USA erwarten neue Proteste
publiziert: Donnerstag, 20. Sep 2012 / 08:33 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 20. Sep 2012 / 14:38 Uhr

Los Angeles - Angesichts erwarteter neuer Proteste gegen den Anti-Islam-Film schliessen die USA am Freitag ihre diplomatischen Vertretungen in Indonesien. Es seien neue «grosse Demonstrationen vor unseren Einrichtungen» zu erwarten, teilte die Botschaft in Jakarta am Donnerstag mit.

6 Meldungen im Zusammenhang
In den vergangenen Tagen hatten im bevölkerungsreichsten muslimischen Land Gläubige gegen den in den USA produzierten Film «Die Unschuld der Muslime» protestiert. Die US-Vertretung in der Stadt Medan ist deshalb schon seit Mittwoch geschlossen.

Am Donnerstag protestierten in der afghanischen Hauptstadt Kabul hunderte Demonstranten gegen den Film und die Veröffentlichung neuer Mohammed-Karikaturen im französischen Satiremagazin «Charlie Hebdo». Rund 300 Studenten skandierten bei einer Kundgebung «Tod Frankreich, Tod den USA», wie ein AFP-Fotograf berichtete.

An einem anderen Ort in Kabul kamen ebenfalls Hunderte zu einer weiteren Demonstration zusammen. Beide Kundgebungen verliefen demnach ohne Zwischenfälle.

Appell von Obama und Karsai

US-Präsident Barack Obama und der afghanische Präsident Hamid Karsai riefen angesichts der Proteste gegen die Veröffentlichung des Mohammed-Schmähfilms zu besonnenen Reaktionen auf. Das US-Präsidialamt teilte nach einer Videokonferenz der beiden Politiker mit, es sei in der gegenwärtigen Situation notwendig, die Menschen zu «Zurückhaltung und Gewaltlosigkeit» zu ermutigen.

Das Video, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird, führt in der muslimischen Welt seit mehr als einer Woche zu heftigen Protesten und gewaltsamen Ausschreitungen. Mehr als 30 Menschen wurden seither getötet, darunter der US-Botschafter in Libyen.

«Charlie Hebdo» wieder online

Die Internetseite des französischen Satire-Blatts «Charlie Hebdo» ist wieder online. Auch einige der provokanten Mohammed-Karikaturen waren am Donnerstag über das Netz zu finden. Allerdings gab es beim Surfen auf der Seite immer wieder einzelne Fehlermeldungen.

Das Webangebot war nach Veröffentlichung der zum Teil derben islamkritischen Zeichnungen am Mittwoch von Hackern lahmgelegt worden. Deswegen ermittelt auch die Staatsanwaltschaft in Paris. Die bereits vergriffene gedruckte Ausgabe soll an diesem Freitag neu aufgelegt werden.

Frankreichs Regierung ordnete für Freitag aus Angst vor Gewalt nach den traditionellen muslimischen Gebeten die Schliessung der französischen Botschaften, Konsulate, Schulen und Kulturzentren in rund 20 Ländern an.

Die Debatte um die Karikaturen ging weiter. Der Grünen-Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit nannte die Veröffentlichung in einem TV-Interview «idiotisch». Mit Blick auf die Unruhen in weiten Teilen der islamischen Welt sagte der Deutsch-Franzose: «Wenn man auf einem Pulverfass sitzt, hat man die Möglichkeit, 30 Sekunden nachzudenken, bevor man ein Streichholz anzündet.»

(alb/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Paris - Die USA haben das Kopfgeld scharf verurteilt, das ein pakistanischer Minister auf den Macher des islamfeindlichen Films ... mehr lesen 1
Ministerpräsident Raja Pervez Ashraf distanzierte sich am Sonntag nach Worten eines Sprechers «vollständig» von dem Mordaufruf.
Bern - Rund 200 Muslime haben sich am Samstag auf dem Helvetiaplatz in Bern versammelt. Sie forderten einen besseren Schutz der religiösen Gefühle in der Schweiz und kritisierten den umstrittenen Mohammed-Film aus den USA. mehr lesen  2
Washington - In Erwartung neuer Proteste in der islamischen Welt haben die USA ihre diplomatischen Vertretungen in ... mehr lesen
Die USA rüsten sich vor dem Abendgebet. (Symbolbild)
Dschalalabad - Aus Protest gegen den Anti-Islam-Film aus den USA sind in Afghanistan am Mittwoch erneut zahlreiche Menschen auf die Strasse gegangen. Im Osten des Landes demonstrierten rund tausend Menschen und blockierten eine zentrale Zufahrtsstrasse in die Hauptstadt Kabul. mehr lesen 
Leute haben protestiert - es hat nichts geholfen.
Leute haben protestiert - es hat nichts geholfen.
Im Morgengrauen gehängt  Bern - Trotz internationaler Appelle ist im Iran am Samstag eine 26-jährige Frau nach fünf Jahren in der Todeszelle hingerichtet worden. Die Innenarchitektin Reyhaneh Dschabbari wurde im Morgengrauen gehängt. 
Weil-Prozess  Fort Lauderdale - Im Kreuzverhör mit dem Zeugen Martin Liechti ist es im Prozess gegen den ehemaligen UBS-Manager Raoul Weil zu hässlichen Szenen gekommen. Wortklauberei und verbale Attacken prägten am Freitag die Befragung. Aber der Zeuge knickte nicht ein.  
Titel Forum Teaser
Dirk Hebel ist Assistenzprofessor für Architektur am Singapore ETH Centre (SEC).
ETH-Zukunftsblog Sand (Teil 2): nachhaltige Alternativen Der massive Abbau natürlicher Sandvorkommen in ...
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
SA SO MO DI MI DO
Zürich 4°C 8°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Basel 4°C 10°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
St.Gallen 4°C 10°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Bern 4°C 12°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Luzern 4°C 12°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Genf 7°C 14°C bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Lugano 6°C 16°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
mehr Wetter von über 6000 Orten