Überraschungs-Coup von John McCain
publiziert: Freitag, 29. Aug 2008 / 15:28 Uhr / aktualisiert: Freitag, 29. Aug 2008 / 23:19 Uhr

Washington/Denver - Zwei Monate vor den Präsidentenwahlen hat in den USA die heisse Phase des Wahlkampfs begonnen. Dabei gelang es am Freitag dem Republikaner John McCain, seinem demokratischen Rivalen Barack Obama die Schau zu stehlen.

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Kaum hatte Obama mit einer umjubelten Rede vor 84'000 Anhängern seinen Anspruch auf das höchste Amt unterstrichen, stellte McCain überraschend die 44 Jahre alte Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, als Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten vor.

Damit wollen die Republikaner erstmals mit einer Frau als Vize ins Weisse Haus einziehen. McCain präsentierte in Dayton in Ohio Palin als prinzipientreue und reformfreudige Politikerin, die ihm helfen werde, mit dem «business as usual» in Washington Schluss zu machen.

Palin, die erst 2006 als erste Frau Gouverneurin Alaskas wurde, sagte: «Ich weiss, dass die Aufgabe mir das Beste abverlangt. Ich verspreche nichts Geringeres.»

Palin soll Frauen mobilisieren

McCain, der am Freitag 72 wurde, überging prominente Anwärter auf das Vizeamt wie den Ex-Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney. Experten werteten Palins Ernennung als Versuch, Wählerinnen - auch enttäuschte Anhängerinnen der Demokratin Hillary Clinton - auf seine Seite zu ziehen.

Ausserdem habe er angesichts seines Alters und der relativen Jugend seines 47-jährigen Rivalen frischen Wind in seinen Wahlkampf bringen wollen. Zudem spreche die stramm konservative Poltikerin auch als lebenslanges Mitglied der mächtigen Waffenlobby NRA Rechtskonservative an, die McCain für zu liberal halten.

Obama und sein Vize-Kandidat Joseph Biden gratulierten Palin zu ihrer Kür. Sie sei ein «bewundernswerter» Mensch und werde den Wahlkampf mit einer «überzeugenden neuen Stimme» bereichern.

Obamas Sprecher Bill Burton kritisierte aber deren mangelnde Erfahrung. Palin sei eine «frühere Bürgermeisterin eines 9000-Einwohner-Ortes ohne jede aussenpolitische Erfahrung», sagte er. Wie McCain setze sie sich gegen Abtreibung und für die Ölindustrie und eine Fortsetzung der verfehlten Wirtschaftspolitik von Präsident George W. Bush ein.

Bush wiederum lobte die Gouverneurin als «wunderbares Beispiel für den amerikanischen Geist». Sie sei eine «bewährte Reformerin» und «weise Verwalterin von Steuergeldern».

Obama wird konkret

Obama hatte bei seiner Rede im Footballstadion von Denver am Donnerstagabend McCain scharf attackiert. Dieser sei Mitläufer der «gescheiterten Politik» Bushs und habe zu 90 Prozent mit dem Präsidenten gestimmt. Scharf kritisierte Obama auch McCains «halsstarrige Weigerung», den Irakkrieg zu beenden.

«Amerika, wir sind besser als diese letzten acht Jahre», rief er den Delegierten zum Abschluss des viertägigen Parteitages zu. Bush warf er auch eine einseitige Politik zugunsten von Reichen und Konzernen vor.

Immer wieder konzentrierte sich der Senator auf den von der Krise bedrohten Mittelstand, auf Arbeitslose, sprach von den steigenden Benzinpreisen und der Immobilienkrise. Im Fall eines Wahlsieges werde er 95 Prozent der Familien steuerlich entlasten. Steuervergünstigungen für Konzerne und Reiche würden gestrichen.

US-Medien lobten, dass sich Obama in seiner Nominierungsrede - im Gegensatz zu früheren, unbestimmten Versprechungen des «Wandels» - auf konkrete Sorgen der Wähler konzentriert habe.

(smw/sda)

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