Zur Erkennung des Down-Syndroms
Umstrittener Bluttest auf dem Markt
publiziert: Montag, 20. Aug 2012 / 14:48 Uhr / aktualisiert: Montag, 20. Aug 2012 / 15:40 Uhr
Nun kann in der Schweiz ein Bluttest durchgeführt werden, um das Down-Syndrom bei Ungeborenen zu erkennen.
Nun kann in der Schweiz ein Bluttest durchgeführt werden, um das Down-Syndrom bei Ungeborenen zu erkennen.

Bern - Der umstrittene Bluttest zur Erkennung des Down-Syndroms bei Ungeborenen ist seit Montag in der Schweiz auf dem Markt. Dies teilte der deutsche «PraenaTest»-Hersteller LifeCodexx in Konstanz mit. In Schweizer Spitälern ist kein Run auf den Test feststellbar.

4 Meldungen im Zusammenhang
Beim Universitätsspital Zürich hätten sich Schwangere seit längerer Zeit regelmässig nach dem Test erkundigt, sagte ein Sprecher des Spitals auf Anfrage.

Im Universitätsspital gehe man davon aus, den Test künftig etwa vier mal pro Woche durchzuführen. Bei einer Testphase im Juli hat das Universitätsspital acht Frauen Blut für den Test abgenommen.

In der Basler Frauenklinik wird der Bluttest bereits seit Juli angeboten. Ein Andrang sei nicht zu verzeichnen, sagte eine Sprecherin. Dem Berner Inselspital lagen insgesamt fünf Anfragen vor.

Zuerst Screening

Durchgeführt wird der Trisomietest erst nach dem Ersttrimester-Screening. Beim Screening werden Risikofaktoren abgeklärt. Dazu zählen unter anderen das Alter der Frau (über 35 Jahre) oder ein auffälliger Ultraschallbefund.

Erst nach einer eingehenden Beratung - nach dem Screening - wird dann allenfalls der Trisomietest durchgeführt. Zeigt der Trisomietest an, dass beim Ungeborenen das Down-Syndrom vorhanden ist, kann die werdende Mutter noch eine Chorionzottenbiopsie oder eine Fruchtwasseruntersuchung machen lassen. Diese ergeben sichere Resultate und sind seit Jahrzehnten möglich. Allerdings besteht bei diesen Eingriffen ein Abort-Risiko. Es liegt bei 1 Prozent.

Test für Risikogruppen

Anders als bei der herkömmlichen Fruchtwasser-Punktion analysiert der «PraenaTest» die DNA des Fötus, die sich im Blut der Mutter befindet. Eine Zulassung als Heilmitteil ist gemäss dem Schweizer Heilmittelinstitut swissmedic nicht notwendig, da es sich beim Test nicht um ein Medikament handelt.

Der Bluttest ist für dieselben Frauen bestimmt, denen heute schon von ärztlicher Seite zu einer Abklärung des Trisomie-21-Risikos geraten wird. Der Chromosomen-Fehler Trisomie 21 führt zu geistigen Behinderungen und körperlichen Auffälligkeiten.

Der «PraenaTest» kostet 1500 Franken. Die Kosten werden von der Krankenkasse nicht übernommen. Mit dem «Praena-Test» kann nur eine Trisomie 21 erkannt werden. Für alle anderen Anomalien braucht es fötale Zellen.

Behindertenverbände stehen dem Test kritisch gegenüber. Sie befürchten, dass der Druck auf Schwangere steigt, sich testen zu lassen und bei entsprechenden Testergebnissen die Schwangerschaft abzubrechen. Sie fordern auch eine gesellschaftspolitische Diskussion über die Definition von lebenswertem Leben. Auch Medizinethiker fragen sich, wer zu welchem Zeitpunkt welche genetischen Informationen erhalten dürfe.

(bg/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Säugling mit Down-Syndrom (Trisomie 21).
Worcester - Hoffnungen, dass die ... mehr lesen
Dschungelbuch Am Wochenende machten die kantonalen Polizeidirektionen Schlagzeilen, weil sie für DNA-Tests für Asylbewerber votierten. Am Montag wurde der Bluttest zur frühen Erkennung des Down-Syndroms bei Ungeborenen in der Schweiz auf den Markt geworfen. Am 10. August stellte das US-amerikanische Justizministerium fest, dass es keine juristische Grundlage gäbe, weiter gegen die in Bankenkreisen bekannte «Krake» zu ermitteln. mehr lesen  4
Bern - Künftig soll es bei der künstlichen Befruchtung erlaubt sein, Embryonen ... mehr lesen
Die Embryonen sollen mehr untersucht werden dürfen.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Das Berner Inselspital stellt die Proben für mehrere Forschungsprojekte und einem grösseren Forscherkreis zur Verfügung.
Das Berner Inselspital stellt die Proben für mehrere ...
Medizinische Forschung  Bern - Das Inselspital nimmt mit der «Liquid Biobank Bern» das derzeit modernste Tiefkühllager für Blut und andere flüssige Bioproben in der Schweiz in Betrieb. Die Biobank soll zur wichtigen Forschungsressource für massgeschneiderte Medizin werden. mehr lesen 
Sorge bereite die Zunahme der Todesfälle wegen Überdosierungen in einigen Ländern.
98 neue, unbekannte und künstliche Rauschmittel  Lissabon - Immer mehr neue Rauschmittel halten Einzug in Europa. Der europäische Drogenmarkt sei «nach wie vor robust», teilte die ... mehr lesen  
Erhöhtes Osteoporose-Risiko  Trondheim - In den letzten Wochen der Schwangerschaft gehört die Weitergabe von Kalzium an den Fötus ... mehr lesen  
Die Knochendichte eines Frühchens ist geringer.
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 8°C 19°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich Wolkenfelder, kaum Regen
Basel 9°C 20°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich Wolkenfelder, kaum Regen
St. Gallen 10°C 15°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig Wolkenfelder, kaum Regen
Bern 7°C 19°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig Wolkenfelder, kaum Regen
Luzern 8°C 19°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Genf 8°C 19°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig wechselnd bewölkt
Lugano 15°C 18°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten