Flüchtlingskrise
Ungarn mobilisiert Reservisten
publiziert: Samstag, 19. Sep 2015 / 11:54 Uhr / aktualisiert: Samstag, 19. Sep 2015 / 13:20 Uhr

Harmica - Ungarn mobilisiert freiwillige Reservisten der Armee, um in der Flüchtlingskrise die im Einsatz stehenden Kräfte zu verstärken. Verteidigungsminister Istvan Simicsko traf die Entscheidung auf Bitten des Generalstabschefs.

7 Meldungen im Zusammenhang
Die Reservisten würden vor allem in den Kasernen Soldaten ersetzen, die zur Sicherung der Grenzen abkommandiert worden seien. Sie könnten aber auch für andere Aufgaben eingesetzt werden, meldete die amtliche Nachrichtenagentur MTI am Samstag.

Ungarn streitet sich derzeit mit seinen südlichen Nachbarn Serbien und Kroatien über den Umgang mit Zehntausenden Flüchtlingen, die auf dem Weg nach Westeuropa sind. Immer mehr Staaten blocken die Hilfesuchenden ab.

Ungarn kündigte an, auch an der Grenze zu Kroatien einen Zaun zu errichten. Kroatien schloss weitgehend seine Grenzen zu Serbien. Slowenien stoppte den Zugverkehr von und nach Kroatien.

Kroatien brachte am Freitag und in der Nacht zum Samstag Tausende Flüchtlinge zu ungarischen Grenzübergängen. Nach Angaben der Polizei vom Samstag trafen am Vortag 7852 Migranten in Ungarn ein, die meisten von ihnen aus Kroatien.

Durch die Weiterleitung von Flüchtlingen von Kroatien über Ungarn kamen auch in Österreich über Nacht wieder tausende Menschen an. Die Behörden rechneten damit, dass im Lauf des Tages Tausende weitere Flüchtlinge eintreffen. In den vergangenen Tagen waren nur wenige Flüchtlinge nach Österreich gelangt.

Haftbefehle beantragt

Nach den Unruhen am ungarisch-serbischen Grenzübergang Röszke vor drei Tagen beantragte unterdessen die ungarische Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen elf festgenommene Flüchtlinge. Die Männer würden des «verbotenen Überschreitens der Grenzsperre als Teilnehmer von Massenunruhen» beschuldigt, teilte die Staatsanwaltschaft in der südungarischen Stadt Szeged am Samstag mit.

Am Mittwoch waren ungarische Sicherheitskräfte und aufgebrachte Flüchtlinge am geschlossenen Grenzübergang Röszke zusammengestossen. Die Polizei hatte Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt, die Flüchtlinge warfen Steine und Flaschen. Nach Darstellung der ungarischen Behörden sollen die Migranten die Grenzsperre durchbrochen haben und von Sicherheitskräften zurückgedrängt worden sein.

Indes mehren sich Zweifel an dieser Version. Der Oppositionspolitiker Ferenc Gyurcsany warf der Polizei vor, gezielt die Flüchtlinge angegriffen zu haben.

Tatsächlich veröffentlichte das Portal «24.hu» Video-Clips, auf denen zu sehen ist, wie Hunderte Flüchtlinge freudig durch das unerklärlicherweise geöffnete Grenztor gingen. Dabei riefen sie «Danke, Ungarn!», offenbar in der Annahme, die Grenze sei für sie wieder offen. Danach sieht man, wie sie vor dem Angriff der Polizei davonlaufen.

Auch die USA suchen Lösungen

US-Aussenminister John Kerry bezeichnete die Situation der Flüchtlinge in Europa als «humanitäre Katastrophe». In einem Interview des britischen Senders Channel 4 räumte Kerry ein, die Aufnahme von 10 000 syrischen Flüchtlingen in den USA sei nicht genug.

«Wir schauen uns andere Optionen an, es ist dringend», sagte Kerry. Der US-Aussenminister machte jedoch auch deutlich: «Man kann das nicht lösen, indem man einfach die Leute ins Land lässt.» Es sei notwendig, die Wurzeln des Problems anzupacken.

(bert/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Budapest - Ungarn schliesst nach ... mehr lesen 1
Kriegsflüchtlinge in Röszke/Ungarn.
Wien - Ungarn hat einen Hauptgrenzübergang bei Röszke zusammen mit Serbien wieder geöffnet. Die Innenminister beider Länder wohnten am Sonntag der Öffnung des Grenzübergangs Horgos-Röszke 1 ... mehr lesen
Wien - Im Laufe des Samstags sind ... mehr lesen
Harmica - Neue Flüchtlingstragödie in ... mehr lesen
Harmica - Die slowenische Polizei ... mehr lesen 1
Grenze zwischen Kroatien und Slowenien.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Viele Flüchtlinge wurden von Kroatien nach Ungarn gebracht.
Zagreb - Vom Flüchtlingsandrang ... mehr lesen
Zagreb - Kroatien hat nach den ... mehr lesen 1
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Die Fluchtroute auf der Seestrecke zwischen Nordafrika ...
Erschreckende Zahlven von der UNO  Berlin - Bei Bootsunglücken im zentralen Mittelmeer sind in der zurückliegenden Woche nach UNO-Angaben wahrscheinlich mindestens 880 Flüchtlinge umgekommen - und damit weit mehr als ohnehin schon befürchtet. mehr lesen 
Amnesty International berichtet  Kabul - Die Zahl der Binnenflüchtlinge hat sich wegen des Kriegs in Afghanistan in nur drei Jahren mehr als ... mehr lesen  
Afghanische Binnenflüchtlinge vegetierten unter «abscheulichen Bedingungen gerade so am Rande des Überlebens dahin». (Symbolbild)
Mit 124 zu 64 Stimmen genehmigte die grosse Kammer den Bundesbeschluss über den Nachtrag I zum Voranschlag 2016.
353 Millionen Franken für den Asylbereich  Bern - Der Nationalrat hat am Dienstag die Staatsrechnung 2015 sowie die Nachtragskredite zum ... mehr lesen  1
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 7°C 9°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Basel 9°C 11°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 7°C 9°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Bern 8°C 11°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Luzern 5°C 12°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Genf 7°C 12°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Lugano 3°C 10°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig freundlich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten