Un-Verträglich?
publiziert: Montag, 4. Jun 2012 / 10:40 Uhr / aktualisiert: Montag, 4. Jun 2012 / 18:44 Uhr
Parlamentsabstimmung über Staatsvertrag: Nach Annahme noch schnell vors Volk?
Parlamentsabstimmung über Staatsvertrag: Nach Annahme noch schnell vors Volk?

Kann Konfitüre mit Staatsverträgen verglichen werden? Diese Frage, die bisher noch niemand gestellt hat, sollte bei der anstehenden Abstimmung über die AUNS-Vorlage durchaus auch berücksichtigt werden.

1 Meldung im Zusammenhang
Über wichtige Staatsverträge abzustimmen scheint ja eine hehre Forderung zu sein, die da von der AUNS gestellt wird. Um dies rüber zu bringen, werden auch wieder massenhaft Plakate geklebt, die wenigstens nicht die Stürmer-Ästhetik derjenigen der Schwester-Organisation SVP eigen haben.

Nun stehen viele Leute der Initiative ablehnend gegenüber, weil es sich um eine der AUNS handelt. Doch dies ist ein Fehler, denn es wird über einen Text abgestimmt, nicht über eine Organisation. Wer dagegen ist, muss also bessere Argumente und Einwände haben.

Denn an sich ist die Idee, in einer direkten Demokratie über «wichtige» Staatsverträge abstimmen zu können, durchaus sympathisch und nicht von vorne herein zu verwerfen.

Sollen wir dies also auch können? Der Haken mit der Initiative ist als erstes mal, dass nicht klar ist, um welche Staatsverträge es konkret geht. Denn in der Initiative werden zwei Kriterien genannt. Das erste Kriterium, das gleich zwei mal vorkommt, ist «wichtige Bereiche».

Wissen Sie genau, was ein wichtiger Bereich ist? Ich bin sicher, dass dies der Fall ist. Genau so wie der Autor und sein Nachbar genau wissen, was für sie wichtig ist. Blöderweise dürfte unser vermeintliches Wissen darüber nicht deckungsgleich sein. Der Begriff «wichtig» enthält genug Gummi, um die gesamte Schweizer Lastwagenflotte zu Bereifen und würde in der Folge zu endlosen Diskussionen führen, ob dieser oder jener Vertrag nun «wichtig» oder «nicht wichtig» sei, wobei die Initianten bei einem Sieg immer den Volkswillen anführen könnten, egal wie nebulös dieser auch formuliert ist. Rechtssicherheit sieht anders aus.

Das zweite Kriterium ist dagegen wesentlich griffiger: «...einmalige Ausgaben von mehr als 1 Milliarde Franken oder neue wiederkehrende Ausgaben von mehr als 100 Millionen Franken...» sind klar verständlich. Doch auch hier besteht wieder ein Haken. Bedenkt man, dass dieser Artikel in die Verfassung geschrieben und womöglich über Jahrzehnte hinweg bestehen würde, sind feste Summen absurd.

Weshalb? Im Jahr 1975 betrugen die gesamten Bundesausgaben zum Beispiel 13.5 Milliarden Franken, dreissig Jahre später, 2005, war die Rechnung bereits auf 51,4 Milliarden, beinahe das Vierfache, angeschwollen. Eine Milliarde 1975 wäre eine ungeheuerliche Mehrbelastung von 7.3% des Bundesbudgets gewesen, während diese 2005 nur noch 1,9% der Ausgaben ausgemacht hätte. Im Jahr 2040 wird eine Milliarde Franken vermutlich ganz anders tönen als heute. Ein bestimmter Prozentsatz am BIP oder Bundeshaushalt wäre ein wesentlich nützlicherer Massstab als diese konkreten Summen, die dazu führen würden, dass über die Jahrzehnte hinweg automatisch über immer mehr Vorlagen abgestimmt werden müsste.

Doch kommen wir noch zur Konfitüre. Auch wenn wir persönlich das Gefühl haben, dass mehr Auswahl immer besser ist, so haben Studien bei Konsumenten gezeigt, dass sie wesentlich zufriedener waren, wenn sie nur aus 5 Sorten Konfitüre auswählen konnten als bei einem Angebot von 20 Sorten. Mehr Wahlmöglichkeiten machen also nicht unbedingt zufriedener - der Trick ist, die Richtige Auswahl zu bekommen. Der Autor bezweifelt die Tauglichkeit der Initiative, diese zu gewährleisten.

Etwas mehr Mitbestimmung wäre durchaus eine gute Sache. Doch der Initiativ-Text will lieber gut tönen, als einer Sache dienen. Populäre Gummi-Begriffe und feste Geldsummen - egal ob die Vorschläge von links oder von rechts kommen - gehören einfach nicht in die Verfassung und sind mit einem vernünftigen Staatswesen ziemlich unverträglich.

(Patrik Etschmayer/news.ch)

?
Facebook
SMS
SMS
1
Forum
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Schlecht für die Wirtschaft, ohne Mehrwert für die Demokratie und zu teuren Leerläufen führend: Diese schlechten Eigenschaften hat die AUNS-Initiative «Staatsverträge vors Volk» nach Ansicht der Wirtschaftsverbände. Am Freitag warben sie für ein Nein am 17. Juni. mehr lesen  1
Wichtig.
Staatsverträge sind immer wichtig. Anderenfalls kann man von Anfang an auf sie verzichten.

In diesem Sinne ist klar, was "wichtig" meint.
Sie können sicher sein, dass es nicht zu Diskussionen darüber kommen würde. Denn wenn jemand einen derartigen Vertrag NICHT dem Volk vorlegen wollte, mit der Begründung, es handle sich nicht um einen "wichtigen Bereich", dann müsste er sich die quälende Frage gefallen lassen, was unsere Regierung und deren Vertreter denn eigentlich so alles für Verträge aushandeln und ... unterschreiben. ;-)

In Punkt 2 muss ich Ihnen Recht geben. ABER:

Ist es nicht gerade ein Widerspruch zu Punkt 1? Dort bemängeln Sie die Ungenauigkeit des Textes, weil mit dem Wort "wichtig" ein grosser Interpretationsspielraum gegeben sei. Bei Punkt 2, der Ausgabenhöhe, haben sich die Initianten offenbar GENAUER ausdrücken wollen. Was, wie Sie sehen, auch zu Problemen führt.

Was hätten Sie zu Punkt 2 gesagt, wenn der Initiativtext folgendermassen gelautet hätte:

"...einmalige Ausgaben in MASSGEBLICHER Höhe... "

?
Man kann es nie Recht machen. Entweder, man ist zu ungenau, oder dann wieder zu genau.
Darstellung aus der Ostschweiz des Jahres 1817: Gras essen, nur um den Magen zu füllen.
Darstellung aus der Ostschweiz des ...
Auf Naturkatastrophen vorbereiten?  Ein Big Bang, der nicht das Universum startete, aber viele Leben beendete, war jener von 1815, als der Vulkan Tambora über 2000 Kilometer weit hörbar explodierte und dafür sorgte, dass die Menschen in Europa im darauffolgenden Jahr in der Ostschweiz Gras essen mussten und weltweit Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende an Hunger starben. Und warum das relevant ist? Weil es jederzeit wieder passieren könnte. 
Die intellektuelle Speerspitze der Schweizer Publizistik, die «Schweizerzeit» des Alt-SVP-Nationalrats Ulrich Schlüer, hat vor einer Woche eine Liste der «Feinde der freien Schweiz» veröffentlicht. Dass diese Liste unter den Vaterlandslosen dieses Landes einiges an Aufregung ausgelöst hat, ist klar, wurden diese doch durch Lic. Phil. Schlüer gnadenlos entlarvt! mehr lesen  
Seit einer Woche befindet sich die Öffentlichkeit in einem Schockzustand ob der Germanwings-Katastrophe in den französischen Alpen. Das Rätsel um die mutmassliche Wahnsinnstat des ... mehr lesen  
Dignes-Les-Bains - Ort der vergeblichen Suche nach der letztgültigen Wahrheit.
Copilot informierte Lufthansa über schwere Depression Frankfurt/Main - Der Copilot der abgestürzten Germanwings-Maschine hat die Lufthansa bereits im ...
Die Lufthansa wusste Bescheid.
Typisch Schweiz Monteverdi Es gab mal eine Zeit, da hatte die Schweiz auch eine eigene Edel-Automarke: ...
Shopping Albert Einstein - Solarfigur und Lichtgestalt Er ist der erste Superstar der modernen Wissenschaft. Albert Einstein revolutionierte mit seiner Relativitätstheorie das Verständnis von Raum und Zeit. 1999 ...
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Nein, hier werden keine Vierlinge, hier werden Rinder erzeugt...
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
Darstellung aus der Ostschweiz des Jahres 1817: Gras essen, nur um den Magen zu füllen.
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Dalai Lama: Marxist und dereinst weiblich reinkarniert? Tenzin Gyatso erstaunt mit seinen Aussagen.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Wicca-Altar: Dank Gouverneur Pence's Gesetz bald nächtliche Nackttänzer in Indianas Parks statt nur harmlose Altare?
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
SA SO MO DI MI DO
Zürich 4°C 6°C bewölkt, Regen sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos
Basel 4°C 9°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
St.Gallen 4°C 9°C bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Bern 8°C 12°C bewölkt, Regen leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Luzern 7°C 12°C bewölkt, Regen sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos
Genf 10°C 16°C bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Lugano 9°C 19°C leicht bewölkt, Regen leicht bewölkt, Regen leicht bewölkt, Regen leicht bewölkt, Regen leicht bewölkt, Regen
mehr Wetter von über 6000 Orten