Es läuft was
USA stellen Auslieferungsgesuch für FIFA-Funktionäre
publiziert: Donnerstag, 2. Jul 2015 / 12:42 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 2. Jul 2015 / 14:30 Uhr
Die USA wollen FIFA-Funktionären im eigenen Land den Prozess machen.
Die USA wollen FIFA-Funktionären im eigenen Land den Prozess machen.

Bern - In das Auslieferungsverfahren betreffend die sieben Ende Mai in Zürich festgenommenen FIFA-Funktionäre kommt Bewegung. Die USA haben die Schweiz offiziell um deren Auslieferung ersucht. Ob und - wenn ja - wann den Betroffenen der Prozess gemacht wird, ist nicht klar.

7 Meldungen im Zusammenhang
Die USA unterstreichen mit ihren formellen Auslieferungsersuchen, dass sie gewillt sind, die sieben mutmasslichen Bestecher vor Gericht zu ziehen. Laut dem Bundesamt für Justiz (BJ) sind die entsprechenden Dokumente über die US-Botschaft in Bern am Mittwochabend fristgerecht eingetroffen.

Die Ersuchen stützen sich auf Haftbefehle der für den Bezirk Ost von New York zuständigen Staatsanwaltschaft, wie das BJ am Donnerstag mitteilte. Gegen die hochrangigen FIFA-Funktionäre wird wegen des Verdachts der Annahme von Bestechungsgeldern in Höhe von über 100 Millionen Dollar ermittelt.

Als Gegenleistung sollen die mutmasslichen Bestecher - Vertreter von Sportmedien und von Sportvermarktungsunternehmen - bei der Austragung von Fussballturnieren in den USA und Lateinamerika die Medien-, Vermarktungs- und Sponsoringrechte erhalten haben. Diese Straftaten sollen in den USA abgesprochen und vorbereitet worden sein. Zudem sollen Zahlungen über US-Banken abgewickelt worden sein.

Den sieben FIFA-Funktionären drohen laut dem US-Department of Justice (DOJ) wegen organisiertem Verbrechen, Betrug, Geldwäscherei und Bestechung Haftstrafen von bis zu zwanzig Jahren. Die gegen die Fussballfunktionäre erhobenen Vorwürfe wären auch in der Schweiz strafbar. Deshalb ist eine wichtige Voraussetzung für eine Auslieferung gegeben.

Während ganzem Verfahren hinter Gittern

Die sieben FIFA-Funktionäre sitzen derzeit in verschiedenen Gefängnissen im Kanton Zürich in Auslieferungshaft. Wegen Kollusionsgefahr wird der Kontakt unter den inhaftierten FIFA-Funktionären unterbunden.

Einer der Verhafteten, der 83-jährige FIFA-Vizepräsident Eugenio Figueredo, wehrte sich mit einer Beschwerde beim Bundesstrafgericht dagegen, während der Dauer des Auslieferungsverfahrens in die USA in Haft bleiben zu müssen - erfolglos. Weil laut den Bundesstrafrichtern Fluchtgefahr besteht, blitzte er mit seinem Antrag ab und bleibt wie die anderen sechs Funktionäre während des gesamten Verfahrens hinter Gittern.

Figueredo hatte als Einziger der sieben Beschwerde gegen die Auslieferungshaft eingelegt. Gegen die Auslieferung wehren sich hingegen alle, weshalb die formellen Auslieferungsersuchen der USA erst nötig wurden.

Verfahren könnten sich hinziehen

Die Kantonspolizei Zürich wird die mutmasslichen Verbrecher nun zu den Auslieferungsersuchen anhören, wie das BJ schreibt. Danach räumt das BJ ihnen eine Frist von 14 Tagen ein, um Stellung zu nehmen. Diese Frist kann in begründeten Fällen um 14 Tage verlängert werden.

«Innert einiger Wochen» werde das BJ in der Folge über die Auslieferung entscheiden. Danach könnten sich die Verfahren aber weiter hinziehen. Reichen die Betroffenen gegen die Verfügungen des BJ Beschwerden ein, werden das Bundesstrafgericht und allenfalls das Bundesgericht diese Frage abschliessend beurteilen müssen.

Bei Ausschöpfung sämtlicher Rechtsmittel können die Verfahren erfahrungsgemäss rund sechs Monate dauern.

Keine News von Bundesanwaltschaft

Unabhängig davon ermittelt die Bundesanwaltschaft rund um die Vergaben der Fussball-Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar. Die Ermittler stehen erst am Anfang: Sie werten neun Terabytes an Daten aus. Momentan könne nicht mehr gesagt werden, sagte Sprecher André Marty auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Zuständig ist eine eigens eingesetzte Taskforce mit spezialisierten IT-Ermittlern. Wie lange das Verfahren dauern wird, kann die Bundesanwaltschaft nicht sagen. Es könne sich um Monate oder Jahre handeln. Sicher sei, dass die Untersuchung länger gehen werde als «die berühmten 90 Minuten».

Bundesanwalt Michael Lauber hatte vor zwei Wochen die Wichtigkeit der Diskretion betont. Jede öffentliche Information über die laufende Untersuchung könne dazu führen, dass Beweise verschleiert würden. «Sobald ich etwas sagen kann, werde ich es sagen.»

(bg/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Der erste der sieben im Mai in der Schweiz verhafteten FIFA-Funktionäre ... mehr lesen
Beim nun ausgelieferten Funktionär handelt es sich um denjenigen Mann, der seiner Auslieferung an die USA vergangene Woche zugestimmt hatte.
Der FIFA-Funktionär wird an die USA ausgeliefert.
Bern - Einer der sieben in der Schweiz inhaftierten FIFA-Funktionäre hat sich mit seiner Auslieferung an die USA einverstanden erklärt. Um wen es sich handelt und wann die Übergabe stattfinden ... mehr lesen
Die Ethik-Kommission der FIFA hat ... mehr lesen
Gründe für die Suspension nannte die FIFA vorerst nicht.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Undurchsichtig: Korruption bei der FIFA.
Ein weiterer Verdächtiger im ... mehr lesen
London - Der ehemalige FIFA-Vizepräsident Jack Warner soll Hilfsgelder für Opfer ... mehr lesen
Der 72-Jährige war der frühere Chef des Fussballverbandes für Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (CONCACAF).
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Buchhaltung: Digital oder in Papierform?
Buchhaltung: Digital oder in Papierform?
Das Ausstellen einer Rechnung ist in der Schweiz rechtlich genau geregelt. Besonders Jungunternehmer und Startups sehen sich zu Beginn mit einer grossen Zahl verschiedener Anforderungen in diesem Bereich konfrontiert. Dabei herrscht Unklarheit darüber, welche Fallstricke tatsächlich beachtet werden müssen, um ein gesetzlich gültiges Papier abzugeben. Wir haben den Fokus deshalb auf die wichtigsten Grundlagen gelegt, die es zu beachten gilt. mehr lesen 
Schiedsgericht-Entscheide nach UDRP bei der WIPO  Um unsere Kunden vor unliebsamen Überraschungen zu schützen, haben wir bei domains.ch begonnen ... mehr lesen  
Bildquelle: http://alphastockimages.com
Francesco Schettino: Weil er das Schiff verliess, wurde er als  «Käptain Feigling» verspottet.
Schiffsunglück  Florenz - Kapitän Francesco Schettino ist mehr als vier Jahre nach der Havarie der «Costa Concordia» auch in zweiter Instanz zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt ... mehr lesen  
Reaktionär  Bern - Gegen die geplante Stiefkindadoption für ... mehr lesen   3
Reaktionäre Kräfte schliessen sich für das Referendum zusammen, mit dabei auch EDU-Präsident Hans Moser.
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mo Di
Zürich 7°C 10°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen freundlich
Basel 5°C 13°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 4°C 10°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen freundlich
Bern 1°C 10°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass wolkig, aber kaum Regen
Luzern 1°C 10°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Genf 4°C 11°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass wolkig, aber kaum Regen
Lugano 2°C 9°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten