Kommission untersuchte zwei Jahre lang
USA haben Holocaust-Opfer nicht genügend entschädigt
publiziert: Mittwoch, 17. Jan 2001 / 10:31 Uhr

Washington - Die USA haben Opfer des Holocaust, die von den Nazis ihres Besitzes beraubt wurden, nicht ausreichend für ihren Verlust entschädigt. Zu diesem Schluss kommt eine von der US-Regierung eingesetzen Kommission nach zweijähriger Arbeit.

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Die damalige amerikanische Regierung habe den Wiederaufbau des kriegszerstörten Westeuropa sowie den Kalten Krieg mit der Sowjetunion als weit wichtigere Aufgaben erachtet als die Entschädigung von Holocaust-Opfern, heisst es in dem am Dienstag in Washington vorgestellten Bericht der Kommission.

So seien die Interessen der Holocaust-Überlebenden vielfach zu kurz gekommen, erklärte der Vorsitzende des Gremiums, der Präsident des Jüdischen Weltkongresses Edgar Bronfman. Die Kommission war 1998 von der Regierung Clinton eingesetzt worden - nach Kritik aus Europa, die USA würden europäische Regierungen zur Herausgabe von Vermögen von Holocaust-Opfern drängen, selber aber nichts zur Rückgabe solcher Vermögenswerte unternehmen.

Die Kommission sollte unter anderem feststellen, in wie weit die USA Holocaust-Opfern Eigentum wie Kunstwerke zurückgaben, das von den Nazis beschlagnahmt wurde und später unter die Kontrolle der US- Regierung kam, oder ob und in welchem Umfang Entschädigung gezahlt wurde.

Die USA hätten sich zwar «in bewundernswerter Weise» um Entschädigungen bemüht, aber es habe Mängel gegeben, heisst es in dem Bericht. Die USA hätten im Kriege deutsche Vermögenswerte beschlagnahmt, ohne zwischen Besitztümern von Nazis und jenen von Nazi-Verfolgten zu unterscheiden. Nach dem Kriege hätte eine schwerfällige Bürokratie die Berechtigten vielfach daran gehindert, ihre Besitztümer zurückzuerlangen. Teile der beschlagnahmten Besitztümer wie Gold seien an US-Bürger und Firmen geflossen, die durch den Krieg in Übersee Schäden erlitten hätten, aber keine Nazi-Verfolgten gewesen seien. Ein weiterer Fehler nach dem Krieg sei es gewesen, Deutschen und Österreichern, die zum Teil für die Nazis gearbeitet hätten, die Abwicklung von Entschädigungsprogrammen in ihren eigenen Ländern zu gestatten. Die USA hätten beschlagnahmtes Nazi-Raubgold und andere Güter in Milliardenhöhe an beide Staaten zurückgegeben, ohne deren Rückgabe- und Entschädigungspraxis zu kontrollieren.

Wie viel die USA noch Holocaust-Opfern schulden, wird in dem Bericht offen gelassen. Anders als ähnliche Gremien in Europa - wie etwa das Volcker-Komitee - hatte die Kommission kein Mandat, Vermögenswerte von Holocaust-Opfern zu identifizieren und Massnahmen für die Rückgabe an Berechtigte einzuleiten. Immerhin veranlasste sie amerikanische Museen, Kunstobjekte als Raubkunst anzuerkennen - bei sechs Bildern ist dies bereits geschehen. Die Kommission empfiehlt die Einrichtung einer vom Bund geförderten öffentlich-privaten Stiftung. Sie soll in Zusammenarbeit mit der US-Regierung, den Staaten, dem Privatsektor und Einzelpersonen in den USA und Übersee an einer besseren Bestandsaufnahme von geraubten Besitzgütern arbeiten.

(sda)

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