USA fürchtet «Pearl Harbor im All»
publiziert: Samstag, 20. Jan 2007 / 09:32 Uhr / aktualisiert: Samstag, 20. Jan 2007 / 09:49 Uhr

Peking - Der erste Abschuss eines Satelliten mit einer Rakete von der Erde aus demonstriert dramatisch Chinas neue militärische Fähigkeiten. Die USA mit ihrem grossen Satellitennetz für militärische und zivile Kommunikation sind besonders verwundbar.

Ein Vertrag von 1967 über den Weltraum, erlaubt nur eine friedliche Nutzung.
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Schon länger fürchtet Washington die Entwicklung von Anti-Satelliten-Waffen durch China.

Doch dass Peking so offen vor aller Welt mit einer Mittelstreckenrakete einen Satelliten in der Umlaufbahn in tausend Stücke zerreissen würde, kam überraschend. Irritiert hielten die USA ihre Erkenntnisse mehr als eine Woche geheim, bis erste Details durchsickerten.

In seinem ehrgeizigen Raumfahrtprogramm baut China schon lange leistungsfähige Raketen, bringt erfolgreich Satelliten ins All und schickte seit 2003 als dritte Nation der Erde schon zwei Mal Astronauten in den Weltraum.

Moderne Kriegsführung

Zwar erklärt die kommunistische Führung immer ihre friedlichen Absichten, doch heisst es im jüngsten Weissbuch: «China betrachtet die Entwicklung der Raumfahrtindustrie als strategischen Weg, um seine Stärke in der Wirtschaft, Wissenschaft, Technologie und nationalen Verteidigung auszuweiten.»

Ohnehin steht Chinas Raumfahrtprogramm unter dem Kommando des chinesischen Militärs. Die friedliche Nutzung des Weltraums diene auch der «nationalen Sicherheit», heisst es im Weissbuch.

Unter moderner Kriegsführung versteht Chinas Volksbefreiungsarmee zunehmend die Unterbrechung gegnerischer Kommunikationskanäle und Lenksysteme. China arbeitet längst an starken Laserwaffen und hat im letzten Sommer einen US-Satelliten geblendet und ausgeschaltet.

Recht auf Verteidigung

Doch gibt der Anti-Satelliten-Test der Militarisierung des Weltraumes eine ganz neue, chinesische Dimension. Wegen ihrer Abhängigkeit vom All sehen sich die USA selbst als «attraktiven Kandidaten für ein Pearl Harbor im Weltall», wie es die US-Regierung in Anlehnung an den Überfall der Japaner 1941 formulierte, der die USA zum Eintritt in den Zweiten Weltkrieg veranlasst hatte.

Der Staatssekretär für Rüstungskontrolle, Robert Joseph, warf vor vier Wochen offenbar auch mit Blick auf China «einer Reihe von Staaten» vor, «die Fähigkeit anzustreben, amerikanische Raumfahrtsystemen zu begegnen, anzugreifen und zu vernichten».

Die USA behielten sich das Recht vor, sich gegen feindliche Angriffe und Störungen ihres Eigentums im Weltall zu verteidigen, warnte Joseph.

Ungeachtet der negativen internationalen Reaktionen verfolgt Peking mit dem Test wie mit dem Raumfahrtprogramm auch politische Motive. Nach aussen kann die Führung die Machtdemonstration in diplomatisches, wirtschaftliches und militärisches Kapital ummünzen.

Innenpolitisch stärkt es das «Mandat des Himmels» in den Köpfen des stolzen Milliardenvolkes, das der Supermacht USA die Stirn bieten will.

Überprüfung unerwünscht

Die Eskalation lässt aber an der Aufrichtigkeit Chinas zweifeln, zusammen mit Russland einen Vertrag zum Verbot von Weltraumwaffen anzustreben. Verhandlungen darüber waren bei US-Präsident George W. Bush auf wenig Gegenliebe gestossen. Er hatte argumentiert, es gebe kein Wettrüsten im All, und der Vertrag von 1967 über den Weltraum, der nur eine friedliche Nutzung erlaubt, sei ausreichend.

Ohnehin sollte das vorgeschlagene Abkommen nach dem Willen Chinas und Russlands keinerlei Überprüfungsmechanismen enthalten. Denn keiner der beiden wollte sich tiefer ins Raumfahrtprogramm schauen lassen.

(Andreas Landwehr, dpa/sda)

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