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Valentine Arrieta: «Ich renne immer»
publiziert: Mittwoch, 10. Dez 2008 / 16:26 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 11. Dez 2008 / 20:19 Uhr

Die selbstbewusste Neuenburgerin bewundert die belgische Sprinterin Kim Gevaert und hat selbst Dynamit in den Beinen.

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Valentine Arrieta: Ja, beste Nachwuchssportlerin der Westschweiz, das ist doch was! Vor allem, wenn ich die Namen der Sportler lese, die vor mir ausgezeichnet wurden, wie zum Beispiel der Eiskunstläufer Stéphane Lambiel oder auch Fussballprofi Philippe Senderos. Ich sehe dies als grossen Vertrauensbeweis.

Wo sind Sie aufgewachsen?

Arrieta: Mein Vater kommt aus Spanien. Meine Mutter kommt zur Hälfte aus dem Jura, zur anderen Hälfte aus dem Wallis. Ich bin in Yverdon geboren und war noch sehr klein, als meine Familie in den Kanton Neuenburg, nach Boudry, gezogen ist. Ich bin mit meiner Region sehr verbunden. Aber ich reise auch gerne. Durch die Leichtathletik habe ich bereits Peking, Prag, die Niederlande und Bosnien gesehen.

Wie sind Sie zum Leichtathletiksport gekommen?

Arrieta: Wenn ich mit den Nachbarskindern Räuber und Gendarm spielte, wurde es immer so eingerichtet, dass ich allein in einer Gruppe war, weil ich schneller als die anderen rannte. Und so hat die Geschichte ihren Lauf genommen. In der fünften Klasse habe ich gegen die Jungs gewonnen. Bei vielem von dem, was ich tue, renne ich. Ich renne immer. Ich renne sogar die Treppen hoch.

Was war der Auslöser?

Arrieta: Der Sportclub, in dem ich mich zuerst vorgestellt hatte, hat mich abgelehnt. Sie fanden mich zu «schmächtig ». Ich war früher sehr klein und bin dann recht schnell gewachsen. Als ich 13 Jahre alt war, hat mich mein Sportlehrer, Claude Meisterhans (der im Mai 2008 verstorbene Trainer aus Neuenburg wurde im Monat vor seinem Tod mit dem Preis der Schweizer Sporthilfe für sein Engagement für den Leichtathletiknachwuchs ausgezeichnet), gefragt, ob ich nicht Leichtathletik betreiben möchte. Im Training mit ihm habe ich alles ausprobiert. Zunächst bin ich Langstrecken wie den Tour du canton de Neuchâtel gelaufen, danach habe ich auch Hürdenlauf probiert und schliesslich noch die Sprintdisziplin.

Haben Sie sich jetzt für eine Disziplin entschieden?

Arrieta: Ich mag es, verschiedene Disziplinen auszuprobieren. Daher wechsle ich noch regelmässig ab. Ich mache sogar Stabhochsprung, Hochsprung und Weitsprung. Aber am meisten gefällt mir die Disziplin Hürdenlauf.

Welches sind Ihre besten Ergebnisse bisher?

Arrieta: Beim Festival Olympique de la Jeunesse Européenne FOJE (Olympisches Festival der Europäischen Jugend) in Belgrad wurde ich Zweite über 200 Meter. Ebenso haben wir die Staffel gewonnen. Ansonsten bin ich vor zwei Jahren bei der Weltmeisterschaft in Peking ins Halbfinale gekommen. Mein Rekord über 200 Meter liegt bei 23,76 Sekunden.

Sind Sie auch schon für die Schweiz an den Start gegangen?

Arrieta: Ja, vor zwei Jahren bin ich beim Europacup über 200 Meter für die Schweiz gestartet. Dies ist ein Wettkampf, bei dem jedes Land auch seinen besten Läufer für jede Disziplin auswählt. Insgesamt haben sechs Länder, darunter auch Belgien, am Wettkampf teilgenommen. Vor zwei Jahren wurde ich Fünfte, dieses Jahr Zweite. Ich hatte das Glück, gegen Kim Gevaert antreten zu dürfen. Damit hat sich für mich ein Traum erfüllt.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Arrieta: In den letzten zwei Jahren habe ich mich über die 200 Meter enorm entwickeln können. Ich hoffe, noch stärker zu werden. Wie alle Athletinnen und Athleten wünsche ich mir, eines Tages an den Olympischen Spielen teilnehmen zu dürfen. Ich denke hier insbesondere an London.

Was macht den Reiz am Wettkampf aus?

Arrieta: Ich kenne viele Konkurrentinen, die mit mir an den Start gehen. Das ist ein besonderes Gefühl, da wir uns gegenseitig kennen und natürlich auch alle jeweils gewinnen wollen. Ich liebe die Wettkampfatmosphäre.

Wie wichtig ist Ihnen Ihr Umfeld?

Arrieta: Meine Eltern unterstützen mich. Sie kommen überall mit hin, wo sie können.

Möchten Sie auch einmal im Ausland trainieren?

Arrieta: Ja, ich habe einen sehr grossen Plan. Ich hoffe, sechs Monate nach Amerika gehen zu können. Ich würde gern mit einem Team von dort trainieren. Wir sind dabei, die Möglichkeiten in den Schulen von Louisiana oder Indiana auszuloten. Darüber freue ich mich riesig.

Wie gehen Sie mit Verletzungen um?

Arrieta: Vor zwei Jahren war ich zwei Monate lang verletzt. Es war hart, die anderen nicht sehen zu können und auf das Laufen verzichten zu müssen. Wenn ich zwei Tage nicht laufe, freue ich mich bereits wieder auf das Training. Selbst wenn ich für einmal nichts zu tun habe, gehe ich oft einfach für mich laufen.

Was unterscheidet Sie von den amerikanischen Leichtathletinnen?

Arrieta: Zunächst einmal denke ich, dass ich das Niveau wohl nie erreichen werde. Die Amerikanerinnen trainieren intensiver und ganz einfach mehr als wir. Wenn ich also vielleicht noch härter trainiere als bisher, könnte ich es ja eventuell doch noch schaffen … (lacht)

Wie gehen Sie mit Stress um?

Arrieta: Ich verspüre Stress, sobald der Druck gross wird. Aber bis jetzt hatte ich den Stress jeweils bis zum Wettkampf gut im Griff. Vor einem Rennen darf man nicht viel mit mir reden. Manchmal bin ich gern bei den anderen, manchmal ziehe ich mich zurück und höre dann Musik – zurzeit am liebsten lateinamerikanische Rhythmen.

(mb/Sporthilfe)

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