzelnen Klassen wider. Die Gehälter des bestverdienenden Fünftels des Landes sind um 1,6 Prozent gestiegen. Die obersten fünf Prozent konnten sich sogar über ein Plus von 4,9 Prozent freuen. Der amerikanische Mittelstand musste dagegen einen herben Einkommensverlust von durchschnittlich ein bis 1,9 Prozent hinnehmen. Die Einnahmen des untersten Fünftels blieben gleich. Ebenso die Quote der ausserordentlich Armen, die mit weniger als der Hälfte des Geldes der Armutsschwelle auskommen müssen. Ihr Anteil beläuft sich weiterhin auf 6,6 Prozent.

Die Washington Post gibt allerdings zu bedenken, dass die veröffentlichten Armutszahlen höher sein dürften als sie in wirklich sind, da staatliche Unterstützungen wie Essensmarken und Einkommenszuschüsse darin noch nicht berücksichtigt sind. Beobachter gehen davon aus, dass die darum bereinigten Zahlen erst im November, just nach den Präsidentschaftswahlen, bekannt gegeben werden.

Gefahr wächst auch in Deutschland

In Deutschland ist man von amerikanischen Zuständen zum Glück noch weit entfernt. Die ersten Warnsignale sind trotzdem nicht zu übersehen. Laut den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes ist im vergangenen Jahr die Gefahr, in Armut zu stürzen, in den meisten Bundesländern gestiegen. Dies kann bedrohliche Auswirkungen mit sich ziehen, wie Butterwegge betont. Spürbare Folgen auf den sozialen Frieden sind dabei nicht auszuschliessen, so der Experte. Die traurige Liste an armutsgefährdeten Menschen führen Bremen und Mecklenburg-Vorpommern mit 22,3 bzw. 22,2 Prozent an. Am sichersten ist es derweil noch in Baden-Württemberg und dem Freistaat Bayern mit 11,2 bzw. 11,3 Prozent.

«Die Armutsgefährdung der Menschen lag 2011 in den meisten Bundesländern über dem Niveau des Jahres 2010. Auch im Ost-West-Vergleich gibt es weiterhin deutliche Unterschiede bei den Armutsgefährdungsquoten», so das Statistikamt. Laut EU-Definition gilt jemand als armutsgefährdet wenn er weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verdient. Das waren im Dezember 2011 Einpersonen-Haushalte mit weniger als 848 Euro.

(bg/pte)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Washington - Noch nie zuvor haben amerikanische Arbeitnehmer mehr Sorge um ihre wirtschaftlichen Verhältnisse und ihre ... mehr lesen
Zwei Drittel der Arbeitnehmer geben der Wall-Street-Finanzindustrie die Schuld am Mangel guter Arbeitsplätze.(Archivbild)
John Boehner, Sprecher des US-Repräsentantenhauses.
Versuchen Sie doch einmal, die Infinitesimalrechnung in ... mehr lesen
Washington - Wegen der Wirtschaftskrise sind einer neuen Studie der US-Notenbank Fed zufolge das mittlere Einkommen und ... mehr lesen
Der dramatische Einbruch spiegelt vor allem den drastischen Wertverlust der Immobilien wider.
Mehr als 115 Millionen Menschen leben in der EU an der Armutsgrenze.
Luxemburg - Die Zahl der von Armut bedrohten Menschen in der Europäischen Union ... mehr lesen
Gütersloh - Unter den führenden Wirtschaftsnationen gibt es ein grosses Gefälle in der sozialen Gerechtigkeit. Dies ... mehr lesen
Die Studie weist auf wachsende Ungleichheit bei der Einkommensverteilung hin.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Die Occupy-Bewegung entstand in den USA aufgrund der wachsenden Ungleichheit.
Washington - Dramatisches Wohlstandsgefälle in den USA: In den vergangenen drei Jahrzehnten ist das Einkommen des reichsten ... mehr lesen
Über 41,5 Prozent der Frauen wollen wieder einmal Chillen, Relaxen, Ausruhen und einfach nichts tun.
Über 41,5 Prozent der Frauen wollen wieder einmal ...
Umfrage zum Muttertag  Wien - Zum grossen Relaunch der Familienwebsite welovefamily.at wollte man eigentlich nur seine vielen User zur Usability der Seite befragen, aber man entschloss sich dann doch auch gleich mal, die allgemeine Befindlichkeit der Eltern abzufragen. 
Drew Barrymore feiert Muttertag ohne Mann Schauspielerin Drew Barrymore freut sich auf den Muttertag, den sie allein mit ihren Kindern verbringen wird.
Drew Barrymore zelebriert den anstehenden Muttertag mit ihren Töchtern und 'Tom und Jerry'.
Die Forschenden aus Deutschland und den USA sequenzierten urzeitliche DNA von 51 Fossilienfunden. (Symbolbild)
Migration und Bevölkerungsfluktuationen  Cambridge/Leipzig - Migration und Bevölkerungsfluktuationen haben das steinzeitliche Europa ...  
Titel Forum Teaser
  • HeinrichFrei aus Zürich 423
    Probleme auf der Erde lösen, nicht auf dem Mars Hätte es auf der Erde nicht genügend Aufgaben die zu lösen wären, statt ... Do, 14.04.16 18:38
  • jorian aus Dulliken 1750
    UAE/Iran Im Iran kann der Jude seine Kippa auch tragen. So sollte es ... Fr, 04.03.16 00:30
  • Midas aus Dubai 3810
    Kämpfen Ausländer, Secondos, Muslime, Juden, sie allen sind Teil und Bürger der ... Do, 03.03.16 14:43
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3895
    Seit... einigen Jahren ist der Antisemitismus wieder auf dem Vormarsch. ... Di, 01.03.16 09:32
  • jorian aus Dulliken 1750
    Heute Abend kommt auf 3sat.... .... Cannabis Droge oder Medizin. Für mich ganz klar ... Do, 28.01.16 17:27
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3895
    Nach... Neptun geht es also weiter! Es gibt seit Jahrzehnten Fachbücher zum ... So, 24.01.16 22:46
  • Kassandra aus Frauenfeld 1745
    Zu dumm nur, dass der Jorian zu 100% aus chemischen Verbindungen besteht, er warnt ... Fr, 22.01.16 21:16
  • jorian aus Dulliken 1750
    Planet X! Als Pluto noch ein Planet war,wurden die belächelt, wo behaupteten, es ... Fr, 22.01.16 08:59
Wie werden Wasserkraftwerke wieder rentabel?
ETH-Zukunftsblog Zur Wirtschaftlichkeit der Wasserkraft Die Schweizer Wasserkraft darbt. Die Ursache dafür ...
 
Wettbewerb
   
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zum Release des siebten Teils der Star Wars-Serie («Das Erwachen der Macht») verlosen wir zwei DVDs.
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zur Premiere von «The First Avenger: Civil War» verlosen wir zwei Fan-Pakete mit jeweils zwei Kinoeintritten.
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich 3°C 14°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Basel 3°C 14°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
St. Gallen 3°C 11°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Bern 1°C 14°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Luzern 4°C 13°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Genf 7°C 16°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Lugano 14°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten