Umsturz «Sanft wie Seide»
publiziert: Donnerstag, 21. Sep 2006 / 23:00 Uhr / aktualisiert: Freitag, 22. Sep 2006 / 08:32 Uhr

Bangkok - Kein einziger Schuss fiel, als die Truppen der Putschisten in Bangkok einrückten, kein Widerstand stellte sich ihnen entgegen. Am Tag nach dem Umsturz in Thailand verteilten die Menschen Blumen an die Soldaten.

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Während die Weltgemeinschaft mit grossen Sorgenfalten auf die Geschehnisse im Königreich blickt, scheinen die Thailänder die neuen Machthaber in Uniform willkommen zu heissen.

Beobachter reiben sich die Augen und fragen: Wo sind die Anhänger des gestürzten Regierungschefs Thaksin Shinawatra? Die drei vergangenen Parlamentswahlen hatte die Thai-Rak-Thai (TRT/Thais lieben Thais)-Partei des Ex-Premiers deutlich gewonnen, vor allem dank der Stimmen der Armen auf dem Lande.

«Wer in Thailand Geld hat, ist populär, und Thaksin hat viel Geld verteilt», erläutert Kraisak Choonhavan, ein früherer Senator und Sohn eines Regierungschefs, der bei den Armen ähnlich populär war wie der schwerreiche Selfmademan Thaksin. «Die Beliebtheit meines Vaters gründete auf der Tatsache, dass er die Leute bezahlte, die für ihn auf die Strasse gingen. Bei Thaksin war es nicht anders.»

Massenproteste gegen Premier

Statt, wie in Thailand früher üblich, durch Stimmenkäufe, gewann sie Thaksin durch populistische und kostspielige Programme wie etwa eine subventionierte Gesundheitsversorgung. Laut einer Erhebung der Suan-Dusit-Rajabhat-Universität begrüssen jetzt aber in den Provinzen ausserhalb Bangkoks 86 Prozent der Menschen den Putsch.

Die wochenlangen Massenproteste in Bangkok gegen den Regierungschef Anfang des Jahres mögen beigetragen dazu haben, dass sein Stern sank. Zu viel wurde während der Demonstrationen über dubiose Geschäfte und fragwürdige Regierungspolitik öffentlich.

«Viele Menschen im armen Nordosten unterstützen Thai Rak Thai noch immer, aber sie finden, Thaksin hätte abtreten sollen», sagt TRT-Anhänger Paiboon Paengsoi aus der Provinz Khon Kaen.

König sympathisiert mit Putschisten

Und da ist noch König Bhumibol Adulyadej, die einzige unbestrittene Autorität des Landes, von den Thailändern fast verehrt wie ein Gott. Als er am Mittwoch die Militärregierung billigte, war klar, dass Thaksin politisch am Ende ist. Auf die Frage, wie die erstaunliche Zustimmung der Menschen zum Putsch zu erklären ist, sagt das ranghohe TRT-Mitglied und Ex-Regierungssprecher Jakrapob Penkair nur knapp: «In Thailand dreht sich eben alles um den König.»

15 Putsche in 30 Jahren

Thaksins Popularitätsschwund auf dem Lande und die offenbare Sympathie des Monarchen für die Putschisten sind wohl die Hauptgründe, dass Bangkok ein Blutbad während des Umsturzes erspart blieb.

«Ich habe in 30 Jahren selbst 15 Putsche erlebt, und das war der leichteste», sagt der Schweizer Luzi Matzig, Chef einer Reiseagentur. «Das war ein Umsturz der Sorte 'Sanft wie Seide'», scherzt er in Anlehnung an ein Werbemotto von Thai Airways.

(von Frank Brandmaier und Peter Janssen, dpa/sda)

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