Unzuverlässige Drogen-Speicheltests
publiziert: Freitag, 21. Jan 2005 / 19:19 Uhr

Bern - Seit Anfang Jahr gilt für Drogen Nulltoleranz auf Schweizer Strassen. Bekiffte Autofahrer sind allerdings nur schwer aufzuspüren: Blut- und Urinproben sind aufwändg und teuer, und den neuen Speicheltests stellen Experten kein gutes Zeugnis aus.

Der Schnelltest Drugwipe versage bei Cannabis in 80 bis 90 Prozent der Fälle.
Der Schnelltest Drugwipe versage bei Cannabis in 80 bis 90 Prozent der Fälle.
Der Schnelltest Drugwipe, der in den meisten Kantonen im Einsatz ist, versagt bei Cannabis in 80 bis 90 Prozent der Fälle. Darauf deuten erste Resultate einer EU-Studie hin, wie Werner Bernhard vom Berner Institut für Rechtsmedizin (IRM) einen Bericht der Berner Zeitung bestätigte.

Bernhard ist Leiter der Abteilung forensische Chemie und Toxikologie und nimmt an der EU-Studie Rosita II teil. Im Rahmen dieser Untersuchung werden verschiedene Drogenschnelltests auf ihre Zuverlässigkeit hin geprüft und Qualitätsstandards entwickelt.

Drugwipe soll mittels Speichelabstrich in Minutenschnelle den Konsum von Cannabis, Kokain, Heroin, Morphinen oder Ecstasy nachweisen. Obwohl der Speicheltest als einer der besten auf dem Markt gilt, lässt sich Cannabis damit aber nur sehr unzuverlässig aufspüren.

THC nicht wasserlöslich

Unsere Testreihe ist erst zu einem Viertel abgeschlossen. Die bisherigen Resultate weisen aber darauf hin, dass der Test in den meisten Fällen versagt, sagte Bernhard. Ein Grund dafür sei, dass der Cannabis-Wirkstoff THC nicht wasserlöslich sei und daher im Speichel kaum vorkomme.

Bei anderen Drogen funktioniert Drugwipe laut Bernhard zuverlässiger. Ihre Wirkstoffe seien besser wasserlöslich und würden zudem in höheren Dosen aufgenommen.

Zuverlässig lässt sich THC vorläufig im Urin, rechtsverbindlich nur im Blut nachweisen. Für diese Tests braucht es aber eine aufwändige Infrastruktur, ein Bluttest kostet zudem mehrere Hundert Franken. Drugwipe dagegen kann direkt auf der Strasse angewendet werden und schlägt mit 30 bis 40 Franken zu Buche.

(bert/sda)

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