Nach Anschlägen mit 184 Toten auf Regime-Viertel
USA und Russland einigen sich auf Feuerpause für Syrien
publiziert: Montag, 22. Feb 2016 / 18:15 Uhr / aktualisiert: Montag, 22. Feb 2016 / 20:02 Uhr
In Homs starben den Menschenrechtsbeobachtern zufolge 64 Menschen, als in dem vor allem von der religiösen Minderheit der Alawiten bewohnten Stadtteil Sahraa zwei Autobomben explodierten. (Archivbild)
In Homs starben den Menschenrechtsbeobachtern zufolge 64 Menschen, als in dem vor allem von der religiösen Minderheit der Alawiten bewohnten Stadtteil Sahraa zwei Autobomben explodierten. (Archivbild)

Damaskus/Moskau/Washington - Die USA und Russland haben sich auf die Bedingungen für eine Feuerpause im Bürgerkriegsland Syrien geeinigt. Die Waffenruhe soll am 27. Februar um 0.00 Uhr Ortszeit Damaskus (26. Februar 23.00 Uhr MEZ) beginnen, teilte das US-Aussenministerium am Montag mit.

7 Meldungen im Zusammenhang
Das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und die Oppositionskräfte müssten bis Freitagmittag erklären, ob sie die Bedingungen annehmen.

Die Vereinbarung gelte nicht für Gruppierungen, die vom UNO-Sicherheitsrat als Terrororganisationen eingestuft sind, darunter die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und die Al-Nusra-Front, ein Ableger von Al-Kaida. Diese können weiterhin von den USA wie auch von Russland bekämpft werden.

US-Aussenminister John Kerry rief die Konfliktparteien umgehend auf, den Bedingungen zuzustimmen. "Wenn (sie) in Kraft gesetzt und eingehalten (wird), wird diese Waffenruhe nicht nur zu einer Reduzierung der Gewalt führen, sondern auch eine Ausweitung der Lieferung dringend benötigter humanitärer Hilfe für eingeschlossene Gegenden ermöglichen", sagte Kerry. Ferner unterstütze die Waffenruhe den Transformationsprozess hin zu einer Regierung in Damaskus, "die auf die Nöte des syrischen Volkes eingeht".

Ban Ki Moon begrüsst Einigung

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüsste die Einigung zwischen den USA und Russland auf eine Feuerpause. Wenn sich alle Beteiligten an die Abmachung hielten, könne diese ein "bedeutender Schritt nach vorne" sein, sagte Ban nach einer Mitteilung am Montag in New York.

Eine Feuerpause sei notwendig, um die politischen Verhandlungen über einen Frieden wieder in Gang zu bringen. Ausserdem sei sie ein "lange ersehntes Signal der Hoffnung an das syrische Volk, dass nach fünf Jahren des Konflikts vielleicht ein Ende ihres Leidens in Sicht ist".

184 Tote bei Anschlägen auf Regime-Viertel

Zuvor stieg die Zahl der Opfer bei den bislang blutigsten Anschlägen des IS auf Regime-Viertel in Syrien auf 184. Allein am südlichen Rand von Damaskus rissen Bomben mindestens 120 Menschen in den Tod, im westsyrischen Homs 64.

Dies meldete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag. Die Explosionen ereigneten sich am Sonntag jeweils in Stadtteilen, die vor allem von religiösen Minderheiten bewohnt werden.

Am Südrand der Hauptstadt Damaskus explodierte im Schiitenviertel Sajida Sainab mindestens eine Autobombe. Zudem sprengten sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft. Die dortige gleichnamige Moschee ist ein wichtiger Pilgerort für schiitische Muslime unter anderem aus dem Iran.

In Homs starben den Menschenrechtsbeobachtern zufolge 64 Menschen, als in dem vor allem von der religiösen Minderheit der Alawiten bewohnten Stadtteil Sahraa zwei Autobomben explodierten. Der alawitische Glaube ist aus dem schiitischen Islam hervorgegangen und mit ihm verwandet. Die Familie von Präsident Baschar al-Assad sowie wichtige Stützen des syrischen Regimes sind Alawiten.

IS übernimmt Verantwortung

Der IS-Terrormiliz übernahm in Interneterklärungen die Verantwortung für die Anschläge. Allerdings liessen sich die Bekenntnisse nicht unabhängig überprüfen. Die Extremisten beherrschen im Norden und Osten Syriens noch immer grosse Gebiete, mussten zuletzt aber Niederlagen auch gegen des Regime hinnehmen.

Erst Ende Januar war es in beiden betroffenen Gebieten zu ähnlichen Anschlägen mit Dutzenden Toten gekommen. Auch hier bekannte sich der IS zu den Taten. Die sunnitischen Fanatiker sehen Angehörige anderer muslimischer Glaubensrichtungen als Abtrünnige.

IS lässt christliche Geiseln frei

Nach rund einem Jahr Geiselhaft liess der IS unterdessen die letzten von mehr als 200 im Nordosten Syriens entführten Christen frei. Mehr als 40 Frauen und Männer seien wieder auf freiem Fuss, erklärte das Assyrische Netzwerk für Menschenrechte.

Vor einem Jahr hatte die Terrormiliz im Nordosten Syriens mehrere Dörfer assyrischer Christen in der Nähe der Stadt Hasaka überrannt und und Einwohner entführt. Assyrische Aktivisten sprachen von mehr als 270 Geiseln.

(fest/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Damaskus - Wenige Stunden vor der geplanten Feuerpause in Syrien haben das russische und das syrische Militär ihre Angriffe ... mehr lesen
Der russisch-amerikanische Plan sieht vor, die Waffen ab Samstag in Syrien schweigen zu lassen.
Beirut - Nach der syrischen Regierung hat auch die wichtigste Oppositionsgruppe ihre Zustimmung zu einer geplanten ... mehr lesen
Lima - Angesichts der geplanten Waffenruhe in Syrien haben die USA, ... mehr lesen
Obama telefonierte mit Merkel, Cameron und Hollande.
Syrien soll für eine Zeit lang zur Ruhe kommen.
Damaskus - Das syrische Regime hat den von den USA und Russland vereinbarten Waffenstillstand akzeptiert. Das ... mehr lesen
Amman - Im Ringen um eine Waffenruhe im Bürgerkriegsland Syrien gibt es eine ... mehr lesen 3
In einem Telefonat mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow sei «eine vorläufige Einigung über die Bedingungen für eine Einstellung der Kampfhandlungen» erzielt worden, sagte US-Aussenminister Kerry am Sonntag. (Archivbild)
Weitere Artikel im Zusammenhang
Präsident Baschar al-Assad: Voraussetzung für eine Waffenruhe sei u.a., dass die «Terroristen» die Waffenruhe nicht ausnutzten. (Archivbild)
Beirut - Der syrische Präsident Baschar al-Assad hat sich unter bestimmten Bedingungen zu einer Waffenruhe in dem vom Bürgerkrieg ... mehr lesen
Brüssel/New York - Die EU hat die Kriegsparteien in Syrien aufgefordert, die Bombardierung von Zivilisten im ... mehr lesen 1
Vor weiteren Gesprächen seien Fortschritte bei der Waffenruhe und Hilfslieferungen nötig, sagte de Mistura.
Vor weiteren Gesprächen seien ...
Zusammenkunft momentan nicht möglich  Genf - Die Friedensgespräche für Syrien in Genf werden nach UNO-Angaben frühestens in einigen Wochen wieder aufgenommen werden können. Innerhalb der nächsten zwei bis drei Wochen werde keine neue Gesprächsrunde beginnen, sagte der UNO-Sondergesandte Staffan de Mistura. 
Syrer sollen neuen Präsidenten wählen Moskau - Im Bürgerkriegsland Syrien sollen in spätestens anderthalb Jahren unter UNO-Aufsicht ein neuer Präsident ...
Der syrische Staatschef Baschar al-Assad (links) hat Ende Februar überraschend Parlamentswahlen für den 13. April angesetzt. (Archivbild)
UNO ruft zur Sonderrunde wegen Syrien auf Genf - Die bevorstehende Runde der Syrien-Friedensgespräche soll sich laut ...
G7-Gipfel in Japan  Ise-Shima - Die G7-Staaten haben die Flüchtlingskrise als «globale Herausforderung» anerkannt und weltweites Wirtschaftswachstum als «dringende ...  
G7 wollen Konjunktur ankurbeln Ise-Shima - Kompromiss in Wirtschaftsfragen, Enttäuschung in der Flüchtlingskrise und Streit mit China. Der erste Tag des G7-Gipfels in Japan ...
G7-Staaten beraten über unsichere Lage der Weltwirtschaft Ise-Shima - Mit Beratungen über Gefahren für die Weltwirtschaft haben die Staats- und ...
Titel Forum Teaser
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3934
    Deutschland... ist eines der wenigen Länder, das sich enorm mit der Integration der ... Mi, 25.05.16 13:42
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3934
    Der... Grund für die Misere liegt ganz woanders und ist im Prinzip sehr ... Di, 24.05.16 11:04
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3934
    "Flüchtlingslager-Räumung" Gut für die Einwohner von Idomeni, die nun bald ihr Leben, ihre ... Di, 24.05.16 10:30
  • Kassandra aus Frauenfeld 1760
    Im letzten Moment die Kurve gekriegt! Den Oesterreichern herzlichen Glückwunsch! Unter den Rechten gehts ... Mo, 23.05.16 18:01
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3934
    R. Erdogans... Berater Burhan Kuzu sandte bereits am 10. 5. 2016 eine Drohung gen EU, ... Mo, 23.05.16 17:21
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3934
    In... Syrien gibt es einen Krieg im Krieg. Es herrscht in Syrien schon lange ... Mo, 23.05.16 15:16
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3934
    Das... war nur eine weitere Gelegenheit für Herrn A. Mazyek, sich wichtig zu ... Mo, 23.05.16 14:37
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3934
    Wenn... die Türkei sich nicht an die Abmachungen hält, gibt es keine ... Mo, 23.05.16 11:44
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Wettbewerb
   
Die Alp Grosser Mittelberg im Justistal.
Viel Glück  Die Alpsaison steht vor der Tür. Damit Wanderfreunde den Weg zu den schönsten Alpbeizli finden, haben wir ein Gewinnspiel parat.
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zur Premiere von «The First Avenger: Civil War» verlosen wir zwei Fan-Pakete mit jeweils zwei Kinoeintritten.
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 13°C 26°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter gewitterhaft
Basel 14°C 26°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Gewitter möglich
St. Gallen 13°C 23°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Gewitter möglich
Bern 12°C 25°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Gewitter möglich
Luzern 13°C 25°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter gewitterhaft
Genf 13°C 26°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Gewitter möglich
Lugano 13°C 24°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen Gewitter möglich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten