Unbeirrbare harren in New Orleans aus
publiziert: Montag, 1. Sep 2008 / 16:07 Uhr / aktualisiert: Montag, 1. Sep 2008 / 16:35 Uhr

New Orleans - Die Ausfallstrassen aus New Orleans sind verstopft, die Autos stehen Stossstange an Stossstange. Jack Bosma jedoch lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.

Erste Ausläufer von «Gustav» erreichen Lousiana.
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«Ich mach' meine Fensterläden dicht, aber dann werde ich erstmal einen heben», sagt er bedächtig. Dann serviert er den Nachbarn auf seiner Veranda Gumbo, einen an der US-Golfküste beliebten Meeresfrüchte-Eintopf.

Bosma und seine Nachbarn im Garden District von New Orleans gehören zu den Unbeirrbaren, die sich allen dramatischen Appellen und Warnungen zum Trotz nicht aus ihrer Stadt vertreiben lassen und den Hurrikan «Gustav» in ihren Häusern aussitzen wollen.

Wie beim Karneval

Die ersten heftigen Regenfälle der Ausläufer von «Gustav» gehen am Sonntagabend bereits über der Metropole nieder, während rund ein Dutzend Gäste in «Johnny White's Bar» an der berühmten Bourbon Street im French Quarter trinken und feiern, als gäbe es kein Morgen.

Schon während des verheerenden Hurrikans «Katrina» vor drei Jahren hatte die Bar sich geweigert, zu schliessen. Und auch diesmal serviert Kellnerin Stephanie Blake unbeirrt Drinks. «Alle Gäste waren gut gelaunt und positiv. Es war wie beim Karneval», zieht sie die Bilanz des Tages. Kundin Chelsea Leighton gibt sich derweil fatalistisch, als sie in einer Ecke der Bar Münzen in einen Geldspielautomaten wirft: «Ich glaube, ich werde sterben - also kann ich genauso gut mein Geld verspielen, denn es ist sowieso zu nichts mehr nütze.»

Auch der Strip-Club «Larry Flint's Hustler Club» hält für die Kunden weiter die Türen offen. «Ich will den Leuten zeigen, dass es nicht der Weltuntergang ist, wie alle sagen», sagt Manager John Olmstead.

«Eine sehr schlechte Idee»

Solche Parolen lassen Louisianas Vize-Gouverneur Mitch Landrieu nur den Kopf schütteln. «Das Problem ist, dass manche Leute offenbar nicht zuhören, oder sie hören zu und bleiben trotzdem», sagt er. Doch eins müsse klar sein: «Es ist eine sehr schlechte Idee, in seinem Haus zu bleiben.»

New Orleans Bürgermeister Ray Nagin hatte die Zwangsevakuierung der Stadt im Vorfeld des «Sturms des Jahrhunderts» angeordnet. 327'000 Einwohner folgten nach seinen Worten bis Sonntagabend dem Aufruf, schätzungsweise 10'000 Menschen entschieden sich zum Bleiben.

«Sie gehen mit ihren Hunden spazieren und haben nicht vor zu gehen», beschreibt er. «Die meisten sind vermögende Leute: Sie haben Generatoren, Sicherheit, Schusswaffen. Gott schütze sie.»

Waffenläden berichten von einem Kundenansturm, weil viele Kunden sich offenbar für eine ähnliche Zeit der Gesetzlosigkeit wie nach dem Hurrikan «Katrina» wappnen, als niemand mehr in den Strassen von New Orleans für Recht und Ordnung sorgte und Verbrecher plünderten und mordeten.

Latinos verstecken sich

Am Bus- und Zugdepot von New Orleans macht sich Evakuierungshelfer Lucas Diaz derweil Sorgen angesichts der geringen Zahlen von Latinos, die die öffentlichen Evakuierungstransporte genutzt haben.

«Viele Latinos haben Angst, in Notunterkünfte zu gehen. Sie fürchten, dass sie den Einwanderungsbehörden übergeben werden könnten», sagt er. Viele hätten sich deshalb vermutlich in New Orleans versteckt und warteten dort den Sturm ab.

Der letzte Evakuierungszug verlässt New Orleans am Sonntagabend um halb sechs, die letzten Busse sind da bereits abgefahren. Bürgermeister Nagin will im Rathaus der Stadt ausharren, notfalls auf Luftmatratzen.

(von Glenn Chapman, AFP/sda)

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