Pilleneinnahme kann zum Zwang führen
Verbesserung des Menschen durch Pillen fragwürdig
publiziert: Donnerstag, 27. Okt 2011 / 15:02 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 27. Okt 2011 / 15:42 Uhr
Sind Pillen wirklich immer sinnvoll?
Sind Pillen wirklich immer sinnvoll?

Bern - Die Nationale Ethikkommission für Humanmedizin setzt grosse Fragezeichen hinter die vermeintliche Verbesserung des Menschen durch Pharmaprodukte wie Ritalin. Der Konsum schafft nicht nur Gesundheitsrisiken, sondern auch gesellschaftlichen Anpassungsdruck.

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Es sei zu befürchten, dass wegen der Einnahme entsprechender Präparate die sozialen Erwartungen an die zu erbringende Leistung steigen, warnt die Kommission in einer Stellungnahme. Die dadurch wachsende Belastung am Arbeitsplatz könne zu mehr psychischen Krankheiten führen, die gesellschaftliche Toleranz gegenüber Andersartigen sinken.

Unter diesen Bedingungen wäre die Einnahme von Präparaten wie Ritalin dann nicht mehr freiwillig, befürchtet die Kommission. Sie verlangt von Arbeitgebern und Bildungseinrichtungen darum, sich der psychischen Gesundheit ihrer Angestellten und Schutzbefohlenen bewusst zu werden.

Besonders fragwürdig bei Kindern

Besonders bei Kindern sei die Verbesserung durch Pillen, das «pharmakologische Enhancement», bedenklich. Entsprechende Medikamente könnten die Freiheit, die Persönlichkeitsentwicklung und die Persönlichkeitsrechte einschränken.

Eltern und Schulen hätten hier eine besondere Verantwortung sowohl für das einzelne Kind als auch für die Entwicklung der zukünftigen Werte und Massstäbe der Gesellschaft.

Darum regt die Kommission eine Überprüfung der heutigen Verschreibungspraxis von Psychopharmaka bei Kindern an. Zudem müssten die Ursache des höheren Verbrauchs geklärt und Kinder vor dem übermässigen Gebrauch geschützt werden.

Veränderung des Menschenbilds

Den Ärzten ruft die Kommission in Erinnerung, dass die Verschreibung von Medikamenten zu nicht-therapeutischen Zwecken die Wahrnehmung der Medizin in der Gesellschaft und darüber hinaus auch das Menschenbild verändert.

Von der Politik fordert die Kommission, das Enhancement mit der Prävention, der Krankheitsverhinderung, weder zu vermischen noch zu verwechseln. Die Prävention habe medizinischen und keineswegs kommerziellen Interessen zu folgen.

In der Schweiz ist der Verbrauch etwa von Ritalin seit Jahren steigend. Das Medikament dient der Bekämpfung des Aufmerksamkeitsdefizits und der Überaktivität bei Kindern. Gemäss einer Erhebung der Krankenkasse Helsana konsumierten 2009 etwa 29'000 Menschen das Medikament.

(bg/sda)

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