Umdenken in der Schweizer Hotellerie
publiziert: Dienstag, 5. Aug 2003 / 07:35 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 6. Aug 2003 / 09:51 Uhr

Bern - Die Hotellerie-Branche wird umdenken müssen, wenn sie nicht noch tiefer in die Krise rutschen will. Die Hotels werden besser auf die Ansprüche der Kunden eingehen und sich eine vertiefte Zusammenarbeit überlegen müssen.

Grösser und Heller, sieht so die Zukunft der Schweizer Hotellerie aus?
Grösser und Heller, sieht so die Zukunft der Schweizer Hotellerie aus?
Ein schlecht angepasstes Angebot, eisiger Empfang der Gäste, Überkapazität: So heissen die am meisten gehörten Vorwürfe an die Adresse der Schweizer Hotellerie.

Experten gehen davon aus, dass die Zahl der gegenwärtig 5700 Hotels in den nächsten Jahren um etwa 1000 zurückgehen wird.

Zuviele Kleinhotels

Die Schweiz, die 260 000 Hotelbetten anbietet und im letzten Jahr 66 Millionen Hotelübernachtungen registriert hat, kämpft vorab mit strukturellen Problemen.

"Es gibt zuviele kleingewerblich organisierte Einzelkämpfer, wie sie damals, beim Hotelboom vor 150 Jahren, gefragt waren", sagte Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus", kürzlich in einem Interview mit dem "TagesAnzeiger".

Schmid hielt aber gleichzeitig fest, dass das absehbare Verschwinden von etwa 1000 Hotels nicht heissen wolle, dass parallel dazu auch die Zahl der Hotelbetten proportional sinken werde. Es werde zwar weniger, dafür aber grössere Hotels geben.

Zuwenig Kapital

Etwa zwei Drittel der Schweizer Hotels haben 20 Zimmer oder weniger. Laurence Gabriel, Sprecherin von Schweiz Tourismus, hält diese Zahl für unzureichend, um rentabel arbeiten zu können.

"Dazu kommt, dass diese Hotels zuwenig effizient geführt werden und über zuwenig Kapital verfügen, um notwendige Erneuerungen sowie Marketingausgaben finanzieren zu können", sagte sie gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Diese Auffassung wird von Christian Rey, Präsident des Verbandes hotelleriesuisse, nicht vollständig geteilt.

Seiner Ansicht nach würde eine reduzierte Kapazität, also weniger Hotels, die Probleme der schweizerischen Hotellerie kaum aus dem Weg räumen. Er sieht die Lösungsansätze eher in einer besseren Berücksichtigung der unterdessen geänderten Kundenwünsche.

Nischenangebote

"Unsere Hoteliers müssen verstärkt den Kontakt suchen, müssen sich die Wünsche und Ansprüche der Gäste richtig anhören und entsprechend darauf reagieren", sagte Rey weiter. Möglichkeiten ortet er auch bei Nischenangeboten wie Wellness, Wandern, Velo usw.

"Der Gast will Spass haben und sich wohl fühlen", fügte er hinzu.

"Die Zukunft liegt in einer Spezialisierung auf Nischenangebote", ist auch Schweiz Tourismus-Sprecherin Gabriel überzeugt: "Ein Hotel kann nicht Alles anbieten. Es muss sich deshalb auf ein ganz bestimmtes Angebot konzentrieren und dieses so gut wie möglich ausgestalten."

Tiefere Kosten

Laut hotelleriesuisse müssen sich die meisten Hotels um eine verstärkte Zusammenarbeit bemühen. Diese könne in einem gemeinsamen Einkauf, in einer Kollektivwäscherei oder etwa in einem gemeinsamen Kinderhütedienst ausgestaltet werden.

Auch der Wechsel des juristischen Status, d.h. der Wechsel vom Familienunternehmen zur Aktiengesellschaft, könnte vermehrte Bewegungsfreiheit bringen. "Bei all diesen Massnahmen geht es um Kostensenkungen", fasst Rey zusammen.

Er weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Schweizer Hoteliers für elektrische Energie 45 Prozent mehr bezahlen als ihre Kollegen in den europäischen Nachbarländern. Zudem liege das Lohnniveau um mehr als 30 Prozent über dem europäischen Durchschnitt.

Familienbetriebe mit schlechten Karten

Laut Schweiz Tourismus müssen sich die mittelgrossen Schweizer Hotels an drei Vorgaben halten, wenn sie längerfristig überleben wollen: Jedes Hotel muss an ein internationales Reservierungssystem angeschlossen sein; es muss in den Katalogen der ausländischen Reiseveranstalter aufgeführt sein; es muss mit einer internationalen Hotelkette zusammenarbeiten.

Wenig Chancen räumt Schweiz Tourismus dagegen den kleinen Familienunternehmen ein. Der Grossteil der Hotels, die in den nächsten Jahren wegen mangelnder Rentabilität aufgeben müssen, sei in dieser Kategorie zu suchen. In der heutigen Hotellerie hätten Familienbetriebe kaum mehr Überlebenschancen, meint Schweiz Tourismus.

(Bastien Buss/sda)

 
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