Analyse der Technischen Universität München
Unternehmen mit Managerinnen oft besser bewertet
publiziert: Donnerstag, 3. Mrz 2016 / 15:32 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 3. Mrz 2016 / 16:03 Uhr
Aktionäre trauen Frauen nicht per se mehr zu.
Aktionäre trauen Frauen nicht per se mehr zu.

München/Hongkong - Unternehmen mit Frauen in Vorstand und Aufsichtsrat kommen bei den Aktionären besser an. Die Anleger beurteilen die Leistungen der wenigen Frauen, die sich auf der Karriereleiter ohne Quote durchsetzen konnten, besser als die Arbeit der vielen männlichen Kollegen.

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Zu diesem Ergebnis kommen Ökonomen der Technischen Universität München (TUM) und der University of Hong Kong.

Makabres Studien-Design

Die Experten haben bei ihrer Analyse das Pferd von hinten aufgezäumt: Sie untersuchten in rund 50 Ländern die Aktienkurse von Unternehmen, aus denen Führungskräfte durch Tod oder Krankheit ausgeschieden waren. Dabei betrachteten sie rund 3.000 Fälle, in denen es im Untersuchungszeitraum von 1998 bis 2010 keine Frauenquote gab. «Unser Verfahren wirkt vielleicht ein wenig makaber, aber so konnten wir andere Einflussfaktoren minimieren», sagt TUM-Forscher Daniel Urban.

Die internationale wissenschaftliche Untersuchung hat deutlich gezeigt, dass nach einem plötzlichen Ausscheiden von Managerinnen der Aktienkurs durchschnittlich um zwei Prozent sank. Noch einen Prozentpunkt stärker war der Effekt, wenn eine Frau durch einen Mann ersetzt wurde. Schied dagegen ein Mann aus, hielten die Wertpapiere weitestgehend ihren Wert. «Frauen, die nicht durch Quoten in die Führungsgremien gelangt sind, tragen also mehr zum Wert der Unternehmen bei als Männer», fügt Urban ergänzend hinzu.

Widerstrebende Ergebnisse

Aktionäre trauen Frauen jedoch nicht per se mehr zu. Vielmehr beurteilen sie die konkreten Leistungen der Führungskräfte. Die Forscher fanden dies heraus, indem sie den jeweiligen Frauenanteil der Vorstände und Aufsichtsräte in den untersuchten Ländern einbezogen. Dieser betrug beispielsweise nur drei Prozent in Japan, acht Prozent in den USA, aber 20 Prozent auf den Philippinen. In Ländern, in denen es Frauen besonders schwer hatten, in eine Führungsposition zu gelangen, waren die Kursverluste bei ihrem Ausscheiden grösser.

«Hier wirkt der harte Auswahlprozess: Die Frauen müssen deutlich bessere Leistungen zeigen als ihre männlichen Kollegen. Entsprechend gross ist die Wirkung, wenn sie ausfallen», erklärt Urban und ergänzt: «Unternehmen sollten die Auswahl ihrer Führungskräfte verbessern. Vor allem sollten sie dieselben Massstäbe für beide Geschlechter anlegen. Denn mit der Gleichstellung von Managerinnen können sie ihren Firmenwert steigern.»

Gleichzeitig sprächen die Erkenntnisse gegen eine Frauenquote. Frühere Studien hatten bereits belegt, dass sich nach der Einführung einer Frauenquote für Aufsichtsräte in Norwegen der Erfolg der betreffenden Unternehmen verringerte. «Dies bedeutet keinesfalls, dass Frauen grundsätzlich schlechtere Aufsichtsrätinnen sind. Vielmehr hat die Quote dazu geführt, dass nicht immer die besten Führungskräfte ausgewählt wurden», so Urban abschliessend.

(cam/pte)

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