Und nach der Soforthilfe?
publiziert: Montag, 3. Jan 2005 / 13:51 Uhr / aktualisiert: Montag, 3. Jan 2005 / 14:39 Uhr

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In den Flutgebieten ist die Soforthilfe recht erfolgreich angerollt. Dies ist, angesichts der Grösse der Aufgabe, bemerkenswert. Die Nagelprobe wird aber erst kommen, wenn das grösste Leid gelindert, die unmittelbaren Gefahren gebannt sind.

Denn dann werden sich wieder die Fragen nach den grundsätzlichen Problemen dieser hart getroffenen Region stellen. Bürgerkriege in Indonesien und Sri Lanka. Soziale Probleme in Thailand und wachsende wirtschaftliche Gegensätze in Indien.

Die wenigsten Konsequenzen wird die Flut vermutlich in Indien haben, gerade weil Indien wirtschaftlich mittlerweile stark genug ist, sich selber von den Folgen zu erholen und der Schaden im Bezug auf die Milliarden-Nation sehr gering war. Allein das menschliche Leid wird hier Konsequenzen zeitigen können. Die Beteiligung an einem Tsunami-Warn-System im indischen Ozean zum Beispiel.

Auch in Thailand wird man sich mit grosser Sicherheit an einem solchen Warn-System beteiligen. Dies wird nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen passieren. Denn Thailand wird auch in Zukunft zu einem guten Teil auf den Tourismus als Geldbringer setzen. Da wird es dann ein gutes Argument sein, seinen Gästen zumindest die Illusion der Sicherheit vor einer weiteren solchen Katastrophe zu bieten.

Auch Indonesien hat schon angekündigt, sich ein solches Warnsystem auf zu bauen. Dass die am härtesten getroffene Provinz dieses Inselstaates ausgerechnet Aceh war, könnte allerdings weiteres Übel in sich bergen. Denn das vorwiegend christliche Aceh strebt nach Unabhängigkeit vom islamischen Staat, Bestrebungen, die von der Zentralregierung militärisch bekämpft werden.

Die Region wurde erst nach einigem Zögern den ausländischen Helfern geöffnet, da die Regierung scheinbar ihre Militäroperationen nicht unterbrechen wollte. Dass ein solches Handeln womöglich Tausende unschuldiger Leben gefährdete, schien die Mächtigen in Djakarta nicht zu beeindrucken. Dies könnte für die Zeit nach der ersten Hilfe übles verheissen. Nichts spricht dagegen, dass das Militär das Gebiet sobald wie möglich wieder abriegelt.

Zudem besteht die Gefahr, dass religiöse Fanatiker die Tatsache, dass die christliche Provinz so vernichtend getroffen wurde, als göttliches Zeichen werten und so eine noch härtere Linie statt Versöhnung fordern. 2003 wurde für diese Militäroperationen fast eine Milliarde Franken ausgegeben – eine Summe, mit der ein ganzes Warnsystem eingerichtet werden könnte. Dies ist auch ein Indiz dafür, dass hier noch einiges an Problemen wartet.

Anders auf Sri Lanka: Seit 2002 wird hier zwischen den Singhalesen und den Tamilen verhandelt. Beide Volksgruppen wurden durch die Katastrophe ähnlich getroffen. Wenn nun im Wiederaufbau eine Kooperation stattfindet, könnte dies sogar dabei helfen, Hindernisse aus dem Weg zu räumen und den Frieden schneller zu schaffen.

Die Katastrophe könnte auch über die Nationen hinausgehende Konsequenzen haben. Momentan werden die Beziehungen in der Region von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Religiöse Differenzen haben zu einem Mangel an Zusammenarbeit geführt, so dass jedes Land seine eigene Suppe kochte. Wenn sich nun die Anrainerstaaten des Indischen Ozeans zu einem gemeinsamen Warnsystem für Erdbeben und Tsunamis durchringen können, wäre dies ein Schritt in eine kooperative Richtung, die diese Region dringend braucht, sollen hier nachhaltig grössere Sicherheit und grösserer Wohlstand für die Menschen entstehen.

Dies sind alles spekulative Ausblicke auf die Zeit nach dem ersten grossen Leid, das nun bewältigt und verarbeitet werden muss. Teilweise sind sie tröstlich. Doch leider auch traurig – wieso dass es vielfach erst Katastrophen braucht um Vernunft und Mitgefühl eine Chance zu geben.

(Patrik Etschmayer/news.ch)

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