Umweltschäden in China so gross wie Wachstum
publiziert: Dienstag, 14. Mrz 2006 / 11:28 Uhr / aktualisiert: Montag, 17. Apr 2006 / 11:09 Uhr

Peking - Das Wirtschaftswunder in China zerstört heute schon soviel wie die Wirtschaft jährlich wächst. Vorsichtige Schätzungen beziffern die Umweltschäden auf 8 bis 12 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Dem soll jetzt entgegen gewirkt werden.

In chinesischen Grossstädten ist Smog an der Tagesordnung. Bild: Hangzhou unter Dunstglocke.
In chinesischen Grossstädten ist Smog an der Tagesordnung. Bild: Hangzhou unter Dunstglocke.
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Die Ziele sind ehrgeizig. Der Energieverbrauch gemessen an der Wirtschaftsleistung soll bis 2010 um 20 Prozent verringert werden, der Ausstoss von Schadstoffen um zehn Prozent fallen. Diese Vorgaben stehen im neuen Fünf-Jahres-Plan. Bei einem Wirtschaftswachstum von jährlich 7 bis 9 Prozent weiss Regierungschef Wen Jiabao, dass es «schwierig» wird, das hoch gesteckte Ziel zu erfüllen. Der Energieverbrauch lag im letzten Plan um 27 Prozent über dem vorgeschriebenen Niveau. Die alte Vorgabe für Schadstoffe wurde auch schon nicht erreicht.

Am stärksten verschmutzte Städte

Im oft blinden Streben nach Wachstum sinkt die Lebensqualität. Im Umweltindex der Universitäten Yale und Columbia rangiert China auf Platz 94 unter 133 Staaten - gemessen an 16 Indikatoren, von Luftqualität über Kindersterblichkeit bis zum Kohlendioxidausstoss.

16 der 20 Städte weltweit mit der schlimmsten Luftverschmutzung sind in China zu finden. Die Stickstoff- und Schwefeldioxid-Werte liegen in 80 Prozent der Städte über den zulässigen Grenzwerten der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Die Folgen derart hoher Belastungswerte auf die olympischen Sommerspiele von 2008 sind derzeit noch völlig offen. Ein ausländischer Geschäftsmann, der seit Jahren in Peking lebt, scherzte jüngst, olympische Staffelläufer könnten statt Stab «vielleicht eine kleine Sauerstoff-Flasche» weiterreichen.

Sehr schlechte Luft

Misstrauisch beklagen Pekinger auch, dass häufig abends nach Anbruch der Dunkelheit plötzlich ein stinkender Smog in den Strassen hängt. Sie verdächtigen Fabriken, noch einmal kräftig ihren Dreck abzulassen, sobald die Umweltbehörde im Feierabend ist.

Zwei Drittel der städtischen Gebiete, in denen immerhin rund 500 Millionen Menschen leben, leiden unter «schlechter oder sehr schlechter Luft», berichtete das Umweltministerium.

Eine chinesische Studie geht von 400 000 vorzeitigen Todesfällen im Jahr durch Krankheiten aus, die durch Luftverschmutzung ausgelöst werden. Die WHO schätzte 250 000.

Weniger Sonne

US-Forscher stellten einen dramatischen Rückgang der Sonneneinstrahlung in China in den vergangenen 50 Jahren fest, obwohl die Wolkendecke insgesamt zurückgegangen ist.

Die Experten des Pacific Northwest National Laboratory des US-Energieministeriums vermuten einen Zusammenhang mit dem neunfachen Anstieg der Emissionen fossiler Brennstoffe seit den 50er Jahren.

Einsichtig aber machtlos

China ist der grösste Kohleverbraucher der Welt und - nach den USA - der zweitgrösste Kohlendioxidproduzent. Saurer Regen fällt auf einem Drittel Chinas. Das Wasser in drei Viertel der sieben wichtigsten Flüsse Chinas ist nicht mehr zum menschlichen Verbrauch geeignet. Nur 7,5 Prozent der Frischwasserseen und künstlichen Wasserreservoirs erreichen akzeptable Standards.

«Wohlstand auf Kosten der Umwelt ist sehr oberflächlich und steht auf schwachen Füssen», warnt Umweltminister Zhou Shengxian. «Es verschiebt nur die Katastrophe.» Doch wie ernst der Umweltschutz in China genommen wird, zeigt sich auch schon daran, dass sein Ministerium als eines der machtlosesten Häuser im chinesischen Regierungsapparat gilt.

(fest/sda)

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