USA decken Cybercrime-Ring in Estland auf
publiziert: Donnerstag, 10. Nov 2011 / 18:24 Uhr
Über vier Millionen Computer sollen die sieben Internet-Betrüger kontrolliert haben. (Symbolbild)
Über vier Millionen Computer sollen die sieben Internet-Betrüger kontrolliert haben. (Symbolbild)

Tallinn - Sie sollen die Kontrolle über vier Millionen Computer in 100 Ländern übernommen und sich so 14 Millionen Dollar erschwindelt haben. Nach jahrelangen Ermittlungen ist jetzt Anklage gegen sieben Internet-Betrüger aus Osteuropa erhoben worden.

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Die sechs Esten und ein Russe hätten allein in den USA 500'000 Rechner mit schädlicher Software infiziert und über ihre eigenen Server - ein sogenanntes Botnet - kontrolliert, teilte die US-Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit.

Staatsanwalt Preet Bharara bezeichnete den Fall als einmalig. Denn die Verdächtigen hätten sich durch die geheime Umleitung von Datenströmen auf die eigenen Server einen Anteil von Internet-Werbeeinnahmen in Millionenhöhe erschwindelt.

«Die Angeklagten haben in massivem Umfang dem Begriff 'Etikettenschwindel' eine neue Bedeutung verliehen», sagte Bharara. Die USA wollen für die sechs Esten, die jetzt in ihrem Heimatland verhaftet wurden, eine Auslieferung beantragen. Der Russe ist noch auf der Flucht.

Grösster Schlag gegen Cyberkriminelle

Die Esten wurden von der US-Bundespolizei FBI in Zusammenarbeit mit der örtlichen Polizei und einer Reihe von IT-Unternehmen festgenommen. Die Internetsicherheitsfirma Trend Micro bezeichnete die unter dem Namen «Operation Ghost Click» durchgeführten Ermittlungen als bisher bedeutsamsten Schlag gegen Cyberkriminelle.

Das Problem war als erstes von der US-Raumfahrtbehörde NASA entdeckt worden, wo 130 Computer infiziert worden waren. Die Ermittler folgten der digitalen Spur nach Osteuropa, wo sie auf von den Angeklagten betriebene Unternehmen gestossen seien, die sich als legitime Internet-Werber ausgegeben hätten, heisst es in der Anklageschrift.

Nach einer Infektion durch die schädliche Software wurden Computernutzer, die etwa auf Internetseiten wie Amazon, den Video-Dienst Netflix oder die US-Steuerbehörde zugreifen wollten, zu Websites umgeleitet, auf denen die Verdächtigen für jeden Klick auf eine Anzeige Geld kassierten, teilten die US-Behörden mit.

Ausserdem waren die Internet-Betrüger auch in der Lage, tatsächliche Anzeigen auf weiteren Werbeseiten mit anderen zu ersetzen, die ihnen mehr illegale Einnahmen brachten. Innerhalb von fünf Jahren sollen sich die Angeklagten so 14 Millionen Dollar erschwindelt haben.

(bg/sda)

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