Ozeane nur mehr Futterfarmen für die Aquakultur-Industrie
Überfischung: Gefahr für marines Ökosystem
publiziert: Dienstag, 22. Feb 2011 / 09:59 Uhr
Bald nicht mehr raus zu holen?
Bald nicht mehr raus zu holen?

Der Fischhunger der Welt bringt die Ozeane immer mehr aus dem Gleichgewicht. Da es der Mensch vor allem auf die grossen Räuber der Meere wie etwa Dorsch, Tunfisch oder Zackenbarsch abgesehen hat, ist deren Bestand drastisch geschwunden.

6 Meldungen im Zusammenhang
«Ihre Beutetiere - wie etwa Sardinen oder Sardellen - profitieren davon, leiden jedoch ebenfalls unter Überfischung. Die Meere verkommen zunehmend zu Farmen der Aquakulturindustrie», berichtet Villy Christensen vom Fischereizentrum der University of British Columbia Ozean ohne Räuber

Christensen analysierte mit seinem Team bisherige Modelle zum marinen Ökosystem sowie tausende Schätzungen zur Fisch-Biomasse seit 1880. Der Bestand der grossen Raubfische dürfte sich im vergangenen Jahrhundert um zwei Drittel verringert haben, so das Ergebnis, wobei der Rückgang der letzten 40 Jahre mit 54 Prozent besonders dramatisch war. Gleichzeitig konnten sich die kleineren Futterfische mehr als verdoppeln. «Auch hier gilt: Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch», so der kanadische Forscher.

Gefährlich ist dieser Wandel, da das Fehlen der höchsten Glieder der Ernährungskette das gesamte System verletzlicher macht. «Das Aussterben des Blauflossen-Tunfisches im Mittelmeer sorgt etwa dafür, dass sich etwa der Tintenfisch ungestört vermehrt. Dieser ernährt sich vor allem von kleinen Fischen und von Fischeiern, womit auch weitere Arten dezimiert werden. Die Zusammenhänge sind sehr komplex», erklärt WWF-Meeresexperte Axel Hein.

Farm statt Wildnis

Doch auch die Bestände vieler kleinerer Fischarten sind von kommerzieller Überfischung betroffen, berichtet Christensen. Die rasant wachsende Aquakulturindustrie ist auf sie als Nahrungsquelle angewiesen. Futterfische werden dabei gefangen, zu Fischmehl oder Fischöl verarbeitet und an karnivore Fische wie etwa Lachs, Garnelen oder Pangasius verfüttert. «Mittlerweile machen Aquakulturen die Hälfte des gesamten Fischkonsums aus. Lachsfarmen sind deshalb meist ein Teil des Problems, nicht dessen Lösung», betont Hein.

Die Bildung artenarmer Wüsten in den Ozeanen lässt sich nur bremsen, wenn der Fischkonsum nachhaltiger wird, ist der Experte überzeugt. «Die beste Wahl beim Fischkauf ist immer der heimische Fisch aus Bio-Zucht, da hier nur zertifiziert nachhaltiges Futter verwendet wird und Transportwege minimal sind», rät Hein. Darüber hinaus lohne sich ein Blick auf Einkaufsratgeber, die Fische aus ihren jeweiligen Herkunftsgebieten nach ihrer Nachhaltigkeit analysieren.

(joge/pte)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Montréal - Die Eisschmelze in der Arktis macht das Nordpolarmeer für die ... mehr lesen
40 Prozent des Eises im Nordpolarmeer sind geschmolzen - kommerzielle Fischerei ist möglich.
Experten für Rückführung nachhaltiger Bestände.
3,2 Mrd. Euro pro Jahr und 100000 ... mehr lesen
Washington - Sie landen auf dem Teller oder werden zu Mehl: Die Bestände vieler ... mehr lesen 1
Das Meer wieder mehr und mehr leergefischt.
Immer öfter auf dem Speiseplan: Frischer Fisch.
Rom - Noch nie waren die Weltmeere ... mehr lesen
Eine Studie des New Ecomonics ... mehr lesen
Fischerboote - «Die EU fischt immer weiter weg von Europa in immer tieferen Regionen. Daher muss die Notbremse gezogen werden, ehe es zu spät ist.»
Weitere Artikel im Zusammenhang
Besonders die beliebten Speisefische wie Kabeljau, Schellfisch und Scholle sind praktisch aus den Meeren verschwunden.
York/Wien - Die Überfischung der ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
-
Publinews Papiliorama  Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt der Tiere und Pflanzen: erleben Sie das bunte Ballett der exotischen Schmetterlinge, welche frei um Sie herumfliegen, die bizzaren Kreaturen der Nacht, die Regenbogentukane und einheimischen Schmetterlinge, die Gliederfüsser mit ihren aussergewöhnlichen Formen und die Wollschweine, welche sich als Landschaftsgärtner betätigen. Das Papiliorama in Kerzers nimmt Sie mit auf eine spannende Entdeckungsreise. mehr lesen  
Medizinische Forschung  Bern - Das Inselspital nimmt mit der ... mehr lesen
Das Berner Inselspital stellt die Proben für mehrere Forschungsprojekte und einem grösseren Forscherkreis zur Verfügung.
Zika wird hauptsächlich durch Mückenstiche verbreitet.
Wegen Zika - Acht Wochen nur geschützt  Genf - Touristen sollen nach ihrer Heimreise aus Zika-Gebieten mindestens acht Wochen ... mehr lesen  
Erhöhtes Osteoporose-Risiko  Trondheim - In den letzten Wochen der Schwangerschaft gehört die Weitergabe von Kalzium an den Fötus zur Förderung der Knochenentwicklung zu den wichtigen Vorgängen. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 5°C 22°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Basel 9°C 24°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt, Regen
St. Gallen 6°C 20°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Bern 6°C 22°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen wechselnd bewölkt, Regen
Luzern 8°C 22°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Genf 9°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen wechselnd bewölkt, Regen
Lugano 13°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, wenig Regen wechselnd bewölkt, Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten