Ukraine Konflikt
Ukraine ignoriert Waffenruhe
publiziert: Sonntag, 10. Aug 2014 / 18:06 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 10. Aug 2014 / 20:29 Uhr
Ukrainische Armee rückt weiter vor
Ukrainische Armee rückt weiter vor

Donezk - Die Separatisten in der Ostukraine fordern eine Feuerpause. Doch die ukrainische Armee rückt weiter vor und die Gefechte werden härter. Moskau und Kiew sprechen über humanitäre Hilfe, aber das Misstrauen ist gross.

8 Meldungen im Zusammenhang
Trotz einer von Separatisten angebotenen Waffenruhe zog die ukrainische Armee ihren Belagerungsring um Donezk erneut enger. Mit massivem Artilleriefeuer versuchte das Militär, eine strategisch wichtige Versorgungsroute der Aufständischen zum russischen Grenzgebiet abzuschneiden.

Neues «Stalingrad» droht

Für eine Feuerpause müssten die Rebellen zuerst die Waffen niederlegen, sagte ein Armeesprecher. Separatistenführer Alexander Sacharschenko drohte, sollte die Armee einmarschieren, werde «ein Kampf um jede Strasse, jedes Haus und jeden Meter unseres Landes geführt» und Donezk zu einem neuen «Stalingrad».

Bei neuen Gefechten starben mindestens 28 Regierungssoldaten. In Donezk starben drei Männer, die zwischen die Fronten geraten waren. Beim Beschuss eines Spitals wurde eine Frau verletzt.

In Lugansk sollen Hunderttausende seit Tagen ohne Strom und Wasser ausharren. Granatsplitter töteten dort ein sechsjähriges Mädchen, wie die Behörden mitteilten. Sechs weitere Zivilisten wurden verletzt.

Russlands unerwünschte Hilfe

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow sagte, Moskau spreche mit der Ukraine und dem Internationalen Roten Kreuz über Lieferungen etwa von Medikamenten in das krisengeschüttelte Nachbarland. Es gehe vor allem darum, Einvernehmen über die dringende Notwendigkeit von Hilfslieferungen für die Region um Lugansk und Donezk herzustellen, sagte Lawrow.

Die Führung in Kiew und der Westen verdächtigen Moskau, unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe Soldaten zur Unterstützung der Aufständischen entsenden zu wollen. Die Ukraine warnt seit Monaten vor angeblichen Einmarschplänen Russlands.

Provokation bis zum totalen Konflikt

Eine Kolonne von Armeefahrzeugen sei unter der Behauptung, humanitäre Güter zu transportieren, am Wochenende bis fast auf ukrainisches Gebiet vorgedrungen, sagte der Vizechef der Präsidialverwaltung in Kiew, Waleri Tschaly. «Sie wollten den totalen Konflikt provozieren», meinte er. Kremlsprecher Dmitri Peskow wies dies mit Nachdruck zurück.

US-Präsident Barack Obama und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel betonten, «dass jede russische Intervention, auch zu angeblichem humanitären Zweck, (...) zu zusätzlichen Konsequenzen führen würde». Das teilte das Weisse Haus in Washington nach einem Telefonat der beiden Politiker mit.

Merkel sprach auch mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko. Dieser befürwortete die Entsendung eines Hilfskonvois. Die Mission müsse aber von einem internationalen Team ohne militärische Begleitung geführt werden. Es gebe bereits Gespräche mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), hiess es dazu weiter aus seinem Büro.

Maidan geräumt

Um den von Demonstranten besetzten Unabhängigkeitsplatz, den sogenannten Maidan, in Kiew fliesst nach der Beseitigung vieler Barrikaden erstmals seit Monaten wieder weitgehend der Verkehr.

Etwa 500 Arbeiter und 200 Freiwillige sowie Bürgermeister Vitali Klitschko räumten in der Hauptstadt Hindernisse und Abfall beiseite. Einzelne Aktivisten zündeten aus Protest Autoreifen an. Klitschko versicherte, dass das Zeltlager auf dem Maidan nicht geräumt werde.

Nach dem Sturz des prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch im Februar sieht die neue proeuropäische Regierung unter Präsident Poroschenko den Dauerprotest auf dem Maidan als überflüssig an. Allerdings verlangen Hunderte dort versammelte Demonstranten weiter vorgezogene Parlamentswahlen und den Beginn von Reformen.

 

(jz/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Kiew - Der Weg für eine internationale Hilfsmission für die Bevölkerung im umkämpften Osten der Ukraine ist frei. Der ... mehr lesen
Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko telefonierte mit US-Präsident Obama.
Der Belagerungsring um Donezk wird immer enger gezogen. (Archivbild)
Kiew - Ukrainische Regierungseinheiten haben am Montag ihre Angriffe auf die östliche Metropole Donezk mit unverminderter ... mehr lesen
Donezk - Ukrainische Regierungstruppen haben die östliche Rebellenhochburg Donezk am Sonntagmorgen unter heftigen Artilleriebeschuss genommen. Eine AFP-Reporterin hörte vom Stadtzentrum aus mehr als 20 ... mehr lesen
Kiew - Im ostukrainischen Konfliktgebiet bleibt die Lage brisant: Die Ukraine hat Russland erneut eine ernste militärische ... mehr lesen
Kiew stichelt weiter gegen Russland.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Ein russischer Militärkonvoi wollte in die Ukraine eindringen. (Archivbild)
Kiew - Die Ukraine hat am Samstag ... mehr lesen
Bern - Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) begrüsst die Ankündigung des Internationalen ... mehr lesen
Über 50 Mitarbeiter des IKRK sind derzeit in der Ukraine tätig.
Pipeline-Betreiber Transneft warnte die Ukraine vor einem Transit-Stopp. (Symbolbild)
Kiew - In der Ukraine-Krise steht eine weitere Eskalation mit möglichen Folgen für ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 20
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Übung mit 500 Helfern  Mit einem simulierten Attentat im Stade de France ist am Dienstag ein Worst-Case-Szenario für die EM in Frankreich durchgespielt worden. mehr lesen 
Keine unabhängigen Informationen  Beirut - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre Offensive im Norden Syriens am Dienstag fortgesetzt. ... mehr lesen   1
Idlib wurde mindestens sieben Mal aus der Luft angegriffen.
NATO-Generalsekretär hält Rede in Warschau  Warschau - NATO-Generalsekretär Stoltenberg sieht das Bündnis wenige Wochen vor dem ... mehr lesen 1
Die NATO sei weiterhin an einem Dialog mit Russland interessiert.
Titel Forum Teaser
  • Unwichtiger aus Zürich 11
    Grammatik? Wie kann Stoltenberg denn Heute schon wissen, welche Entscheidungen am ... Sa, 22.10.16 10:59
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Der phallophile Blick eines cerebrophoben Schäfleins! Frau Stämpfli schrieb am Ende ... Mo, 26.09.16 17:32
  • keinschaf aus Wladiwostok 2823
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) ist in diesen Tagen an allen anderen Fornten unter Druck. ... Mi, 01.06.16 12:39
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich -4°C 4°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
Basel -2°C 4°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt recht sonnig
St. Gallen -1°C 3°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Bern -4°C 3°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt
Luzern -1°C 4°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt bedeckt
Genf -3°C 6°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
Lugano 5°C 13°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten